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Polizei warnt vor Sex-Erpressern am PC - so schützen Sie sich

06.05.2022 | 12:49 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Sex-Erpresser finden immer neue Opfer am PC. So läuft die Erpressung mit Sextortion und diese Tipps gibt die Polizei zum Schutz davor.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd warnt vor einer schon länger bekannten Erpressungsmethode, die passend zur Jahreszeit ihren zweiten Frühling erlebt: Sextortion. Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sind etliche solcher Fälle anhängig, wie die Polizei betont. 

Das ist Sextortion

Es war einmal ein Weib, das zeigte seinen Unterleib “ - so dichtete bereits 2018 die Polizei von Aachen, um damals vor Sextortion zu warnen. Bei Sextortion (ein Kunstwort aus den englischen Wörtern „Sex“ und „Extortion“ – Erpressung) geht es darum, dass der Gangster beziehungsweise eher die Gangsterin ihr meist männliches Opfer dazu bringt, sich vor laufender Webcam ausziehen und sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Mit diesen delikaten Videoaufnahmen erpresst die Cybergangsterin dann ihr Opfer und droht damit, die Aufnahmen im Web zu veröffentlichen oder an die Bekannten beziehungsweise Social-Media-Kontakte der erpressten Person zu schicken. Sofern das Opfer nicht ein Schweigegeld zahlt.

So finden die Erpresser ihre Opfer

Ihre Opfer finden die Erpresser überwiegend in den sozialen Netzwerken. Als Lockvogel dienen „attraktive weibliche Profile“. Die Gangster verschicken zunächst eine unverfängliche Freundschaftsanfrage. Nimmt das Opfer diese an, wird zunächst etwas gechattet, wobei die Chats schnell ins Sexuelle abgleiten. Schließlich treffen sich beide Personen auf einer der zahlreichen existierenden Videoplattformen.

Sobald das Opfer „verwertbare“ Bilder mit seinen sexuellen Handlungen geliefert hat, drohen die Erpresser sofort damit, das Bildmaterial an Freundeslisten oder Familienangehörige zu verschicken, sollte sich der Geschädigte nicht zu einer Zahlung einer hohen Eurosumme an eine ausländische Kontonummer bereit erklären. Alternativ können auch Bitcoin-Zahlungen oder der Herausgabe von Aktivierungsnummern von Prepaidkarten gefordert werden. Der Druck wird noch dadurch erhöht, indem die Erpresser behaupten, dass die Dame aus dem Chat noch minderjährig sei.

Die Polizei ermittelte, dass die erpressten Summen oft in Richtung Elfenbeinküste fließen. Das gezahlte Schweigegeld ist verloren.

Aktuelle Fallzahlen

In einem Fall zahlte das Opfer 8.000 Euro und in einem anderen waren es 3.000 Euro. Waren im Jahr 2020 20 solcher Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums verzeichnet worden, stieg die Zahl im Folgejahr 2021 auf mehr als 30 Fälle an und auch für das laufende Jahr 2022 sei tendenziell mit einer weiteren Zunahme der Fallzahlen zu rechnen.   

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Die Kriminalpolizei rät:

  • Nehmen Sie keine Freundschaftsanfragen von fremden Personen an.

  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Account- und Privatsphäreneinstellungen.

  • Seien Sie zurückhaltend mit der Veröffentlichung persönlicher Daten wie Anschrift, Geburtsdatum oder Arbeitgeber.

  • Stimmen Sie nicht vorschnell einem Videochat zu.

  • Im Zweifel kleben Sie die Chatkamera zunächst ab, um lediglich verbal zu kommunizieren und das Geschehen zu beobachten.

  • Stimmen Sie keinen Entblößungen oder intimen Handlungen in Videochats zu, wenn Sie die Person erst seit Kurzem kennen.

  • Halten Sie Betriebs- sowie Virenschutzsysteme auf Ihren online-genutzten Endgeräten wie Smartphone, Laptop, Tablet oder Computer immer auf dem aktuellen Stand, um sich vor Schadsoftware, sogenannter Malware, zu schützen. Es gibt Malware, die Ihre Webcam problemlos aktiviert und Sie damit jederzeit filmen kann!

Falls Sie bereits erpresst werden:

  • Überweisen Sie kein Geld! Die Erpressung hört nach der Zahlung meist nicht auf.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

  • Kontaktieren Sie den Betreiber der Seite und veranlassen Sie, dass das Bildmaterial gelöscht wird. Nicht angemessene Inhalte kann man dem Seitenbetreiber über eigens hierfür eingerichtete Buttons melden.

  • Brechen Sie den Kontakt zu der anonymen Person sofort ab, reagieren Sie nicht auf Nachrichten.

  • Sichern Sie die Chatverläufe und Nachrichten mittels Screenshot.

Die Polizei hat hier ein Video veröffentlicht, das den Ablauf einer solchen Sextortion zeigt:

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