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Netflix: Falsche Polen-Karte in Nazi-Doku verwendet - Polen sauer

12.11.2019 | 10:39 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Netflix hat in seiner Dokuserie "Der Teufel wohnt nebenan" eine Karte des heutigens Polens gezeigt, obwohl Polen zur Zeit der Serie überhaupt nicht existierte, sondern aufgeteilt und vom Deutschen Reich besetzt war. Polens Regierung reagiert sauer.

Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki hat sich bei Netflix beschwert. Da Netflix in seiner Dokuserie "Der Teufel wohnt nebenan" eine völlig falsche Karte von Polen verwendet. Morawiecki kritisiert, dass durch die falsche Karte der Eindruck erweckt werden würde, dass Polen „für Konzentrationslager und darin begangene Verbrechen verantwortlich gewesen“ sei, wie Spiegel Online schreibt.

Laut der polnischen Regierung zeigt Netflix in seiner Dokuserie eine Karte den heutigen polnischen Staates, auf der die Vernichtungslager eingezeichnet sind, die die Nationalsozialisten während der deutschen Besetzung Polens errichtet haben. Doch dieses moderne Polen existierte während der deutschen Besetzung überhaupt nicht, die Ländermassen des 1939 vom Deutschen Reich überfallenen und besetzten Polens gehörten zwischen 1939 und 1945 zu unterschiedlichen Staatsgebilden: Zum Deutschen Reich, zum Generalgouvernement und – nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion – zum Reichskommissariat Ukraine und zum Reichskommissariat Ostland. Netflix hätte also historisch korrekt eine Karte in seiner Dokuserie verwenden müssen, die diese Aufteilung Polens zeigt. Stattdessen aber verwendete der Streamingdienst einfach eine Karte, die die heutigen Ländergrenzen zwischen der Bundesrepublik Deutschland, der russischen Exklave um Königsberg, Litauen, Weißrussland, der Ukraine und der Tschechischen Republik sowie der Slowakei zeigt. Dieses moderne Polen entstand aber erst 1945 nach der Westverschiebung der Grenzen Polens.

Das „Auschwitz Memorial“ (die Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz) bestätigte den bösen Fehler, der Netflix unterlaufen ist und stellte in seinem Twitteraccount die beiden Karten nebeneinander (siehe das Aufmacherbild zu dieser Meldung): Links die offensichtlich von Netflix in seiner Dokuserie verwendete Polen-Karte (die das heutige Polen zeigt, mit den darauf eingezeichneten nationalsozialistischen Vernichtungslagerns) und rechts eine korrekte historische Karte für die Zeit, in der die Neflix-Doku spielt (mit den damals existierenden Grenzen des Reichsgebiets, des Generalgouvernements und der Reichskommissariate). Zusätzlich weist das Auschwitz Memorial daraufhin, dass Netflix auf seiner falschen Karte obendrein noch die Standorte der beiden Vernichtungslager Chelmno und Majdanek falsch eingezeichnet habe.

Das polnische Außenministerium veröffentlichte ebenfalls via Twitter eine Gegenüberstellung der von Netflix verwendeten Karte des modernen Polens und einer historisch korrekten Karte.

Vom dem bösen Fehler mit der Land-Karte Polens einmal abgesehen lobt das Auschwitz Memorial die Netflix-Dokuserie "Der Teufel wohnt nebenan“ aber ausdrücklich. Die Serie behandelt die Geschichte um John Demjanjuk, der im Vernichtungslager Sobibor als „Hilfswilliger“ und Angehöriger der Hilfstruppen der SS-Totenkopfverbände Dienst tat.

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