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NASA-Sonde Lucy: Strom könnte knapp werden wegen Sonnenkollektor-Problem

21.10.2021 | 13:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die NASA-Sonde Lucy soll in 12 Jahren 8 Asteroiden erforschen. Doch es gibt ein Problem mit den lebensnotwendigen Sonnenkollektoren. Das könnte später zu einem Strommangel führen. Eine andere Folge hat das Problem aber bereits jetzt.

Update 21.10.: Die auf Raumfahrtthemen spezialisierte Webseite space.com betont, dass es langfristig durchaus einen Unterschied machen könnte, ob der zweite Solarkollektor vollständig entfaltet und voll funktionsfähig ist oder nicht. Denn derzeit ist die Sonneneinstrahlung, die auf Lucy wirkt, rund 25 Mal stärker als zu dem Zeitpunkt, wenn sich Lucy in der Umlaufbahn von Jupiter befindet. In Erdnähe liefern Lucy Sonnenkollektoren rund 18.000 Watt. Auf Höhe der Jupiter-Trojaner dagegen werden es nur noch 500 Watt sein. Allerdings sollen die Messinstrumente von Lucy für den ordnungsgemäßen Betrieb nur 82 Watt benötigen.

Eine Folge hat das Problem mit dem Sonnenkollektor aber bereits: Die Sonde hat anders als ursprünglich geplant noch nicht ihre Instrumentenausrichtungsplattform ausgefahren. Das sollte eigentlich zwei Tage nach dem Start geschehen. Update Ende

Am Samstag (16. Oktober 2021) hatte die NASA ihr neueste Weltraumsonde Lucy gestartet. Lucy (15,8 m x 7,28 m x 2 m; Breite x Höhe x Tiefe) soll die so genannten Jupiter-Trojaner erforschen (mehr dazu siehe unten). Ein ehrgeiziges und auf zwölf Jahre angelegtes Projekt.

Doch nun gibt es bereits das erste Problem.

Ein Sonnenkollektor hat nicht verriegelt

Denn die NASA teilte in einem Blogbeitrag mit, dass einer der beiden Sonnenkollektoren (jeder sieben Meter groß), der Lucy mit Strom versorgen soll, nicht korrekt verriegelt sei. Was das für den weiteren Verlauf der Mission bedeutet, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Sicher ist aber: je weiter sich Lucy von unserer Sonne entfernt, desto nötiger brauchte sie selbst geringe Mengen von Sonneneinstrahlung zur Stromversorgung. Und umso wichtiger wird das optimale Funktionieren der Sonnenkollektoren.

Die Illustration zeigt Lucy mit ihren beiden Sonnenkollektoren im Idealzustand.
Vergrößern Die Illustration zeigt Lucy mit ihren beiden Sonnenkollektoren im Idealzustand.
© NASA

Die NASA betont aber, dass eine Analyse der Systeme der Raumsonde Lucy ergeben habe, dass die Sonde gut funktioniere und stabil sei. Beiden Solarkollektoren von Lucy seien ausgefahren und beide würden Strom produzieren und die Batterie laden. Aber nur einer der beiden Sonnenkollektoren sei korrekt verriegelt, der andere dagegen vermutlich nicht. Lucy könne aber ohne Gefahr für sie weiterarbeiten. Das NASA-Team analysiere jetzt die Daten der Raumsonde, um die Situation zu verstehen und die nächsten Schritte zur vollständigen Entfaltung der Solarkollektoren zu bestimmen.

Das ist Lucys Mission

Lucy soll auf ihrer zwölfjährigen Mission insgesamt acht Asteroiden erkunden – mehr als auf jeder anderen Mission zuvor. Ihr Ziel sind vor allem die um sogenannten Trojaner-Asteroiden. Das sind Asteroiden, die sich mit Jupiter auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen; entweder in einer Gruppe vor oder in einer Gruppe hinter Jupiter. Doch auf dem Weg dorthin muss sie auch am großen Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter vorbeifliegen und dabei den Hauptgürtel-Asteroiden Donaldjohanson untersuchen. Das ist für den 20. April 2025 geplant. Danach geht es weiter zu diesen fünf Trojaner-Asteroiden : Eurybates und Queta am 27. August 2027, Polymele am 15. September 2027 und Leucus am 18. April 18 2028 sowie Orus am 11. November 2028.

Danach nähert sich Lucy wieder der Erde, um neuen Schwung zu nehmen und danach am 2. März 2033 am Asteroiden Patroclus und dessen Begleiter Menoetius (es handelt sich dabei um Doppelasteroiden) vorbeizufliegen. Danach ist Lucys eigentliche Mission beendet, die NASA-Sonde beobachtet aber weiter, solange sie funktioniert.

Die Benennung mit Lucy erfolgt in Anlehnung an das berühmte prähistorische Australopithecus-afarensis-Skelett aus Afrika. Denn die Trojaner-Asteroiden gelten sozusagen als Fossilien der Planetenwerdung in unserem Sonnensystem, daher die Namensanleihe bei dem Australopithecus-afarensis-Skelett. Der Asteroid Donaldjohanson wiederum ist nach dem Paläoanthropologen Donald Johanson benannt, dem Entdecker des Australopithecus afarensis „Lucy“.

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