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PC-Hardware wird günstiger – was das für Sie bedeutet

14.07.2022 | 13:05 Uhr | Sebastian Schenzinger

Die Nachfrage nach Hardware, insbesondere PC-Komponenten wie CPUs oder GPUs ist in den letzten Wochen stark gesunken. Hersteller wie AMD, Nvidia und Intel, Auftragsfertiger wie TSMC und Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang im PC-Markt und passen bereits ihre Prognosen und Aufträge entsprechend an.

Die Nachfrage nach Computer-Hardware ist in den letzten Wochen stark zurückgegangen, was sich zum Einen an den immer weiter fallenden Preisen von Grafikkarten bemerkbar macht. So sind mittlerweile viele Modelle - zum Teil sogar deutlich - unter der UVP gelistet. Des einen Freud, des anderen Leid: So haben Hardware-Größen wie Apple, AMD oder Nvidia bereits  ihre Bestellungen bei TSMC nach unten hin angepasst  oder sind gerade dabei. Auch  Mainboard-Hersteller wie Asus oder Gigabyte  mussten ihre Kontingente und vor allem auch die Erwartungen nach unten schrauben. Analysten wie  IDC  gehen indes von einem Rückgang des PC-Markts 2022 um 8,2 Prozent aus. Für die Hersteller kommt der Zeitpunkt sehr ungelegen, stehen doch am Ende des Jahres viele große Hardware-Releases wie Ryzen 7000, Core i-13000, RTX 4000 und RX 7000 an, worüber wir in  diesem Beitrag  berichten.

Gründe für die sinkende Nachfrage

Der wichtigste Grund dürfte die starke Inflationsrate von derzeit 7,9 Prozent laut dem statistischen Bundesamt sein. So sind zum Beispiel der Verbraucherpreis für Nahrungsmittel um 11,1 Prozent und für Energie um 38,3 Prozent angestiegen. Da ist es wenig verwunderlich, dass das Interesse an und vor allem auch die Kaufkraft für Unterhaltungselektronik zurückgeht. 

Ein weiterer Punkt ist eine gewisse Übersättigung des Marktes. Laut einer Analyse der IDC  sind im Jahr 2019 rund 265 Millionen traditionelle PCs verkauft worden und damit nur unwesentlich mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2020 erfolgte ein sprunghafter Anstieg auf etwa 305 Millionen Einheiten, der noch einmal deutlich überboten wurde im Jahr 2021 mit 350 Millionen PCs. Die Ursache hierfür dürfte in den unzähligen Lockdowns gelegen haben. Millionen Menschen konnten nicht mehr Ihren gewohnten Aktivitäten nachgehen, viele mussten sich Computer-Hardware zum Arbeiten im Home Office kaufen oder verbrachten ihre Freizeit mit Unterhaltungselektronik. Da wir in Europa immer mehr zu unserem gewohnten Alltag zurückkehren können, sinkt die Nachfrage dementsprechend. 

Weitere Gründe sind der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, nach wie vor große Einschränkungen aufgrund der Pandemie in Metropolregionen in China und ein starker Einbruch der Krypto-Währungen, in Folge dessen der Gebrauchtmarkt mit Mining-Hardware überschwemmt wird. 

Der Rückgang in Zahlen

Gemäß der Vorhersage von Gartner vom Juni ist mit einem Rückgang der weltweiten PC Verkäufe von 9,5 Prozent zu rechnen. Ranjit Atwal, Senior Director Analyst bei Gartner begründet den Rückgang wie folgt:  "Ein perfekter Sturm aus geopolitischen Umwälzungen, hoher Inflation, Währungsschwankungen und Unterbrechungen der Lieferkette hat die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern nach Geräten weltweit gesenkt und wird den PC-Markt im Jahr 2022 am stärksten treffen. Die Nachfrage nach Consumer-PCs wird im Jahr 2022 um 13,1 Prozent sinken und damit deutlich stärker als die Nachfrage nach Business-PCs, die im Jahresvergleich um 7,2 Prozent zurückgehen dürfte." Auch im Tablet und Smartphone Sektor rechnet Gartner 2022 mit deutlichen Rückgängen bei den Verkaufszahlen.

Laut Gartner soll der Verkauf von PCs 2022 um 9,5 Prozent einbrechen.
Vergrößern Laut Gartner soll der Verkauf von PCs 2022 um 9,5 Prozent einbrechen.
© Gartner

Fast genauso düster fällt die Vorhersage der IDC  bezüglich den zu erwartenden Verkaufszahlen im PC-Segment mit einem Rückgang um 8,2 Prozent aus. Ryan Reith, Group Vice President von IDC, nennt dabei sehr ähnliche Gründe für das Negativwachstum: "Zu den Problemen im Zusammenhang mit der Pandemie kommen nun auch noch Krieg, Inflation und die anhaltenden Abriegelungen in China hinzu. Unsere Untersuchungen zeigen weiterhin eine starke Nachfrage- und Angebotsaktivität, die auf den kommerziellen PC-Markt abzielt, aber die Verbraucher- und Bildungsmärkte sehen zunehmende Bedenken und infolgedessen weniger Aufträge. Die Senkung der letzten Prognose war aus vielen Gründen signifikant, und die Unsicherheit bleibt hoch."

IDC sieht den Rückgang mit 8,2 Prozent recht ähnlich.
Vergrößern IDC sieht den Rückgang mit 8,2 Prozent recht ähnlich.
© IDC

Nicht nur die Analysten, sondern auch Speicherhersteller Micron rechnet mit einem Absatzrückgang. Sollen die Ziele im dritten Quartal noch nahezu erreicht werden, so ist im vierten Quartal mit einer Unterlieferung von guten 21 Prozent zu rechnen, oder in Zahlen mit nur 7,2 Milliarden anstelle der angepeilten 9,14 Milliarden. Ein Grund hierfür soll sein, dass gemäß den neuen Hochrechnungen mit 130 Millionen weniger verkauften Smartphones zu rechnen ist als ursprünglich angenommen.

Weiter mit den schlechten Nachrichten geht es bei den PC-Komponenten-Herstellern ASUS und Gigabyte . So haben beide Hersteller ihre Ziele bezüglich der Verkaufszahlen deutlich nach unten korrigieren müssen. Asus hat im Zuge seines Quartalsberichts angegeben, dass bereits im zweiten Quartal die Zahl der PC Verkäufe sich um zehn Prozent und bei Einzelkomponenten um zehn bis 15 Prozent reduziert hat. Konkret bei den Mainboards sollen sich die Verkaufszahlen von 18 Millionen im Jahr 2021 auf nur noch 14 Millionen reduzieren. Bei Gigabyte sind die Zahlen im Mai noch einmal bedeutend schlechter ausgefallen und offenbaren einen Umsatzrückgang von 41 Prozent. In Puncto Mainboard-Verkäufen rechnet der Hersteller nur noch mit 9,5 Millionen Einheiten - im Vorjahr waren es noch 13 Millionen. 

Umsatzrückgang von Gigabyte im Mai
Vergrößern Umsatzrückgang von Gigabyte im Mai
© Gigabyte

Folgen der sinkenden Nachfrage

DigiTimes will aus Branchenkreisen erfahren haben, dass TSMC mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Prognosen nach unten korrigieren muss. Grund hierfür ist. dass die größten Auftraggeber Apple, AMD und Nvidia ihre Bestellungen bereits nach unten angepasst haben oder dies noch tun wollen. So soll zum Beispiel Apple sein Kontingent an Chips für das kommende iPhone 14 um zehn Prozent reduziert haben. Bei AMD wiederum ist die Rede von 20.000 weniger bestellten Wafern im N6- und N7-Fertigungsverfahren für das vierte Quartal 2022 und das erste Quartal 2023, die Bestellungen in der N5-Node für die kommenden Ryzen 7000 CPUs und RX 7000 GPUs sollen davon jedoch nicht betroffen sein. Zu guter Letzt will auch Nvidia seine Bestellmengen reduzieren respektive die Auslieferung auf das erste Quartal 2023 verschieben.

Sowohl die Studie von Gartner als auch von IDC  haben bei Anlegern für Verunsicherung gesorgt. In Folge dessen hat der Aktienkurs von AMD und Nvidia deutlich nachgegeben. Bei AMD lag der Kursverlust innerhalb der ersten Woche nach der Veröffentlichung der Prognose bei 15,7 Prozent, auf Seiten von Nvidia ist die Aktie bereits in den ersten fünf Tagen um 16,1 Prozent gefallen. Der Aktionär rät Anlegern in Folge dessen von Nvidias Aktien erst einmal ab und stuft auch das Risiko bei AMDs Aktie mit hoch ein. 

Aktienverlauf von AMD und Nvidia
Vergrößern Aktienverlauf von AMD und Nvidia
© Der Aktionär

Für Endkunden hat die sinkende Nachfrage nach PC-Hardware erst einmal erfreuliche Folgen. Dass sich der Marktpreis nach dem Angebot und der Nachfrage richtet, mussten wir gerade im GPU-Bereich in den letzten zwei Jahren schmerzlich erfahren mit Preisen, die zum Teil das dreifache der UVP betragen haben. Doch jetzt dreht sich der Spieß um und durch die sinkende Nachfrage kommt es zu einem Überangebot. Wie DigiTimes berichtet, soll Chip-Riese Intel die Preise für seine Alder Lake CPUs, vor allem die absatzstarken Core i5 und i7 Modelle, im zweiten Quartal gegenüber den OEM-Kunden bereits um acht bis zehn Prozent gesenkt haben. Für das dritte Quartal steht eine weitere Preissenkung um fünf Prozent im Raum. Durch die günstigeren Preise will der Hersteller den Verkauf wieder ankurbeln. Eine Senkung der Preise ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, erfolgt aber normalerweise nicht so kurz nach dem Release. Ein Großteil des Alder Lake Portfolios ist nämlich erst Anfang des Jahres auf den Markt gekommen. 

Dennoch sollten sich Endkunden nicht auf sinkende Preis einstellen. So betrifft die Inflation auch die Beschaffung von kleinsten Bauteilen und Materialien, welche für die Produktion notwendig sind. In Folge dessen steigen die Kosten für die Herstellungen von Chips wie Dr. Mark Liu, Chairman von TSMC, in einem Interview erläuterte:  "Ein solcher Druck könnte letztendlich an die Verbraucher weitergegeben werden. Jeder in der Branche ist besorgt über die steigenden Kosten in der gesamten Lieferkette... Die Halbleiterindustrie hat diesen Kostenanstieg bereits direkt zu spüren bekommen."

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