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Quo vadis, Windows? Ein Ausblick auf die Zukunft

04.06.2019 | 10:53 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Microsoft gibt einen Ausblick darauf, welche Möglichkeiten ein modernes Betriebssystem bieten muss. Hier die Top-Features.

Windows 10 Mai 2019 Update (Windows 10 Version 1903) wird an die Nutzer verteilt und Windows Insider dürfen bereits die beiden kommenden Feature-Updates Windows 10 Version 1909 und Windows Version 2003 ausprobieren. Mit jedem Feature-Update werden hier und da Funktionen hinzugefügt oder gar entfernt, neue Technologien unterstützt, Bugs behoben, die Performance und Stabilität erhöht und, und, und. Aber welche Vision verfolgt Microsoft eigentlich mit Windows?

Einen kleinen Ausblick auf die langfristigen Pläne bei Windows gibt Microsoft in einem Blog-Eintrag. Der Beitrag stammt von Nick Parker, der bei Microsoft als Vize-Präsident den Bereich "Consumer and Device Sales" verantwortet. Konkret werden in einer langen Passage Funktionen und Eigenschaften aufgelistet, die ein modernes Betriebssystem nach Meinung von Microsoft unterstützen und beherrschen muss. Von Windows 10 oder gar einem Windows 11 ist dort nicht die Rede. Stattdessen nur von einem "Modern OS", also "modernem Betriebssystem".

Laut Parker muss ein "Modern OS" folgende Eigenschaften bieten - wir haben die Punkte jeweils um unsere Meinung ergänzt:

  • Das System muss sich selbständig mit Updates auf einem aktuellen Stand halten. Die Updates müssen "unsichtbar" im Hintergrund erfolgen, ohne das der Nutzer also davon etwas mitkriegt oder gar seine Arbeit unterbrechen muss. Dazu müsse das Update-Erlebnis auch "deterministisch und zuverlässig" sein.
    Wir meinen: Diese Verbesserung ist dringend notwendig! Mit Windows 10 hat Microsoft den Update-Vorgang zwar verbessert, aber als optimal kann man ihn sicherlich nicht bezeichnen. Auch im Jahr 2019 müssen Nutzer nach größeren Updates noch einen Neustart des Systems durchführen, weil System- und Treiber-Dateien nicht "on the fly" ausgetauscht werden können. Wer sein Windows-10-Notebook schon länger nicht genutzt hat und einschaltet, muss zunächst einen Update-Marathon durchlaufen.

  • Das "Modern OS" muss standardmäßig sicher sein. Das soll erreicht werden, indem wichtige Komponenten des Betriebssystems voneinander getrennt sind. "Der Zustand ist getrennt vom Betriebssystem; das Rechnen von Anwendungen", beschreibt es Parker. Auf diese Art und Weise sollen Anwender besser vor Attacken geschützt werden, die während des Lebenszyklus eines Geräts erfolgen könnten.
    Wir meinen: Die Attacken auf Systeme werden immer ausgefeilter und entsprechend besser müssen auch die Nutzer geschützt werden. Windows 10 ist auf einem richtigen Weg, macht hier aber noch nicht alles perfekt. Weitere Änderungen könnten hier für zusätzliche Sicherheit sorgen.

  • Geräte mit "Modern OS" sind immer verbunden: Egal ob über ein Netzwerkkabel, Wifi, LTE oder 5G, sollen die Nutzer mit ihren Geräten immer mit dem Internet verbunden sein. Dabei wählt das Gerät die aktuell beste Verbindung ins Internet aus, so dass sich der Nutzer darum nicht kümmern muss. Außerdem sollen unterschiedliche Geräte sich automatisch erkennen und miteinander verbinden können.
    Wir meinen: "Always connected" ist auch bei aktuellen PCs schon ein gängiges Prinzip, bedarf aber noch weiterer Verbesserungen. Tatsächlich "always connected" bedeutet auch, dass ein Gerät im Hintergrund Mails abruft und den Nutzer auf wichtige Ereignisse hinweist, selbst dann wenn das Gerät eigentlich ausgeschaltet bzw. nicht aktiv genutzt wird.

  • Cloud-connected & KI:  Ein modernes OS soll den Nutzern die Möglichkeit bieten, von der Rechnenleistung aus der Cloud zu profitieren. Außerdem soll Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, die verfolgt, was der Nutzer macht, um ihm dann bei der Erledigung von Aufgaben hilfreich zu sein.
    Wir meinen: Cloud Computing und KI sind aktuelle Trendthemen, die derzeit im Windows-Alltag nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das wird sich über die kommenden Monate und Jahre noch stark verändern. Bereits jetzt nutzen immer mehr Applikationen die Möglichkeit, ihre Rechenleistung über die Cloud abzurufen, um damit rechenintensive Aufgaben nicht lokal erledigen zu müssen. In der Cloud schlummert so viel Rechenleistung, von der auch Privat-Nutzer profitieren könnten. Selbst weniger stark ausgerüstet Geräte können dann Aufgaben erledigen, für die früher Supercomputer notwendig gewesen wären. Der KI-Einsatz kann den Nutzern dabei helfen, immer wiederkehrende Aufgaben schneller zu erledigen. Bei all den Vorteilen darf aber auch eines nicht vergessen werden: Dem Schutz der Privatsphäre und der Sicherheit der Nutzerdaten muss allerhöchste Priorität eingeräumt werden.

  • "Multi-sense" lautet eine weitere Eigenschaft von "Modern OS"-Geräten. Damit ist gemeint, dass ein Betriebssystem alle Möglichkeiten für den Nutzer anbieten soll, um sich steuern zu lassen. Der Nutzer kann also entscheiden, ob er einen Rechner per Maus, Tastatur, Stift, Sprache, Berührungen oder sonst wie bedienen möchte.
    Wir meinen: Spracherkennung wird immer besser, aber Cortana erfreut sich dennoch nicht großer Beliebtheit unter den Windows-10-Nutzern. Mit Windows 10 Version 1903 spielt Cortana eine noch geringere Rolle. Entscheidend dafür, wie ein Nutzer ein Gerät verwenden möchte, ist letztendlich dessen Formfaktor. Microsoft verfolgt die Vision darüber, dass ein modernes Betriebssystem - bzw. dessen Kern - auf den unterschiedlichsten Gerätearten zum Einsatz kommen soll, von der AR-Brille über einen Desktop-PC bis zu einer Spielekonsole oder Workstation. Da macht es natürlich Sinn, die Art und Weise der Steuerung flexibel zu halten.

  • Form-Faktor-Agilität: Ein modernes Betriebssystem muss jegliche Form-Faktoren unterstützen. Dazu muss es unter anderem die zum Formfaktor passenden Sensoren unterstützen. Nur so können die durch Innovation entstandenen neuen Form-Faktoren voll zur Geltung kommen.
    Wir meinen: Ein Betriebssystem kann noch so schön sein, ist aber zum Scheitern verurteilt, wenn die Nutzer die Vorteile im Vergleich zur Konkurrenz nicht erkennen. Diese Erfahrung musste Microsoft in den letzten Jahren gleich mehrfach machen, und zwar mit seinen Versuchen, ein Betriebssystem für Smartphones zu etablieren. Offensichtlich ist sich Microsoft seiner Fehler bewusst und will es besser machen. Wie gut das gelingt, wird aber erst die Zukunft zeigen.

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