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Preiserhöhungen lassen illegale Streaming-Angebote boomen - aber Vorsicht!

26.01.2022 | 16:45 Uhr |

DAZN verdoppelt die Abo-Preise, Sky hat aufgeschlagen und auch Netflix wird teurer. Kein Wunder, dass immer mehr Sport-, Film- und Serienfans kostenlose Alternativen suchen und oft bei illegalen Angeboten im Internet landen.

Die Meldung zur Preiserhöhung bei DAZN am 25. Januar hat für einen regelrechten Sturm der Entrüstung gesorgt. Viele Abonnenten haben Ihr Unverständnis bei Twitter und Facebook teils drastisch kommentiert. Am Abend hat DAZN dann die Bestandskunden per Mail informiert: „Ab dem 1. Februar 2022 passen wir unsere Preisstruktur nur für neue und wiederkehrende DAZN-Mitglieder an. Die gute Nachricht für dich: Deine laufende Jahresmitgliedschaft ist von dieser Preisanpassung nicht betroffen.“ Doch spätestens ab dem 1. August werden die Preise auch für laufende Abos angepasst.

Tipp: Wer noch bis Ende Januar ein neues Abo bei DAZN abschließt oder ein stillgelegtes Abo reaktiviert, kommt zumindest noch bis Ende Juli in den Genuss der günstigeren Preise und spart bis zu 125 Euro. Und noch ein Tipp: Sky-Kunden können DAZN für aktuell 12,50 Euro monatlich für ihr Abo dazubuchen. Wie lange diese Preise gültig sind, war nicht zu erfahren.

Sky hat die einzelnen Programmpakete ebenfalls neu ausgepreist: Zwischen 2 und 2,50 Euro müssen Abonnenten monatlich mehr bezahlen. Das Paket mit Sport und Fußball Bundesliga kostet dann regulär 32,50 statt 30 Euro. XXL-Unterhaltung mit Netflix, Cinema, Fußball Bundesliga und Sport steigt auf 48 Euro im Monat. 

Die Preiserhöhung bei Netflix scheint ebenfalls gesetzt zu sein. Der zuletzt an der Börse abgewatschte Streaming-Gigant hat bereits in den USA das Standard-Abo für zwei gleichzeitige Streams von 13,99 auf 15,49 US-Dollar erhöht. Die derzeit einzigen Konstanten sind Amazon Prime Video, Apple TV und Disney Plus. Hier sind – zumindest Stand heute – noch keine Preiserhöhungen geplant und bekannt. 

Was sind die kostenlosen Alternativen

Auf der Suche nach kostenloser Unterhaltung sind die Bedientheken der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eine gute Anlaufstelle. Mit den entsprechenden Apps für PC, Notebook, Tablet, Smartphone, Spielekonsolen, Smart-TV und Mediaplayer wie Apple TV und Fire TV lassen sich Filme, Serien und Dokus zu jeder Zeit abrufen und ansehen. Mit der Software MediathekView  lassen sich die Inhalte unter Windows, MacOS und Linux sogar laden und lokal archivieren.

Mit der passenden App rufen Sie Inhalte aus der ZDF-Mediathek ab – kostenlos und legal.
Vergrößern Mit der passenden App rufen Sie Inhalte aus der ZDF-Mediathek ab – kostenlos und legal.

Echte (aktuelle) Kino-Blockbuster und exklusive Serien sowie Live-Sport-Events wie Fußball Bundesliga und Champions League gibt es nur gegen Bezahlung oder illegal. Eine Google-Suche nach den passenden Suchbegriffen findet eine Vielzahl von Streaming-Plattformen: Hier gibt es quasi alles für Jung und Alt, was auch Netflix, DAZN, Sky & Co. im Fundus haben.

Doch Vorsicht: Auch wenn Sie mit wenigen Mausklicks auf Sendung sind, sollten Sie den Verlockungen der kostenlosen Streams widerstehen. Anhand Ihrer IP-Adresse sind Sie rückverfolgbar. Dazu müssten aber die Ermittlungsbehörden in den Besitz der Zugriffsprotokolle der Server gelangen. Grundsätzlich gilt: Trotz der schwierigen Rückverfolgung können Nutzer illegaler gesendeter Streams jederzeit ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft sowie von Abmahnanwälten wegen Urheberrechtsverletzungen gelangen. Um das zu verhindern, setzen viele Streaming-Konsumenten auf einen VPN-Dienst, der die wahre Identität verschleiert. 

Mit einem VPN-Dienst verschleiert man seine Identität im Internet und kann so unerkannt beliebige Webseiten besuchen.
Vergrößern Mit einem VPN-Dienst verschleiert man seine Identität im Internet und kann so unerkannt beliebige Webseiten besuchen.

Vorsicht vor illegalen Streaming-Angeboten

Vor dem illegalen Streaming warnen viele Anwälte, darunter auch Christian Solmecke, Partner bei der Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE . Der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) hat mit seinem Urteil vom 26. April 2017 die Regeln definiert: „Im Kern gehen die Richter davon aus, dass sich Nutzer immer dann illegal verhalten, wenn sie beim Streaming von der Rechtswidrigkeit des verbreiteten Streams Kenntnis hatten oder diese hätten haben müssen. Davon dürfte allerdings immer auszugehen sein, wenn aktuelle Kinofilme, die nicht legal abrufbar sind, im Internet im Wege des Streamings verfügbar gemacht werden. Zudem sind neben weiteren zahlreichen Film- und Serien-Streaming-Portalen auch die Konsumenten von illegalen Bundesliga-Streams betroffen.“

Das bestätigt auch das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz e. V.  in Kehl: „Die Nutzung kostenloser Streaming-Dienste war für Nutzer lange Zeit eine Grauzone. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ist das Streamen von Serien, Filmen oder Live-Übertragungen von Sportevents auf illegalen Streaming-Portalen strafbar. Schadensersatzansprüche und Anwaltskosten können schnell mehrere Hundert Euro kosten. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte legale Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime, Disney+ & Co. nutzen.“

Andere Bezahlmodelle sind nötig

Und genau das empfehlen wir auch. Wünschenswert wären allerdings auch andere Bezahlmodelle als Alternative zum Monatsabo, wie sie beispielsweise in den USA seit Jahren etabliert sind. Ganz ohne kostenpflichtiges Abo bezahlt man nur die Inhalte, die man tatsächlich anschaut. So wie es etwa Sky Ticket ermöglicht.

Die Streaming-Anbieter erreichen mit ihren Preiserhöhungen allerdings exakt das Gegenteil. Immer mehr Kunden wollen und können sich die teuren Abos nicht mehr leisten und setzen auf illegale Angebote. Zwangsläufig müssen die Infrastruktur-, Lizenz- und Betriebskosten dann auf weniger Kunden umgelegt werden ­– die nächste Preiserhöhung ist so unvermeidlich. 

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