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Notrufnummern 110 & 112 ausgefallen: Der Grund

12.11.2021 | 09:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

In großen Teilen Deutschlands waren die Notrufnummern 110 und 112 gestört. Das war der Grund.

Update 12.11.: Ursache für den Ausfall - Telekom spielt neue Software auf

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK hat eine Stellungnahme zum gestrigen Ausfall der Notrufnummern veröffentlicht. So betont das BBK, dass das deutsche Notrufnetz von der Deutschen Telekom betrieben werde. Die Ursache für den Ausfall liegt demnach also im Verantwortungsbereich der Telekom. [Link auf Anker 0]

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass von Behördenseite zu erfahren war, dass ein technischer Fehler bei der Telekom für den Ausfall der Notrufnummer verantwortlich gewesen sei. Die Süddeutsche Zeitung berichtet außerdem, dass laut Telekom die "Einbringung einer neuen Software“ die Ursache für den Ausfall war. Bei Wartungsarbeiten kam es demnach am 11.11. um 4.30 Uhr zu der Störung, wodurch die Notruf-Leitstellen in verschiedenen Regionen Deutschlands nicht mehr erreichbar waren. Um 5.40 Uhr seien alle Leitstellen wieder uneingeschränkt erreichbar gewesen. Die Telekom teilte laut SZ mit, dass eine neue Software aufgespielt wurde, die „zuvor ausführlich getestet worden war und keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hatte“.

Zudem habe ein Telekomsprecher erklärt, dass man einen Hackerangriff als Ursache ausschließen könne.

Die Stellungnahme des BBK verschweigt beziehungsweise übergeht aber auch einige Schwächen des Warnsystems in der Bundesrepublik Deutschland. So betont das BBK den „breiten Mix an Warnmitteln, darunter fallen Radio und Fernsehen, Stadttafelanzeiger und Sirenen.“ Doch genau dieser „Mix“ hat am letzten Katastrophenwarntag am 10.9.2020 kläglich versagt, weshalb nun in großem Stil Warnsirenen überhaupt erst wieder neu in Betrieb genommen werden müssen.

Auch der Hinweis auf die Warn-App NINA hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn diese produzierte erst am 10.11.2021 zahlreiche falsche Warnungen, wie das BBK selbst einräumt.

Unter dem Tweet des BBK kritisieren Nutzer zudem die Funktionsweise der Warn-Apps NINA und KATWARN in diesem Zusammenhang. Die Apps hätten entweder überhaupt keine oder aber missverständliche oder widersprüchliche Warnungen ausgegeben.

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Die Einführung des Cell Broadcast wiederum hat das BBK lange Zeit überhaupt nicht vorangetrieben, weswegen in Deutschland heute anders als in vielen anderen Staaten noch nicht Katastrophenwarnungen via Cell Broadcast verschickt werden können. Dieses Manko soll aber im Laufe des Jahres 2022 behoben werden.

Update Ende

Heute früh (11.11.2021) sind in einigen Bundesländern die Notrufnummern 110 und 112 ausgefallen. Wie die Tagesschau meldet , konnte man in Brandenburg, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und im Saarland sowie in den Großstädten Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main 110 und 112 nicht anrufen. In Bayern war wohl die 112 von der Störung betroffen. Das Problem bestand sowohl bei Anrufen aus dem Festnetz als auch bei Anrufen von Mobiltelefonen.

Mittlerweile soll der Ausfall aber behoben sein, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK über Twitter mitteilt . Laut Telekom waren die Notrufnummern zwischen 4.30 Uhr und 5.40 Uhr nicht erreichbar. Der Grund für den Ausfall sei bis jetzt unbekannt, die Untersuchung laufe noch. Die Landespolizei Schleswig-Holstein wiederum berichtet , dass „eine technische Ursache aufseiten des Telekommunikationsanbieters“ für den Ausfall verantwortlich sei.

Das können Sie im Notfall tun

Falls die Notrufnummern 110 und 112 nicht erreichbar sind, können Sie trotzdem Hilfe herbeirufen. Sie haben dann diese Ausweichmöglichkeiten:

  • Rufen Sie die örtliche Polizeidienststelle an

  • Rufen Sie die örtliche Feuerwehr an (sofern vorhanden)

  • Rufen Sie die örtlichen Leitstellen an. Deren Nummern erfahren Sie bei der Gemeinde

Um besagte Telefonnummern zu finden, googeln Sie diese. An Orten, an denen Sie sich regelmäßig aufhalten, sollten Sie die Telefonnummern der örtlichen Polizeidienststellen und Feuerwehren im Smartphone speichern. Damit sparen Sie sich im Notfall die Google-Suche.

  • Nutzen Sie die Notruf-App Nora. Doch auf deren Webseite steht immer noch: "Um die hohe Nachfrage verarbeiten zu können, sind Arbeiten an der Infrastruktur für das Notruf-System nötig geworden. Deshalb ist die App vorläufig nicht über die App Stores, sondern nur über unseren Support erhältlich". Somit ist eine rasche Installation der Nora-App im Notfall nicht möglich, für eine schnelle Reaktion in einem Notfall eignet sich Nora als nur, wenn Sie diese App bereits installiert haben. Mehr zu diesem nur noch als peinlich zu bezeichnendem Problem mit Nora lesen Sie in Nora-Notruf-App wieder aus App-Stores entfernt

  • In größeren Städten können Sie vielleicht auch ein „Bürgertelefon“ anrufen, beispielsweise in Berlin unter der 030 46644664. Auch hier hilft eine Google-Suche weiter.

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