2509790

Mit Laser: So kämpft Deutschland gegen Weltraumschrott

25.05.2020 | 13:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Ein neues Weltraumobservatorium soll gezielt Weltraumschrott aufspüren und so Satelliten retten. Es entsteht in Deutschland und nutzt spezielle Laser.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kämpft gegen Weltraumschrott. Die DLR baut dafür ein Forschungsobservatorium, das erdnahe Satelliten und Weltraumschrott aufspüren und verfolgen soll.

Von dem neuen Forschungsobservatorium sollen Flugbahn und Beschaffenheit von Objekten in erdnahen Umlaufbahnen schnell, präzise und zuverlässig bestimmt werden. Genaue Daten dazu seien laut DLR wichtig, um Zusammenstöße zum Beispiel von Satelliten mit Weltraumschrott zu vermeiden. Ziel sei es, Objekte, die bis zu zehn Zentimeter klein sind, zu erfassen, zu orten und zu bestimmen.

Im Fokus des Projekts steht die besonders genaue Entfernungsmessung mittels spezieller Laser. Zudem wollen die DLR-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler bisher unbekannte orbitale Objekte ausfindig machen und mit Spektralanalysen, bei denen sie die farbliche Zusammensetzung des Lichts der Objekte ermitteln, möglichst genau charakterisieren. So können sie herausfinden, um was für ein Objekt es sich handelt, in welcher Bahn es sich befindet und wie es rotiert.

Im Fokus der Beobachtungen und Messungen stehen vor allem Objekte, die zwischen 400 und 2000 Kilometer von der Erde entfernt sind. In dieser niedrigen Umlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) umkreisen laut DLR immer mehr Satelliten die Erde – und damit langfristig auch Weltraumschrott. Er kann zur Gefahr für die bemannte wie unbemannte Raumfahrt werden. Experten schätzen, dass im niedrigen Erdorbit bis Ende der 2020er Jahre rund 70.000 Satelliten und mehr unterwegs sein könnten – Elon Musk wird daran einen gewaltigen Anteil haben. Vor allem sogenannte Mega-Konstellationen, die aus tausenden Satelliten zum Beispiel für Überall-Internet bestehen, werden erheblich zu dieser Entwicklung beitragen.

Das 2,5 Millionen Euro teure Forschungsobservatorium entsteht auf dem Innovationscampus Empfingen im Nordschwarzwald in Baden-Württemberg. Der 15 Meter hohe Rundbau mit drehbarer Kuppel beherbergt künftig ein Teleskop mit einem Primärspiegeldurchmesser von 1,75 Metern. Baubeginn des MS-LART (Multi-Spectral Large Aperture Receiver Telescope, Multispektrales Empfangsteleskop) ist Ende Mai 2020. Im Dezember 2020 soll das Teleskop das „erste Licht“ empfangen, also zum ersten Mal das Licht eines Gestirns auf den Spiegel oder die Linse des neuen Teleskops fallen. Die offizielle Einweihung ist danach für Frühjahr 2021 geplant. Das Forschungsteleskop soll das größte seiner Art in Europa sein.

Sonde mit Greifarmen: ESA will Weltraumschrott einsammeln

Beinahe-Kollision: ESA-Satellit weicht Elon Musks Internet-Satellit aus

Russland schießt Satellitenjagd-Rakete ins All

Unkontrollierbare Satelliten stoßen anscheinend nicht zusammen

PC-WELT Marktplatz

2509790