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Polizei hebt Hacker-Rechenzentrum für Telekom-Hack in Ex-Nato-Bunker aus

30.09.2019 | 10:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Polizei hat ein illegales Rechenzentrum in einem ehemaligen Nato-Bunker ausgehoben. Von dort wurden zahlreiche illegale Online-Märkte betrieben und 2016 der berühmt-berüchtigte Hackerangriff auf rund eine Million Telekom-Router geführt.

Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz melden einen schweren Schlag gegen Cyberkriminelle. Die Polizei hat demnach ein Rechenzentrum, das von Hackern betrieben wurde, ausgehoben. Dieses illegale Rechenzentrum befand sich in einem ehemaligen NATO-Bunker in Traben-Trarbach. Die Beamten nahmen sieben Verdächtige fest. Insgesamt ermittelt die Polizei gegen 13 Verdächtige.

Die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz führen laut eigenen Angaben seit fast fünf Jahren ein „umfangreiches und äußerst zeit- und arbeitsintensives Ermittlungsverfahren“ gegen die Betreiber eines als "Bulletproof-Hoster" bezeichneten Rechenzentrums. Ein derartiger Hoster verspricht seinen Kunden Schutz vor staatlichem Zugriff und den daraus resultierenden Ermittlungen. Erstmals sei es deutschen Ermittlungsbehörden nun aber gelungen, einen derartigen Hoster auszuheben.

Gegen die Täter bestehe der der dringende Verdacht, in dem ehemaligen NATO-Bunker in Traben-Trarbach unter dem Szenenamen "Cyberbunker", ein Rechenzentrum für das Hosting Webseiten krimineller Täter zu speichern. Somit schuf das Rechenzentrum überhaupt erst die Basis für deren kriminelle Tätigkeiten. So wurden darauf Webseiten gehostet, über die die international agierenden Kriminellen Drogen, gefälschte Dokumente, gestohlene Daten und Kinderpornografie verbreiteten. Außerdem wurden von dem Rechenzentrum groß angelegte Cyberangriffe durchgeführt.

Zu den kriminellen Kunden gehörten die Betreiber von "Cannabis Road" (Verkauf von Drogen aller Art), "Wall Street Market" (laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bis zu seiner Zerschlagung im Mai 2019 der zweitgrößte Marktplatz seiner Art für  Betäubungsmittelgeschäfte), "Fraudsters" (Betäubungsmittelgeschäfte), "Flugsvamp 2.0" (Darknet-Marktplatz für Betäubungsmittel) sowie die Drogenplattformen "orangechemicals", "acechemstore" und "lifestylepharma".

Außerdem soll vom Cyberbunker aus im November 2016 der berühmt-berüchtigte Angriff auf rund eine Million Telekom-Router durchgeführt worden sein:

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Bei den 13 Beschuldigten handelt es sich um zwölf Männer und eine Frau im Alter von 20 bis 59 Jahren. Das Amtsgericht Koblenz hat gegen sechs dieser Männer und die Frau (vier Niederländer, ein Bulgare, zwei Deutsche) Haftbefehle wegen Flucht-, und Verdunklungsgefahr erlassen. Ferner erließ die Ermittlungsrichterin 18 Durchsuchungsbeschlüsse. Damit durchsuchten mehrere hundert Einsatzkräfte von Landespolizei Rheinland-Pfalz, der Polizei Hessen und der Bundespolizei inklusive der GSG9 in Deutschland und im benachbarten europäischen Ausland zahlreiche Räumlichkeiten und stellten dabei etwa 200 Server, schriftliche Unterlagen, zahlreiche Datenträger, Mobiltelefone und eine größere Summe Bargeld sicher.

Update 30.9.: Wie Spiegel Online berichtet, erstreckte sich das Rechenzentrum in dem Bunker über fünf Etagen mit Serverrack neben Serverrack. Eine schwere Eisentür schützte den Zugang zu dem Bunker.

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