2547622

Neue Steuer für Home Office: Analyst fordert Extra-Abgabe

13.11.2020 | 12:26 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein Analyst der Deutschen Bank fordert eine Home-Office-Steuer. Diese sollten Arbeitnehmer bezahlen, die freiwillig zu Hause arbeiten. Die Begründung.

Ein Analyst der Deutschen Bank fordert eine zusätzliche Steuer für das Arbeiten im Home Office. Die Begründung von Luke Templeman in seiner Studie "A work-from-home tax" für Deutsche Bank Research: Wer im Home Office arbeite, hätte viele Vorteile während der Pandemie. Er spare Geld für Fahrten, Berufskleidung (ein Mitarbeiter der Deutschen Bank denkt hier vermutlich an Kosten für teure Anzüge, Hemden und Schuhe), auswärts essen und so weiter. Dieses Geld fehle dann aber der Wirtschaft.

Deshalb sollte der Staat eine 5-Prozentsteuer für jeden Tag im Home Office auf das Jahresbruttoeinkommen erheben. Dadurch würde ein durchschnittlicher Home-Office-Arbeiter nicht stärker belastet, als wie wenn er zur Arbeit ins Büro fahren müsste, so die Begründung. Zudem sei man im Home Office flexibler und habe weniger Stress, zum Beispiel wenn es darum ginge, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen.

Templeman betont, dass die Forderung nach einer Home-Office-Steuer nicht erst seit 2020 berechtigt sei. Zwischen 2005 und 2018 sei die Zahl der regelmäßig von zu Hause aus arbeitenden Menschen um 173 Prozent in den USA gestiegen. Die Covid-19-Pandemie würde aber deren Notwendigkeit deutlicher machen, weil die Pandemie den Trend zum Home Office erheblich beschleunigt habe.

Der Deutsche-Bank-Analyst fordert die Home-Office-Steuer nur für solche Arbeitstage, an denen der Staat nicht ausdrücklich zum Arbeiten im Home Office auffordert. Zudem sollten Freiberufler und Selbstständige von der zusätzlichen Steuer ausgenommen sein. Ebenso sollten Bezieher von Niedrigeinkommen ausgenommen werden.

Die zusätzliche Home-Office-Steuer sollte der Arbeitgeber bezahlen, wenn er seinem Mitarbeiter keinen Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung stellt. Der Arbeitnehmer sollte aber die zusätzliche Steuer bezahlen, wenn ihm der Arbeitgeber einen Arbeitsplatz im Büro anbietet, der Arbeitnehmer sich aber selbst für das Home Office entscheidet. Die Steuer sollte für jeden Tag bezahlt werden, an dem der Arbeitnehmer freiwillig im Home Office arbeitet. Als Höhe für die Steuer schlägt der Analyst 5 Prozent vor.

Laut seinen Berechnungen würde das einem deutschen Mitarbeiter bei einem Bruttojahreseinkommen von 40.000 Euro etwa 7,50 Euro pro Home-Office-Tag zusätzlich kosten. Das würde laut dem DB-Analysten den Ausgaben entsprechen, die sich ein Home-Office-Arbeiter für Essen am Arbeitsplatz, Kleidung und für die Fahrten zur Arbeit spart.

Der Staat könne mit einer solchen Home-Office-Steuer in Deutschland 15,9 Milliarden Euro einnehmen. Mit diesem Geld könnte der Staat dann niedrig bezahlte Arbeiter unterstützen, die nicht aus dem Home Office arbeiten können.

Ob der Deutsche-Bank-Analyst bei seiner Berechnung für Deutsche Bank Research auch die zusätzlichen Kosten berücksichtigt hat, die einem Home-Office-Arbeiter entstehen, geht aus der Analyse nicht hervor. Denn wer im Home Office arbeitet, hat zum Beispiel erhebliche zusätzliche Strom- und jetzt im Winter auch Heizkosten. Zudem wird das private IT-Equipment im Home Office stärker belastet (zum Beispiel der Drucker), sofern nicht der Arbeitgeber Drucker und Rechner zur Verfügung stellt. Außerdem dürfte der Deutsche-Bank-Analyst vermutlich nicht berücksichtigen, dass viele Arbeitnehmer die zusätzlichen Ausgaben für das Home Office nicht von der Steuer absetzen können, wenn sie kein eigenes Arbeitszimmer vorweisen können. Ebenso dürfte der Deutsche-Bank-Analyst die Vorteile für die Umwelt und den Klimaschutz außer Acht lassen, die durch die deutliche Reduzierung des Verkehrsaufkommens und des damit verbundenen geringeren Energieverbrauchs und der vermutlich weniger Verkehrsunfälle und weniger Verletzten und Toten im Verkehr entstehen. Letztlich gibt man das durch das Home Office eventuell gesparte Geld aber dann doch an anderer Stelle aus, wovon natürlich die Wirtschaft wieder profitiert.

Sie finden die Analyse von Luke Templeman in diesem PDF ab Seite 32.

Wegen Corona: Home Office steuerlich leichter absetzen? Denkste!

PC-WELT Marktplatz

2547622