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Polizei warnt: So kapern Gangster die Konten ihrer Opfer und so schützen Sie sich

12.07.2022 | 09:57 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Polizei warnt vor einer Betrugsmasche, mit der Cybergangster derzeit verstärkt nach Opfern suchen: "Job-Scamming". So läuft die Masche und so schützen Sie sich.

Das Polizeipräsidium Südosthessen warnt vor einer Betrugsmasche, mit der Cybergangster derzeit verstärkt nach Opfern suchen. Dabei handelt es sich um so genanntes "Job-Scamming".

So ködern die Gangster ihre Opfer

Dabei erstellen die Betrüger gefälschte Stellenanzeigen im Internet, vorwiegend auf Job- oder Internetverkaufsportalen. Sie versprechen einen Job mit sehr guter Bezahlung, oftmals mit freier Zeiteinteilung und Aussicht auf Homeoffice. Also ein möglichst attraktives Angebot, das für viele Job-Suchende interessant sein könnte. Besonders raffiniert: In vielen Fällen zahlen die Täter zunächst einen kleinen Geldbetrag, um die Opfer zu ködern - so wird eine große Anzahl potenzieller Opfer angelockt.

Opfer sollen Konten eröffnen

Den Opfern wird in der Regel angeboten, als Tester von Banking-Apps zu arbeiten oder ein Auswahlverfahren durchlaufen zu müssen, was in aller Regel online stattfindet. Das Entscheidende: In beiden Fällen werden die Opfer von den Tätern dazu veranlasst, via Video-Ident-Verfahren persönliche Daten und Bilder preiszugeben, mit denen die Betrüger echte Bank- oder Bitcoin-Konten auf die Namen der Geschädigten eröffnen. Denn darum geht es bei dieser Betrugsmasche: Die Cybergangster wollen über die von den Opfern eröffneten Konten ihre Betrügereien durchführen.

Im weiteren Verlauf werden die Opfer gebeten, die ihnen zugestellten Kontoeröffnungsunterlagen (PIN/TAN usw.) den Tätern zuzuleiten, wie die Polizei erläutert. Die Zuleitung der Unterlagen soll angeblich dazu dienen, die eröffneten Konten von Seiten des "Arbeitgebers" nach erfolgreicher Testung zu schließen. Doch die Täter verändern unmittelbar nach Erhalt der Unterlagen die Onlinezugangsdaten zu den Konten, so dass die Opfer ab diesem Zeitpunkt keinen Zugriff auf das bzw. die eröffneten Konten haben. Zum Teil werden Konten bereits mit dem Namen des Bewerbers, allerdings mit falschen Kontaktdaten von den Tätern eröffnet. Somit ist der Zugang des Kontos bereits ab Eröffnung des Bewerbers für die Täter offen.

Dafür nutzen die Gangster die Konten der Opfer

Die Cybergangster nutzen die im Namen der Opfer eröffneten Konten für Zahlungen aus weiteren kriminellen Handlungen, etwa beim Warenbetrug. Das geht dann so: Die Täter bieten im Internet hochwertige Ware, wie etwa Smartphones oder Gartengeräte, günstig als Fake-Angebote an. Kauft nun ein Dritter das vermeintlich günstige Angebot und überweist das Geld auf das zuvor eröffnete Konto, ist das Geld weg - es wird nämlich sofort über andere Konten ins Ausland weitergeleitet. Die gesamte Kommunikation zwischen Tätern und Geschädigten findet in den meisten Fällen über Messenger-Dienste statt.

Über den Betrug informiert werden die Opfer meist erst Wochen oder Monate später, wenn etwa ein Warenbetrugs-Opfer Anzeige erstattet oder sich das Amtsgericht mit dem Hinweis meldet, dass das Konto gepfändet wurde. Dann droht den Opfern, in deren Namen die Konten eröffnet wurden, sogar noch Ärger wegen Verdachts der Geldwäsche.

Die Polizei rät:

  • Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens sollte eine Kontoeröffnung via Video-Ident-Verfahren auf jeden Fall abgelehnt werden.

  • Wenn bereits an einem solchen Verfahren teilgenommen wurde, sollte das Konto sofort gesperrt werden.

  • Sichern Sie Chatverläufe und erstatten Sie in jedem Fall Strafanzeige bei der Polizei, wenn Sie einer fremden Person Ihre Daten übermittelt haben.

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