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Overwatch 2: Weltpremiere und Hands-On-Preview

13.12.2019 | 14:16 Uhr |

Overwatch 2 überrascht im ersten Hands-On. Denn wir lieben zwar Inszenierung, Storytelling, Charaktertiefe und die Qualität im Stil eines Pixar-Films. Endlich bekommen wir eine Kampagne, die Blizzard würdig ist. Vermissen aber etwas wirklich tiefgreifende Neuerungen und wundern uns, warum Overwatch 2 sich noch so sehr nach Overwatch 1 anfühlt.

Traurig spielt die Musik auf, in den ersten Sekunden von Overwatch 2. Die Kamera fährt durch jenes Raumschiff, aus dem wir schon so oft gestartet sind – rein in heldenhafte Missionen, um des Ruhmes Willen und der Punktejagd. Sie bleibt stehen bei einer Wand, an der Fotos haften – Tracer ist zu sehen, Reinhardt. Ein Platz ist leer, Morrison steht darüber. Einige unserer Helden sind mit Kindern zu sehen, auf Fotos und gemalten Bildern ist „Papa“ zu lesen, eine brünette Lady hält ein Baby in den Armen, ist das etwa D.Va? Einer der wenigen, der noch immer in diesem Raumschiff sitzt, ist Winston, Anführer der Eliteeinheit Overwatch, die sich aufgelöst hat. Gedanken versunken blickt er auf ein Bild seiner alten Einheit, Mei durchbricht die Stille: „Du Winston, sind wir wirklich genug Leute für diese Mission?“ In ihrem Winterparker wirkt sie verunsichert, eine kleine Drohne, die über ihren Kopf schwirrt, pflichtet ihr piepend bei. „Wenn wir alle zusammenbleiben, dann wird es schon schief gehen“, antwortet der Chef-Gorilla in seiner ikonisch tiefen Bass-Stimme.

Tracer fliegt den Jet: Cheers Love, hier kommt die Kavallerie

Okay, okay, ganz so dramatisch ist die Situation gar nicht: Tracer fliegt den Jet und ist gewohnt gut drauf in diesem Cinematic, der das Intro bildet für die lang, langersehnte Kampagne des Overwatch-Universums. Ob der enorm hohen Qualität der Story-Filme rund um jeden Charakter, die aber merkwürdigerweise nur auf Youtube verwendet wurden, war klar, dass die Kalifornier mit Overwatch 2 eine richtige Geschichte erzählen würden. Ganz ehrlich: Schauen Sie sich den ersten Kampagnen-Trailer an, und Sie könnten ihn leicht mit einem Pixar-Kurzfilm vergleichen, so stark ist er. Und versprüht auch gleich den berühmten Overwatch-Humor: „Achtung, Achtung hier spricht Ihre Pilotin. Sie dürfen Ihre elektrischen Geräte jetzt wieder einschalten“, witzelt Tracer aus dem Cockpit. Winston lädt seine Tesla-Kanone durch, Mai testet ihren Schockfrost-Würfel. Eine Szene, wie sie auch aus einem Marvel-Film stammen könnte – unten ist die Hölle los, Paris steht unter einer Invasion des neuen Feinds des Null-Sektors, aber ein Gag darf nie fehlen. 

Etwas erstaunliche Entscheidung: Overwatch-Spieler können auch die Karten von Overwatch 2 spielen. Netter Fan-Service, der allerdings dafür sorgt, dass dieselbe Grafikengine mit wenigen Upgrades verwendet wird.
Vergrößern Etwas erstaunliche Entscheidung: Overwatch-Spieler können auch die Karten von Overwatch 2 spielen. Netter Fan-Service, der allerdings dafür sorgt, dass dieselbe Grafikengine mit wenigen Upgrades verwendet wird.
© Blizzard

Roboter mit weißer Lackierung, grimmigem Grinsen und angeschraubter Phaser-Kanone ziehen durch die französische Hauptstadt und sorgen für Chaos. Allerdings nicht auf die Art, wie das ein Call of Duty: Modern Warfare von anderen Activision-Studios macht, sondern eher im niedlichen Disney-Stil: Franzosen werfen ihre Baguette in die Höhe, die Farben sind knallig und Polizisten tragen gepanzerte Uniformen, als wären sie Hightech-Ritter. Winston springt aus dem Jet, kracht in die Menge der Gegner und weil so ein Gorilla ordentlich Bananen futtert, zerdrückt er mit seinem reinen Körpergewicht problemlos die erste Welle. „Bonjour Madame, wir kommen, um zu helfen“ – die Overwatch-Musketiere sind da. Interessantes Detail für Fans: Die Overwatch scheint noch nie in Paris gewesen zu sein, jedenfalls fragt einer der Franzosen „War das gerade ein Affe?“ Die berühmte Elite-Agenteneinheit muss sich wohl in Overwatch 2 in Europa erst einen Namen machen, obwohl sie bereits in Deutschland etwa war – genauer gesagt im Schwarzwald. Und auch in Frankreich kämpfte man bereits, allerdings abseits der Hauptstadt im Château Guillard. 

Team Overwatch in Gefahr: der Mega-Robot greift an 

In der Kampagne kämpfen wir gegen den Null-Sektor, die über eine riesige Armee an Robotern hat – Infanterie, Artillerie, Kampfroboter, Raumschiffe als Luftwaffe.
Vergrößern In der Kampagne kämpfen wir gegen den Null-Sektor, die über eine riesige Armee an Robotern hat – Infanterie, Artillerie, Kampfroboter, Raumschiffe als Luftwaffe.
© Blizzard

Nach kurzem Kampf taucht ein Roboter im Mega-Format auf, mehr die Größe aus “Saber Rider and the Star Sheriffs“, sollten Sie das noch kennen. Ein Gigant mit Triple-Gatling an jeder Seite, Mörserabschussrampe und Pods für Schwarm-Raketen. Öffnet er seine gepanzerte Brust, zeigt sich ein Laser, der sich erst aufladen muss und alles wegbrennt, was sich ihm in den Weg stellt. So wie Tony Stark das in Iron Man 2 macht. Wir hätten jetzt gerne einen Ramrod, eine Kontereinheit, denn der Kerl zerschneidet kurzerhand unseren Jet, was Luftunterstützung unmöglich macht. Team Overwatch wirkt etwas ratlos, selbst Winston reißt die Augen auf und hat keinen Plan, wie man dieses Ungetüm im Dreiergespann mit Mei und Tracer zu Fall bringen könnte. Eine heftige Explosionswelle erschüttert die Straßen, der Chef-Gorilla wird nach hinten gewirbelt, scheint zu brennen – Mei will ihn gerade noch vereisen, ehe auch sie getroffen wird. 

Das Gegner-Design ist fantastisch, etwa weil Blizzard Nashörner in Mech-Form gießt. Die lassen sich als Mei einfrieren.
Vergrößern Das Gegner-Design ist fantastisch, etwa weil Blizzard Nashörner in Mech-Form gießt. Die lassen sich als Mei einfrieren.
© Blizzard

Doch nicht verzagen, Genji fragen – gerade als ein Projektil Winston zu treffen scheint, taucht der Ninja auf, es gelingt ihm, das Geschoss umzulenken und mit seinem Katana schlitzt er kurzerhand die Seite des Titan-Robots auf. Und dann kommen auch endlich die restlichen Helden durch die Straßen Paris geschossen: Ein Truck hält im harten Drift, Reinhardt springt raus und Echo sorgt für Luftunterstützung. 

Diese Szenen zeigen bereits, in welche Richtung die Overwatch-2-Kampagne gehen wird: Kooperation und Teamplay sind hier alles. Während ein Teil des Squads eine Energiewand bildet, die den Rest schützt, setzt Tracer ihre Impulsbombe ein, um Meis Eistank mit einer Timer-Bombe zu versehen – den Lieferservice übernimmt dann Echo, denn Tracer ist zwar schnell, aber Echo schneller. Wobei – ha, das war nur ein Ablenkungsmanöver – der Titanen-Roboter fokussiert sein Feuer auf Echo, obwohl Winston den Kanister hat, in Richtung Feind wirft und Tracer kurz nach vorne warpt, in der Luft auffängt und zum Ziel nun…sagen wir mal verlängert. Das droht schief zu gehen, doch Genji schneidet kurzerhand die angreifende Pranke des Stahl-Ungetüms ab und der Weg ist frei, um die Eisbombe im Inneren zu platzieren. Wenn das auch im Spiel so smart funktionieren sollte, wie in diesem Trailer angeteast, dann wird das Koop-Action auf ein neues Level heben. 

Blizzcon 2019: Neue Spiele und Add-ons angekündigt

Overwatch 2 im ersten Hands-On:  starke Atmosphäre, spielerisch aber zu wenig Neues 

Auf der Blizzcon spielbar ist jedoch nicht Paris, sondern Rio de Janeiro. Am Horizont prangt die Christusstatue, breitet ihre Arme aus – doch willkommen heißen möchte man die Angreifer des Null-Sektor nicht. Die Invasion hat hier noch extremere Ausmaße als in Paris: Jets schießen durch die Lüfte, Kommando-Raumschiffe kreisen am Himmel. Luftwaffe und Artillerie feuern unentwegt auf die lokalen Truppen, Gebäude kommen zum Einsturz, es ist ziemlich chaotisch. Auch in dieser Mission zeigt sich jedoch, wie sehr Blizzard Storytelling, die Kunst des Geschichtenerzählers in seiner DNA hat. Denn nicht sofort brennt der Bildschirm, bebt die Stadt, tobt der Angriff. Das Intro in diese Mission zeigt uns Lúcios Haus und lässt darauf schließen, dass wir während der Kampagne vor allem in Städten kämpfen werden, in denen Overwatch-Helden zu Hause sind. Er hat ein schönes Häuschen, zeigt ein bisschen Ego, der Star-DJ und Musiker hat Platinum-Alben im Wohnzimmer aufgehängt, auf die er sichtlich stolz ist.

In diese Story-Mission können wir nur vier Helden mitnehmen: Lúcio, Reinhardt, Mei und Tracer. Bis zu sechs Talente lassen sich freischalten, von denen wir jeweils einige für unseren Helden auswählen können: Reinhardts Fire Burst etwa augmentiert die Flammen, die beim Aufprallen jeweils explodieren und nahestehende Gegner ebenfalls in Flammen setzen – hier sieht man schon, dass die Talente eher Richtung Kampf gegen die K.I gehen und sich mehr wie in einem Call of Duty: Advanced Warfare respektive Infinite Warfare anfühlen, sprich auf Flächenschaden ausgelegt sind. Diese Ultimates folgen jeweils einer bestimmten Auflademechanik: Reinhardt etwa kann sein Energieschild einsetzen – je mehr Schaden es absorbiert, desto schneller lädt sich sein Ultimate auf. Als Heiler sendet Lúcio eine Soundwelle aus, die Teammitgliedern 25 Prozent Leben regeneriert. Diese lässt sich mit einem weiteren Talent kombinieren, wo er einen zweiten Song spielt und so die Heilung verstärkt. 

Wir freuen uns riesig auf die neuen Karten – dieses Concept-Artwork von Monte Carlo im Jahr 2061 macht einfach Lust auf mehr.
Vergrößern Wir freuen uns riesig auf die neuen Karten – dieses Concept-Artwork von Monte Carlo im Jahr 2061 macht einfach Lust auf mehr.
© Blizzard

Die Soundwelle lässt sich übrigens auch operativ im Angriff nutzen, um K.I-Roboter gegen die nächste Wand zu schleudern und für kurze Zeit kampfunfähig zu machen. Was uns aktuell noch missfällt: Spielmechanisch ist das sehr nah dran an Overwatch, auch grafisch macht die Engine keinen Sprung – das ist schade, hier sollte Blizzard höhere Erwartungen an sich selbst haben. Und die Talente sind nett, haben uns aber nicht gerade umgehauen: Tracer etwa macht Schaden, wenn sie durch feindliche Roboter “blinkt“. Die “Chain Reaction“ lässt Pulsbomben noch ein zweites Mal explodieren und die Vortex schnürt Feinde zusammen. Da ist jetzt noch nichts dabei, was völlig innovativ wäre. Auch hoffen wir sehr, dass es nicht nur bei sechs Talenten pro Helden bleibt – das ist viel zu wenig für einen echten Nachfolger. Blizzard sollte Borderlands 3 spielen, um zu verstehen wie ein richtig guter RPG-Shooter funktioniert. Bitte nicht falsch verstehen: Die Call-of-Duty-Struktur funktioniert gut für Overwatch 2: Ballern durch Straßenzüge, Kämpfen gegen Hundertschaften von Infanterie im Wechsel mit Luftwaffe. Raumschiff entern, so Location und Design verlagern, weiterkämpfen, Zwischenbosse inklusive. Aber wir vermissen aktuell noch so ein bisschen die berühmte Blizzard-Exzellenz.

Siehe auch: Diablo 4 im ersten Hands-On-Test

Fazit

Hach, zwei Herzen schlagen in unserer Brust: Der Blizzard-Fan in uns tanzt, weil die kalifornische Schmiede endlich eine Story-Kampagne bringt, die schon jetzt qualitativ leicht mit einem Pixar-Kinofilm mithalten kann. Das ist einfach toll inszeniert, hat gute Ideen, feine Charaktere. Und doch verwundert es uns, wie wenig tiefgreifende Neuerungen bislang zu sehen sind, und wie sparsam sich das alles anfühlt: Nur sechs Talente pro Held? Kaum neue Waffen? Borderlands 3 hat uns 2019 sehr verwöhnt, hier muss viel, viel mehr her. Doch heute ist nicht aller Tage, Blizzard kommt wieder, keine Frage. Und wird sich sicherlich noch ein Jährchen Zeit lassen oder zwei, um einen epischen Nachfolger zu einem der besten Shooter der letzten Jahre abzuliefern. 

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