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Otto kritisiert Amazon wegen ungleicher Steuerbelastung

23.05.2019 | 15:35 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die deutsche Otto-Gruppe hat den Amazon-Konzern kritisiert, ohne ihn beim Namen zu nennen. Wegen der offensichtlichen Ungerechtigkeit bei der Steuerbelastung. Update: Stellungnahme von Amazon.

Die Otto-Gruppe aus Hamburg hat den Amazon-Konzern kritisiert, ohne ihn beim Namen zu nennen. Das berichtet die Welt. Demnach würden Online-Händler laut Otto ungleich besteuert: „Wir bezahlen 100 Millionen Euro Steuern, die wir investieren könnten in die Digitalisierung oder in den Service oder in niedrigere Preise für die Verbraucher. Das ist ein gravierender Nachteil für den gesamten Einzelhandel, nicht nur für Otto, der Arbeitsplätze kostet.“, zitiert die Welt Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group.

Das zielt erkennbar auf Konkurrent Amazon. Der US-Konzern nutzt alle sich bietenden Steuerschlupflöcher und zahlt trotz vieler Milliarden Dollar Gewinn kaum Steuern. Insbesondere die deutschen Finanzämter dürften bei Amazon weitgehend leer ausgehen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Amazon nur die sich bietenden, nach der derzeitigen Rechtslage legalen Möglichkeiten zur Vermeidung von Steuern nutzt. Das kann man einem gewinnorientierten Unternehmen nicht vorwerfen, hier wäre ganz im Gegenteil die Politik gefordert. Doch in der EU können sich die Mitgliedsstaaten nicht auf ein einheitliches Vorgehen bei der Besteuerung von Online-Konzernen - Stichwort: Digitalsteuer - einigen. Sowohl Finanzminister Olaf Scholz (SPD) als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnen die Digitalsteuer ab. Eine EU-weite Digitalsteuer ist erst einmal gestorben.

Der Otto-Konzern hofft nun, dass die Kunden die Ungleichheiten bei der Besteuerung und Ottos Engagement bei der Schaffung von Arbeitsplätzen bei ihrer Wahl der Online-Einkaufsplattform berücksichtigen. „Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass unsere Kunden es sehr schätzen, wenn wir bei unseren Geschäftstätigkeiten europäische Werte wie den sozialen Ausgleich, Schutz der Privatsphäre, Rechtsstaatlichkeit und insbesondere auch Nachhaltigkeit nicht über Bord werfen, sondern uns als einen Teil der Gesellschaft betrachten und unsere Geschäfte verantwortungsvoll gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt betreiben“, sagt Alexander Birken.

Otto ist nach Amazon der größte Online-Händler in Deutschland. Otto beschäftigt insgesamt 52.560 Vollzeitmitarbeiter. In Deutschland stieg die Zahl der Mitarbeiter von 28.100 auf rund 29.860.

Der Konzern konnte 2018 (das Wirtschaftsjahr 2018 ging Ende Februar 2019 zu Ende) mit 13,4 Milliarden Euro Umsatz ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent verbuchen. Damit blieb Otto hinter den eigenen Vorgaben von vier bis fünf Prozent Wachstum pro Jahr zurück. Otto führt das geringere Wachstum unter anderem auf den sehr warmen Sommer und den Rückzug vom russischen Markt zurück.

Dabei macht das Online-Geschäft mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus: 7,7 Milliarden Euro. Der Online-Umsatz ist um 4,5 Prozent gewachsen. Davon allein in Deutschland um 5,2 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) beträgt 222 Millionen Euro; 177 Millionen Euro hoch fällt der Gewinn aus.

Zur Otto Group gehören neben Otto auch Bonprix, Crate and Barrel, die Witt-Gruppe, About You, die My-Toys-Gruppe, Hermes Europe, die Eos Gruppe sowie OGDS, Project A und Eventures.

Update 15.35 Uhr: Stellungnahme von Amazon

Wir fragten bei Amazon um eine Stellungnahme nach. Diese erreichte uns soeben, sie geht aber nicht auf die Frage ein, ob und wie viele Steuern Amazon in Deutschland zahlt: "Amazon zahlt alle anwendbaren Steuern. Allein in Deutschland beschäftigt Amazon derzeit über 18.000 Mitarbeiter, seit 2010 hat Amazon mehr als 10 Milliarden Euro in hiesige Infrastrukturen und Anlagen investiert. Amazon investiert auch, um die Komplexität des internationalen Verkaufens für lokale Unternehmen zu reduzieren. Und das lohnt sich: Alleine im letzten Jahr haben kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland bei Amazon einen Exportumsatz von 2,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Mehr als 70 Prozent exportieren ihre Produkte bereits an Kunden in aller Welt. Das zeigt sich auch bei den Arbeitsplätzen: Heute beschäftigen deutsche KMUs alleine für ihre Verkäufe bei Amazon.de mehr als 75.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen."

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