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Mirrorlink: Absage von Audi, BMW & Daimler - VW bleibt aber treu

16.09.2017 | 08:56 Uhr |

Audi, BMW und Daimler zeigen Mirrorlink die kalte Schulter. Damit dürfte Mirrorlink mittelfristig verschwinden. VW dagegen bietet Mirrorlink sogar im neuen T-Roc an.

Volkswagen hält an Mirrorlink fest. Sogar im neuen Golf-SUV T-Roc, den die Wolfsburger am 23. August 2017 bei einem Event am Comer See vorgestellt haben, bietet VW die Mirrorlink-Schnittstelle neben den beiden etablierten und relativ weit verbreiteten Schnittstellen Carplay und Android Auto auch noch an. 

Sebastian Schiebe, Pressesprecher von VW, erklärte uns das beharrliche Festhalten an Mirrorlink folgendermaßen: „Android Auto und Apple Carplay sind in Nordamerika und Europa sehr stark, aber speziell für den asiatischen Raum brauchen wir Alternativen. Google Services funktionieren zum Beispiel nicht in China". Schiebe fährt fort: "Aktuell ist ...nicht viel Dynamik bei der App-Zertifizierung durch Apple und Google zu erkennen. Über Mirrorlink können wir daher demonstrieren, welche Funktionen möglich sind." Das machte Volkswagen zum Beispiel im September 2016, als das Unternehmen auf der IFA mit Doorbird eine App für Mirrorlink vorgestellt hat, mit der man unterwegs vom Auto aus mit einem Besucher vor der Haustür sprechen und diesem auch öffnen kann. Wir sprachen auf der IAA 2017 in Frankfurt mit Volkswagen ausführlich darüber, weswegen VW an Mirrorlink festhält.

Schiebe weiter: "Und natürlich gibt es viele Handys welche die Mirrorlink Technologie integriert haben. Es ist daher vollkommen okay, hier im Sinne des Kunden, Alternativen und Flexibilität anzubieten“.

Mirrorlink ist "Dead Man walking"

Ungeachtet der anhaltenden Unterstützung durch VW: Das vom Car Connectivity Consortium (CCC) betriebene Mirrorlink dürfte für die Integration von Android-Smartphones in das Infotainmentsystem von PKWs bald kaum noch eine Rolle spielen. Das von Google und der Open Automotive Alliance OAA unterstützte Android Auto wird Mirrorlink als Schnittstelle zwischen Fahrzeug-Infotainmentsystem und Android-Smartphones vermutlich völlig verdrängen.

...dass selbst Google Maps während der Navigation keine Karte anzeigt, ist ein Unding.
Vergrößern ...dass selbst Google Maps während der Navigation keine Karte anzeigt, ist ein Unding.

Mirrorlink legte einen holprigen Start hin, es gab viele Kompatibilitätsprobleme zwischen Smartphones und PKWs. Oft kam und kommt keine Verbindung zustande oder aber sie bleibt instabil. Und nur bestimmte Apps lassen sich mit Mirrorlink nutzen. Vor allem aber ist Mirrorlink bis heute relativ wenig intuitiv bedienbar und mit vielen Einschränkungen verbunden. Und optisch ziemlich unansehnlich. Ganz im Unterschied beispielsweise zu Apple Carplay, das funktional und optisch überzeugt. Und der direkte Konkurrent Android Auto, der genauso wie Mirrorlink für Android-Smartphones gedacht ist, erweist sich im Test als nutzwertiger und zuverlässiger. Um die miese Bedienbarkeit von Mirrorlink zu verbessern, programmierte Seat sogar eine eigene Oberfläche für das sperrige Mirrorlinksystem.

Mit Android Auto lässt sich ein Android-Smartphones mit dem Infotainment-System eines Fahrzeugs koppeln. Wie das geht und was das bringt, erfahrt Ihr in diesem Video.

Derzeit unterstützen aber noch relativ viele Automobil-Hersteller Mirrorlink, eine Herstellerliste findet man auf dieser Seite. Wenn auch teilweise nur mit wenigen Modellen; Toyota zum Beispiel bietet in Deutschland nur den Aygo mit Mirrorlink an – das im Test im Aygo aber nicht zu gebrauchen war. Es sind überwiegend die so genannten Volumen-Hersteller, die Mirrorlink in einen Teil ihrer Fahrzeuge integrieren, Audi und BMW sowie Daimler dagegen halten sich völlig zurück. Wir fragten also Audi, BMW und Daimler, ob sie dem Car Connectivity Consortium beitreten und Mirrorlink künftig auch in ihre Fahrzeuge integrieren werden.

Carplay ist eine Schnittstelle von Apple, über die sich das Infotainment-System des Autos mit einem iPhone verbinden lässt. Wir erklären, wie das Ganze funktioniert.

Audi

Michael Crusius, Pressesprecher von Audi für den Bereich Technologie/Innovationen sagte uns dazu: „Im CCC ist die VW-Group durch VW vertreten und Audi nur als Beobachter. Wegen der geringen Marktverbreitung und der fehlenden Integration bei Apple unterstützen wir bei Audi aktuell kein MirrorLink, nur Apple Carplay und Android Auto.“ Im 2017 vorgestellten neuen Audi A8 fehlt Mirrorlink ebenfalls.

BMW

Geringe Verbreitung also – das hat gesessen. Und was hält BMW von Mirrorlink? Nadja Horn, Pressesprecherin BMW Group ConnectedDrive erklärte uns: „Mirror Link unterstützen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“

Daimler

Die offizielle Mirrorlink-Seite zählt Mercedes-Benz zu den Unterstützern, in der A-Klasse soll Mirrorlink angeblich verfügbar sein. Doch diese Angabe des Car Connectivity Consortium CCC, das hinter Mirrorlink steht, ist falsch. Das erklärte uns Benjamin Oberkersch, Pressesprecher von Daimler, auf unsere Nachfrage: „Die MirrorLink-Übersichtsseite irrt: Auch in der A-Klasse ist MirrorLink nicht verfügbar.“ Und weiter: „Wir haben die verfügbaren MirrorLink-Apps getestet und sind zu dem Schluss gekommen, dass diese aktuell nicht zur Mercedes-Benz User Experience passen. Daher haben wir MirrorLink vorerst nicht in unsere Fahrzeuge integriert.“

Die sehr diplomatisch gewählte Formulierung „passen nicht zur MB User Experience“ können wir nach unseren Tests bestätigen: Mirrorlink ist benutzerunfreundlich und oft auch unzuverlässig.

Damit deutet sich diese Prognose an: Carplay und Android Auto werden mittelfristig Standard in den Infotainmentsystemen der Automobilbauer werden. Auch Toyota, das sich derzeit Carplay und Android Auto noch verweigert, wird irgendwann nachgeben müssen. Nach Mirrorlink aber wir in ein oder zwei Jahren kein Hahn mehr krähen.

Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
Vergrößern Aus der neuen Preisliste für BMW X5 M und X6 M geht auf Seite 25 hervor, dass drahtloses Carplay 300 Euro Aufpreis kosten wird.
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