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Papstgarde trägt jetzt Helme aus dem 3D-Drucker

25.02.2019 | 14:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Schweizergarde des Papstes ersetzt ihre schweren Metallhelme durch moderne Kunststoffhelme aus dem 3D-Drucker.

Die legendäre Schweizergarde, die den Vatikanstaat und insbesondere den Papst und den apostolischen Palast bewacht, ersetzt ihre schweren Metallhelme durch moderne Kunststoffhelme aus dem 3D-Drucker. Die neuen PVC-Helme aus dem Drucker sind nicht nur signifikant leichter (570 Gramm statt 2 Kilogramm), sondern sie besitzen auch Lüftungsschlitze. Das ist für die Soldaten der Schweizergarde schon allein deshalb wichtig, weil die Gardisten oft in der heißen Sonne Roms stehen und dabei mitunter ihren Helm tragen müssen. Die neuen Helme können sich zudem nicht mehr so stark aufheizen wie die alten Metallhelme, so dass keine Gefahr mehr besteht, dass sich die Träger beim Berühren verbrennen können. Obendrein sind die neuen UV-beständigen Helme preiswerter in der Herstellung.

Am 22. Januar 2019 erhielt die 110 Mann starke Schweizergarde laut The Verge ihre ersten 98 neuen Helme. Insgesamt bestellte der Vatikan 120 neue Helme. Für die Reproduktion wurden Metallhelme aus dem 16. Jahrhundert eingescannt. Denn die Schweizergarde wurde 1506 aufgestellt. 1527 beim Sacco di Roma, als deutsche und spanischen Landsknechte unter Karl V. Rom und den Vatikan eroberten, fiel ein Großteil der Gardisten beim Abwehrkampf. Doch die Schweizergarde wurde danach wieder mit neuen Rekruten aufgefüllt und existiert bis heute als älteste und kleinste Armee der Welt.

Ein HP 3D Drucker benötigt rund 14 Stunden, um einen Helm fertig auszudrucken. Zum Vergleich: Die Herstellung eines Metallhelms (in Österreich) von Hand dauert rund 130 Arbeitsstunden. Jeder Helm aus dem 3D-Drucker eines Schweizer Unternehmens kostet 880 Euro, das ist weniger als die Hälfte eines vergleichbaren Metallhelms. Ein Verlust an Sicherheit ist mit der Umstellung von Metall auf Kunststoff nicht verbunden, denn die Helme haben ohnehin nur Repräsentationszwecke.

An den bunten Renaissance-artigen Gala-Uniformen (die Farben des Hauses Medici) der Schweizergarde ändert sich nichts und auch das Aussehen des Helms ändert sich nicht wirklich. Nur dass er eben künftig aus Kunststoff und nicht mehr aus Metall besteht. Der Typus des Helms bleibt also unverändert der Morion, der ursprünglich von spanischen Truppen getragen wurde und bei der Eroberung Amerikas durch spanische Konquistadoren ein wichtiger Teil der Rüstung war.

Test: Fischertechnik 3D-Drucker

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