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Oracles Logistiklösung sticht SAP bei Hellmann aus

08.01.2008 | 10:45 Uhr |

Den Aufwand für das Vorhaben vermag Burger bislang nicht exakt zu taxieren. Zwar seien die Kosten für 2008 bekannt. Für die kommenden vier Jahre existierten jedoch nur Schätzungen. Insgesamt gehe das Unternehmen von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Der Oracle-Umstieg ist Teil des weiter gefassten IT-Projekts "Hellmann Information and Organization System" (Helios). Ziel dieses Vorhabens ist die Vereinheitlichung der Anwendungslandschaft sowie ein konsistentes Daten- und Informationsmodell.

Hellmann-CIO Jürgen Burger will in den kommenden fünf Jahren die Anwendungslandschaft des Logistik-Dienstleisters weitgehend auf Oracle-Software umstellen.
Vergrößern Hellmann-CIO Jürgen Burger will in den kommenden fünf Jahren die Anwendungslandschaft des Logistik-Dienstleisters weitgehend auf Oracle-Software umstellen.
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Für Oracle ist der Hellmann-Deal in zweierlei Hinsicht von Bedeutung, sagt Christian von Stengl, verantwortlich für Oracles Applikationsgeschäft in Deutschland. Speziell hier, wo SAP besonders stark ist, habe ein Geschäft dieser Größenordnung durchaus Leuchtturm-Charakter. Außerdem schärfe Oracle damit global seine Branchenkompetenz im Logistikbereich. Der Konzern richtet seine Anwendungsstrategie zunehmend nach einzelnen Branchen aus. Dazu haben die Oracle-Verantwortlichen in den vergangenen Jahren Milliarden Dollar in Übernahmen gesteckt. Beispielsweise kaufte der Konzern mit Retek Handels-Know-how und über die Mehrheitsbeteiligung an iFlex Branchenwissen im Bankenbereich zu. Auch die Logistiklösung hat der Anbieter eingekauft. Im Jahr 2005 übernahm Oracle den Spezialanbieter G-Log. OTM basiert zum größten Teil auf dessen Software.

Von Stengl bezeichnet das Logistiksegment als strategischen Bereich für Oracle. Der breite Einsatz von Eigenentwicklungen werde für viele Firmen immer schwieriger. Es gehe darum, diese selbst programmierte Software möglichst intelligent mit Standardanwendungen zu verknüpfen – "an den Stellen, an denen es für die Firmen vorteilhaft ist".

Dieser Spagat zwischen Standardsoftware und Eigenentwicklungen macht die Entwicklung im Logistiksegment für die Softwareanbieter spannend, kommentiert Christian Glas, ehemals Anwendungsexperte von Pierre Audoin Consultants (PAC). Logistiker betrachteten ihre Eigenentwicklungen nicht als Legacy-Problem. Vielmehr bildeten diese Applikationen die Kernmodule im Logistikgeschäft und das Differenzierungsmerkmal im Markt. In aller Regel sei die Software auch gut und modern programmiert. Daher hätten es die Anbieter von Standardsoftware hier oft nicht leicht.

Allerdings ließen sich diese heterogenen Landschaften nur schwer integrieren, sagt der Analyst. Die Firmen müssten große Anstrengungen unternehmen, den selbst geschaffenen Wildwuchs zu bändigen und ihre Anwendungen in die IT-Systeme der Kunden einzuklinken. Vor diesem Hintergrund wird Glas zufolge das SOA-Thema für die Logistiker zunehmend interessanter. Damit könnten die Firmen ihre Eigenentwicklungen als Services in moderne Softwareplattformen integrieren.

Den Hellmann-Deal werten Experten als wichtiges Geschäft für Oracle. Nach wie vor tue sich der Softwarehersteller im Anwendungsgeschäft schwer gegen SAP – vor allem in Deutschland. Meldungen über erfolgreiche Geschäftsabschlüsse seien hierzulande eine Seltenheit, obwohl Oracle behauptet, auch im hiesigen Applikationsmarkt respektables Wachstum vorweisen zu können – ohne jedoch Zahlen zu nennen. Angeblich möchten viele Anwenderunternehmen aus Angst vor der SAP Geschäfte mit Oracle lieber totschweigen.

Der Deal dürfte SAP-Chef Henning Kagermann indes kaum mehr als ein Schulterzucken abringen, glaubt Glas. SAP verliere regelmäßig Kunden an Oracle, genauso würden die Walldorfer dem Konkurrenten Kunden wegschnappen. "Einer gewinnt, einer verliert – das ist ganz normal." (siehe auch: ERP-Duell: Wer ist der bessere Manager? ) (ba)

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