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Nach El Paso und Dayton: 8Chan verliert IT-Schutz

05.08.2019 | 10:55 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Cloudflare zieht Konsequenzen aus den jüngsten Massakern in den USA und kündigt den Schutz von 8Chan.

Der Netzwerkbetreiber Cloudflare kündigt in einem Blog-Eintrag am Montag an, seine Dienste nicht mehr der Forumswebsite 8Chan anbieten zu wollen. Sollte 8Chan zeitnah keine Alternative finden, dann wäre die Website DDoS-Attacken ausgesetzt und dürfte damit vom Netz gehen.

Cloudflare reagiert damit auf die jüngsten Massaker, die zwei Attentäter am Wochenende in den USA angerichtet haben. In El Paso, Texas, erschoß ein Mann insgesamt 20 Menschen und verletzte 27 Personen in einem Einkaufszentrum, ehe er festgenommen werden konnte. Kurze Zeit später starben bei einem Amoklauf in Dayton, Ohio, neun Menschen, darunter die Schwester des Täters. Der Täter selbst konnte eine Minute nachdem er den ersten Schuss abgegeben hatte, von der Polizei erschossen werden. Dennoch gelang es ihm mit seiner automatischen Waffe, so viele Menschen umzubringen.

Zumindest der Täter in El Paso soll seine Tat vorab auf 8Chan angekündigt haben, einem Forum, welches von Rassisten häufig genutzt wird und deshalb seit einiger Zeit in der Kritik steht. In einer ersten Reaktion nach El Paso und Dayton hatte der 8Chan-Gründer  Fredrick Brennan, der mittlerweile nichts mehr mit 8Chan zu tun hat, eine sofortige Schließung von 8Chan gefordert. Man könne nicht mehr zusehen, so Brennan, wie über 8Chan Rassisten ihren Hass austauschen und immer wieder neue Amokläufe vorab dort ankündigen, ohne gestoppt werden zu können.

Cloudflare zeigt sich schockiert von den Ereignissen am Wochenende in den USA und hält die Vorwürfe gegen 8Chan für berechtigt. Ähnliches wie in El Paso sei bereits beim Terrorangriff in Christchurch (Neuseeland) passiert. "Der El Paso-Attentäter verweist ausdrücklich auf den Vorfall in Christchurch und scheint von den weitgehend unmoderierten Diskussionen auf 8chan inspiriert worden zu sein, die das vorherige Massaker verherrlichten", erklärt Cloudflare.

Das sei nicht hinnehmbar und aus diesem Grund werde die Zusammenarbeit praktisch mit sofortiger Wirkung beendet. Man biete seine Sicherheitsdienste über 19 Millionen Internet-Anbietern an, 8Chan dürfe nicht länger dazu gehören, weil so Cloudflare: "Sie haben sich als gesetzlos erwiesen, und diese Gesetzlosigkeit hat mehrere tragische Todesfälle verursacht hat. Selbst wenn 8chan nicht gegen den Buchstaben des Gesetzes verstoßen hat, indem es sich weigert, seine hasserfüllte Gemeinschaft zu moderieren, haben sie eine hasserfüllte Umgebung geschaffen."

Ohne Cloudflare ist 8Chan im Internet jeder DDoS-Attacke schutzlos ausgeliefert. Ohne Schutz dürfte die Website daher dauerhaft nicht mehr erreichbar sein. Allerdings dürfte die Realität dann doch anders aussehen: Cloudflare hatte bereits vor zwei Jahren aus ähnlichen Gründen den Schutz der Website The Daily Stormer eingestellt. Die Website war allerdings nur kurze Zeit offline, weil ein Cloudflare-Konkurrent die Absicherung des Dienstes übernahm. Daher ruft Cloudflare dazu auf, dass tieferlegende Problem zu bekämpfen, um die Verbreitung von Hass im Internet zu bekämpfen.

"Leider werden die Maßnahmen, die wir heute ergreifen, den Hass im Internet nicht beseitigen. Es wird mit ziemlicher Sicherheit nicht einmal 8chan aus dem Internet entfernen. Aber es ist das Richtige. Hass online ist ein echtes Problem", erklärt Cloudflare-Chef Matthew Prince.

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