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PC-WELT exklusiv: So feuert Klarna, Höhe der Abfindung & kreative Reaktionen

27.05.2022 | 11:11 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Klarna kündigt rund 10 Prozent seiner Mitarbeiter – zumindest in einigen Fällen per Video-Schaltung. So viel zahlt Klarna den Entlassenen. Diese sollen einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Update: Reaktionen der Betroffenen.

Update 27.5.: Entlassene "Klarnauten" reagieren mit kreativen Hashtags

Mittlerweile bringen betroffene Klarna-Mitarbeiter ihren Frust auf Job-Plattformen wie LinkedIn zum Ausdruck. Dabei werden bekannte Klarna-Formulierungen wie "Klarnaut" oder "Smoooth Payments" in Hashtags persifliert. So wird aus "Klarnaut" – so werden Klarna-Mitarbeiter intern in Mails bezeichnet – "KlarnOUT" und aus "Smoooth Payments" wird "SmooothlyOUT". Hier ein Beispiel:

Dieser Screenshot zeigt die Reaktion einer entlassenen Klarna-Mitarbeiterin auf Linkedin.
Vergrößern Dieser Screenshot zeigt die Reaktion einer entlassenen Klarna-Mitarbeiterin auf Linkedin.

Update Ende

Am 23. Mai 2022 um 16 Uhr deutscher Zeit teilte Klarna intern per aufgezeichneter Videobotschaft seinen Mitarbeitern mit, dass das schwedische Unternehmen zehn Prozent seiner Mitarbeiter entlassen werde: Klarna entlässt 10 Prozent seiner Mitarbeiter – per Video-Botschaft. Ebenfalls am 23. Mai informierte Klarna die Öffentlichkeit über die Massenentlassungen, die rund 700 Menschen weltweit betreffen. Noch am selben Tag (23.5.2022) begann Klarna laut eigener Aussage damit, die ersten betroffenen Mitarbeiter darüber zu informieren, dass diese den Zahlungsdienstleister verlassen müssen.

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Kündigung zumindest in einigen Fällen per Video-Schaltung

PC-WELT sprach mit europäischen Klarna-Mitarbeitern, die jetzt entlassen werden. Demnach teilte Klarna die Entlassung den betroffenen Mitarbeitern zumindest in einigen Fällen per Video-Konferenz mit. Zwar handelt es sich dabei um 1:1-Gespräche (wie von Klarna versprochen: "personal, individual conversation"), aber die Beteiligten saßen eben nicht im gleichen Raum. Sondern die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter saßen an ihrem Arbeitsplatz beziehungsweise im Home Office und das Gegenüber saß – zumindest in einigen Fällen – in Schweden. Die jeweiligen Teamleiter wurden anscheinend in die Entscheidung, wer gehen muss, nicht eingebunden. Klarna entlässt übrigens nicht nur "einfache" Mitarbeiter, sondern laut unseren Informationen sogar Teamleiter.

Klarna rechtfertigt gegenüber PC-WELT die Video-Schalte folgendermaßen: "Klarna ist ein hochgradig internationales Unternehmen, Englisch ist die Arbeitssprache und viele Teams sind über mehrere Länder, wenn nicht sogar Kontinente verteilt. Dass manche Gespräche auf individueller Ebene, aber eben per Video-Konferenz stattfinden, ist schlicht eine Normalität."

Begleitend zu dem (Video)-Gespräch verschickt Klarna an jeden betroffenen Mitarbeiter eine englischsprachige Mail mit Details zur Kündigung. Darin werden die weitere Vorgehensweise erklärt und – ganz wichtig – die Abfindungsmodalitäten vorgestellt.

So viel zahlt Klarna den Entlassenen

Demnach müssen die entlassenen Mitarbeiter ab sofort nicht mehr für Klarna arbeiten. Sie sollen sich aber zur Verfügung halten, falls Klarna Informationen für den Geschäftsbetrieb benötigt. Das Gehalt wird je nach Dauer der Unternehmenszugehörigkeit zwischen einem und drei Monate lang weitergezahlt. Am letzten Tag des laufenden Arbeitsvertrags sollen die Mitarbeiter dann noch einmal in das Unternehmen kommen und ihre IT-Ausrüstung etc. zurückgeben.

Danach scheiden die Betroffenen aus, erhalten aber eine Abfindung. Deren Höhe variiert in Abhängigkeit von der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit zwischen dem Gehalt für zwei Wochen und dem Gehalt für über sechs Monate. Ein Beispiel: Wer drei oder vier Jahre bei Klarna beschäftigt war, erhält weitere drei Monate sein Gehalt und danach eine Abfindung, die seinem Gehalt für fünf Monate entspricht.

Vorsicht: Sperre beim Arbeitsamt

Klarnas Vorgehensweise kann für die Betroffenen aber ein Problem darstellen. Denn die Entlassenen müssen einen Aufhebungsvertrag/Abfindungsvereinbarung ("settlement agreement") unterschreiben. Das bedeutet aber, dass sie von der Bundesagentur für Arbeit einige Monate lang kein Arbeitslosengeld bekommen, sondern für dieses gesperrt werden. Sofern die Betroffenen also nicht sofort einen neuen Job finden, kann das bedeuten, dass diese einige Monate ohne Einkommen überstehen müssen.

Für diesen Fall sollten die Betroffenen also Geld von der Lohnfortzahlung sowie von der Abfindung zurücklegen!

In jedem Fall sollten Betroffene sofort einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht konsultieren. Nur so ein Experte kann einschätzen, ob das Unterschreiben des Aufhebungsvertrags und die Annahme der Abfindung die beste Lösung darstellt. Zudem sollten sich die Betroffenen sofort beim Arbeitsamt melden.

Laut unseren Quellen wird Klarna in einigen Tagen den gekündigten Mitarbeitern den Aufhebungsvertrag zuschicken. Die Mitarbeiter haben dann zehn Kalendertage Bedenkzeit.

Bei Klarna gibt es nach unseren Informationen keinen Betriebsrat, der den entlassenen Mitarbeitern helfen könnte. Offensichtlich passt die Gründung eines Betriebsrats nicht zu der Startup-Mentalität, die Klarna für sich beansprucht.

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