2446611

Nein, Mr. Trump: Video-Spiele nicht schuld an Massakern!

06.08.2019 | 10:59 Uhr | Panagiotis Kolokythas

US-Präsident Trump liegt falsch, wenn er nach den jüngsten Amokläufen wieder Video-Spielen die Schuld gibt. Ein Kommentar.

„Wir müssen die Glorifizierung der Gewalt in unserer Gesellschaft stoppen. Dazu gehören die grausamen und grauenhaften Video-Spiele, die heute alltäglich sind. Es ist heute zu einfach für Jugendliche mit Problemen, sich mit einer Kultur zu umgeben, die Gewalt feiert.“

Mit diesen Worten hat US-Präsident Donald Trump am Montag die Ereignisse vom Wochenende kommentiert. Im folgenden Video ist die Äußerung von Trump ab Sekunde 48 zu sehen:

Mr. President, Sie liegen falsch! Und lassen Sie mich erklären warum ich – und viele andere – dieser Meinung sind.

In den USA hat es am Samstag und Sonntag gleich zwei Amokläufe gegeben. In El Paso (Texas) und Dayton (Ohio) starben binnen weniger Stunden über 30 Menschen und dutzende Menschen wurden verletzt.

Immer wieder sorgen die regelmäßigen Amokläufe in den USA für entsetztes Kopfschütteln, wozu irrgeleitete Menschen in der Lage sind. Wie kurzsichtig kann man da nur sein, die Schuld bei Videospielen zu suchen? Vielleicht ist aber auch nicht die Kurzsichtigkeit, die den US-Präsidenten zu diesen Aussagen veranlasst hat, sondern einfach die Tatsache, das mit solchen Äußerungen von den eigentlichen Problemen in der Gesellschaft abgelenkt worden soll.

Die Fakten, die bisher bekannt sind, sprechen ein anderes Bild:

  • Beide Täter waren in der Vergangenheit mehrfach mit Hasskommentaren gegenüber Minderheiten auffällig geworden und einer der Täter hatte seine Tat in einem Hass-Pamphlet im unmoderierten Forum 8chan angekündigt.

  • Es ist gar nicht bekannt, ob die beiden Täter überhaupt Gamer sind.

  • Beide Täter waren in Besitz vollautomatischer Waffen, die eigentlich für Soldaten in Kriegseinsätzen bestimmt nicht und nicht in Hände von Menschen gehören, die für sich das Recht auf das Tragen einer Waffe aus Gründen der Selbstverteidigung beanspruchen.

Statt sich den echten Problemen zu widmen, nutzt US-Präsident Donald Trump erneut die Amokläufe, um Video-Spielen die Schuld zu geben. Und diverse andere US-Politiker folgen dieser Ansicht.

Was schief an dieser Darstellung der Realität ist? Zum Beispiel das es bisher keinerlei Belege von einem Zusammenhang zwischen Spielen und Gewalt gibt. Milliarden Menschen weltweit frönen dem Videospiel-Hobby.

In der ganzen Welt werden Video-Spiele gespielt, aber das Delikt „Mass shooting“, wie es in den USA genannt wird, ist vor allem ein US-Problem, welches in den letzten Jahren stark zugenommen hat.  Dieser Twitter-Nutzer hat in einem Tweet die Anzahl der Vorfälle in den größten Ländern der Welt zusammengerechnet: 255 dieser „Mass shootings“, also Amokläufen mit einer Waffe, bei denen mindestens vier Personen betroffen (verletzt oder getötet) wurden, gab es bereits im Jahr 2019. Davon 249 in den USA. 249 von 255 allein in diesem Jahr!

Auf dieser Wikipedia-Seite werden alle bisherigen "Mass shootings"-Vorfälle des Jahres in den USA protokolliert. Die traurige Bilanz bisher: Über 200 Todesopfer und über 1.000 Verletzte.

Hillary Clinton, die bei der vergangenen US-Präsidentschaftswahl gegen Donald Trump angetreten war und verloren hatte, tweetete nach den Ereignissen vom Wochenende: „In jedem anderen Land der Erde leiden Menschen an psychischen Erkrankungen; in praktisch jedem anderen Land der Erde spielen Menschen Videospiele. Der Unterschied sind die Waffen.“


Ein Kommentar von Panagiotis Kolokythas


PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2446611