2225668

Moral Machine: Wen soll ein autonomes Auto im Notfall töten?

25.10.2018 | 11:43 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

In dem Online-Test Moral Machine sollten Menschen entscheiden, wen ein autonomes Auto im Notfall töten soll. Kinder gegen Erwachsene, Kriminelle gegen Ärzte, Tiere gegen Menschen. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Update 25.10.2018: Die Ergebnisse zur Moral Machine liegen vor. Knapp 40 Millionen Mal haben Menschen aus aller Welt darüber abgestimmt, wessen Leben ein autonom fahrendes Auto im Falle eines schweren Unfalls retten soll. Eine schwerwiegende ethische Frage, die die Hersteller selbstfahrender Autos irgendwann einmal in ihre Algorithmen einfließen lassen müssen.

Die Teilnehmer an dem Online-Test (siehe unten ausführlich beschrieben) mussten also beispielsweise entscheiden, ob ein autonomes Auto zwischen mehr oder weniger Todesopfer entscheiden sollte. Oder ob es jüngere oder ältere Menschen überfahren sollte. Oder einen Arzt oder einen Dieb töten sollte, wenn es nur einem von beiden ausweichen kann. Ob es den Menschen überfahren sollte, der bei Rot über die Straße geht oder den, der sich an die Verkehrsregeln hält. Weitere Fragestellungen: Soll das autonome Auto vor allem die Insassen schützen oder die Fußgänger? Menschen oder Tiere?

Dabei zeigte sich, dass die meisten Teilnehmer eher Menschen als Tiere retten würden. Und dass die meisten Teilnehmer so viele Leben wie möglich retten würden, das selbstfahrende Auto solle also im Zweifelsfall eher eine Einzelperson als eine Menschengruppe überfahren. Ebenso votierten viele dafür eher jüngere als ältere Menschen zu retten. Ebenso entschieden sich viele Abstimmende dafür, diejenigen Verkehrsteilnehmer zu retten, die sich an die Verkehrsregeln hielten. Und im Zweifelsfall sollten die mit dem höheren sozialen Status gerettet werden.

Soweit das Ergebnis, wenn man alle weltweiten Teilnehmer gemeinsam auswertet. Regional gibt es aber durchaus Unterschiede. So achten Menschen aus Asien ältere Menschen höher und würden dieser eher bei einem Unfall retten. In Südamerika dagegen würden die Teilnehmer eher die jüngeren Leben retten. Die Südamerikaner würden zudem eher Frauen und Gesunde am Leben lassen. In Deutschland wiederum bevorzugen es viele Teilnehmer in das Unfallgeschehen überhaupt nicht einzugreifen.

Sie können sich die Ergebnisse nach Ländern sortiert hier anzeigen lassen.

Wenn die Maschine entscheidet – zur Ethik selbstfahrender Autos

Update Ende

Es ist ein sehr makabrer Test, den das renommierte Forschungsinstitut MIT mit seiner Moral Machine online gestellt hat. Denn hier müssen Sie in 13 konkreten Unfallszenarien entscheiden, wer sterben muss und wer überleben darf.

Dabei müssen Sie abwägen, welche Leben Ihnen wichtiger erscheinen: Das von fünf Senioren im Auto oder das Leben einen einzelnen Kindes auf dem Zebrastreifen. Abhängig von Ihrer Entscheidung kracht das Auto in das feste Hindernis: Die fünf älteren Insassen sterben, das Kind überlebt. Oder aber Sie lassen das Auto das Kind überfahren, dann überleben die Senioren.

BMW demonstriert hochautomatisiertes Fahren (PC-WELT-Video)

Das ist nur einer von 13 Fällen, in denen Sie über Leben und Tod entscheiden. In anderen Fällen müssen Sie abwägen, ob das Auto einige Verbrecher oder einige Ärzte überfahren soll. In einem besonders krassen Fall stehen sogar die Leben einiger Tiere gegen das von Menschen.

Selbstfahrende Autos müssen Entscheidungen treffen

Die Moral Machine hat einen ernsten Hintergrund: Die Entwicklung von selbstfahrenden, also autonomen Autos. Denn wenn ein Auto ohne menschliche Eingriffe fährt, dann muss in einer Notsituation der Computer entscheiden, wohin das Fahrzeug steuern soll. Soll das selbstfahrende Auto dann also sich aufopfernd selbst gegen eine Hauswand steuern – und dabei den Fahrer, der als einziger im Auto sitzt, töten – wenn nur dadurch verhindert werden kann, dass das Auto ein Kind überfährt, das unaufmerksam vor das Auto auf die Straße läuft? Bei autonomen Autos müssen solche und ähnliche Szenarien und Abwägungen im Programmiercode berücksichtigt werden. Rund um den Globus diskutieren Ethikkommissionen dieses Problem. Das dürfte in nächster Zeit noch für einige Unruhe unter den Autofahrern sorgen. Denn wer kauft sich schon ein Auto, das im Zweifelsfall den Fahrer opfert, um einen anderen Menschen zu retten…

So verändern Elektro-Autos und autonomes Fahren unser Leben

Hände weg vom Lenkrad und sich auf der Autobahn entspannt zurücklehnen. An genau dieser Technologie, dem sogenannten hochautomatisierten Fahren, forscht derzeit BMW. Wie weit diese Forschung bereits ist, haben wir uns auf einer Testfahrt über die A9 und die A92 zum Münchner Flughafen angeschaut. Die Technik übernahm auf dieser Strecke komplett das Ruder, fuhr eigenständig geradeaus, überholte und brachte uns sicher ans Ziel. Einen genauen Einblick in die Technik des hochautomatisierten Fahrens bekommen Sie in diesem Video.

PC-WELT Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2225668