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Organisierte Produktpiraten

Auch das Unternehmen Ebay, das seine Plattform selbst nach verdächtigen Angeboten durchsucht, ertappt immer wieder naive Verkäufer. "Manche haben gar kein Unrechtsbewusstsein und wissen nicht, dass sie etwas Falsches getan haben", sagt Sprecherin Maike Fuest.

Das trifft längst nicht auf alle Händler zu. Alles andere als naive organisierte Produktpiraten versuchen ihre Identität durch Strohmänner zu verschleiern, weiß Lennart Röer von APM. Weil der Handel übers Internet aber nie anonym abläuft und zum Beispiel Bankdaten ausgetauscht werden, stehen die Chancen gut, den Verkäufer ausfindig zu machen, so Rechtsanwalt Johannes Richard.

Ist er zahlungsunfähig oder liegt dessen Sitz im Ausland, wird es für geprellte Kunden in der Praxis schwierig, Ansprüche durchzusetzen, erklärt Verbraucherschützer Markus Saller. Ebay bietet für solche Fälle ein Käuferschutz-Programm an und ersetzt unter bestimmten Bedingungen mit Plagiaten betrogene Kunden den Kaufpreis.

Um Enttäuschung und juristischen Aufwand zu vermeiden, sollten Verbraucher besser schon vor dem Kauf gesunde Skepsis beweisen. Wichtigste Regel: "Was wenig kostet, ist in der Regel wenig wert", so Anwalt Richard. Eine genaue Betrachtung von Produktfoto und -angaben ist Pflicht, denn häufig finden sich schon dort Hinweise auf Fälschungen, etwa wenn Farben und Muster von denen des Originalproduktes abweichen.

Formulierungen wie "sieht aus wie" oder "ähnlich wie", lassen vermuten, dass ein Plagiat lediglich mit Markennamen geschmückt wurde, warnt Verbraucherschützer Markus Saller. Hilfreich könne auch ein Blick auf das Verkäufer-Profil sein. Hat der Anbieter lange Zeit nur wenige Bewertungen von anderen Kunden gehabt und stellt plötzlich einen großen Posten von Original-Ware ein, wirke dies verdächtig. Mit Vorsicht sollten Interessenten zudem Angebote von exotischen Versandadressen aus Asien betrachten. Im Zweifelsfall sollten sie sich die Echtheit des Angebots einfach per Mail bestätigen lassen.

Wer sich nach dem Auspacken unsicher ist, ob er nun Original oder Fälschung in der Hand hält, kann sich an den Markeninhaber zu wenden, rät Lennart Röer von APM. Im Kampf gegen Produktpiraten seien sie für jeden Hinweis dankbar.

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