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Microsoft speichert Superman-Film auf Quarzglas

12.11.2019 | 10:59 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Microsoft-Forscher haben den kompletten Superman-Film erfolgreich auf einer Quarzglas-Scheibe gespeichert.

Microsoft meldet einen neuen Erfolg bei seinem Project Silica: Den Forschern ist es gemeinsam mit Warner Bros gelungen, den kompletten ersten Superman-Film aus dem Jahr 1978 auf einer nur 2,5 Zentimeter dicken Scheibe zu speichern, die 7,5 x 7,5 groß ist und aus dem Material Quarzglas besteht. Insgesamt konnten über 75,6 Gigabyte an Daten auf so engem Platz abgelegt werden. 

Anders als bei anderen Speichermedien werden bei Quarzglas die Daten nicht auf, sondern im Datenträger gespeichert. In Tests, so die Microsoft-Forscher, habe das Quarzglas allen Versuchen widerstanden, es zu zerstören. Die Daten konnten weiterhin ausgelesen werden, nachdem das Material beispielsweise in einen heißen Ofen oder in eine Mikrowelle gelegt wurde. Auch Kratzer mit einer Stahlwolle zerstören die Daten nicht. 

Quarzglas wird auch als „Superman-Kristall“ bezeichnet. Nicht nur, weil es so widerstandsfähig ist, sondern weil in den Superman-Filmen die Speicherkristalle erwähnt werden. 

An dem Quarzglas arbeiten die Microsoft-Forscher schon seit vielen Jahren. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines neuen, langlebigen Speichermediums, mit dem möglichst viele Daten auf kleinem Platz abgelegt werden können. Notwendig ist die Entwicklung neuer Speichermedien, weil die Menschheit immer mehr Daten erzeugt, die gespeichert werden müssen.

Microsoft setzt dabei die Hoffnung auf Quarzglas, welches besonders langlebig Daten speichern kann. Das Material übersteht selbst hohe Temperaturen und widrigste Umstände. „Die Speicherung des gesamten Superman-Filmes in Glas (…) ist ein wichtiger Meilenstein“, kommentiert Microsofts Azure-CTO Mark Russinovich den Erfolg. Und fügt hinzu: „Ich sage nicht, dass wir damit eine vollständige Antwort auf alle Fragen liefern, aber es sieht so aus, als befänden wir und jetzt in einer Phase der Verfeinerung und des Experimentierens, anstatt uns die Frage zu stellen: ‚Können wir es tun?‘“

Erste Erfolge mit Quarzglas hatten Forscher bereits vor einigen Jahren gemeldet. Laut Angaben von Microsoft wurde auch Warner Bros. auf diese Berichte aufmerksam und kontaktierte Microsoft. Grund dafür ist, dass sich Warner Bros. grundsätzlich für alle neuen Speichertechnologien interessiert, um seine wachsende Bibliothek an Inhalten langlebig speichern zu können. 

Im Quarzglas werden die Daten in Schichten von Nanostruktur-Punkten abgelegt, die jeweils durch etwa fünf Mikrometer große Abstände getrennt sind. Die Enkodierung der Daten erfolgt mittels der drei Dimensionen Breite, Höhe und Tiefe. Hinzu kommen zwei weitere "Dimensionen", mit denen die Größe der Daten-Punkte und deren Ausrichtung festgelegt werden können.

Im konkreten Fall ist jede Bildinformation des Superman-Films im Quarzglas als "Voxel" gespeichert, also in Form eines dreidimensionalen Pixels. Die Informationen können über einen Infrarot-Laser ausgelesen werden. Dabei werden die Voxel übereinander geschichtet. Bereits auf eine 2 Millimeter dicke Quarzglas-Scheibe passen 100 Voxel-Schichten.

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