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Original Microsoft: Ganz schön clever, die neuen Powertoys

08.04.2021 | 13:02 Uhr |

Die früher so beliebten Powertoys von Microsoft stehen nun auch für Windows 10 zur Verfügung. Die Toolsammlung nimmt Anwendern manch zusätzliche Arbeit ab und steigert so die Produktivität im PC-Alltag. Hier lernen Sie die neuen Windows-Werkzeuge kennen.

Für Windows 95 gab es die Powertoys, mit denen man sein System aufbohren und tunen konnte. In Form von Open-Source-Software sind die Microsoft-Tools nun zurück. Das Paket können Sie gratis laden und nutzen, am einfachsten mit dem MSI-Installer bei Github . Die für die Installation notwendige „.net Desktop Core“-Runtime spielt das Tool automatisch ein.

Als Option bieten die Powertoys den automatischen Start beim Hochfahren von Windows an. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, ein Icon auf dem Desktop zu erzeugen. Nach dem Starten der Tools steht es über die Taskleiste rechts unten im Desktop zur Verfügung. Zum Öffnen der Einstellungen klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Icon und wählen im Menü den gleichnamigen Eintrag. Für Änderungen müssen die Powertoys im Administrator-Mode aktiv sein. Dazu klicken Sie oben in der Mitte auf den blauen Knopf „Als Administrator neu starten“. Für einen automatischen Start mit Admin-Rechten aktivieren Sie die Option „Immer als Administrator ausführen“. Über die Tabs links öffnen Sie die Einstellungen für die einzelnen Module. Die Schiebeschalter oben aktivieren beziehungsweise deaktivieren die einzelnen Komponenten von Powertoys. Im unteren Bereich individualisieren Sie die Darstellung: Hier stehen ein helles, ein dunkles und das Standard-Windows-Design zur Verfügung.

Hinweise: Für die Installation und Nutzung der aktuellen Powertoys ist mindestens Version 1803 von Windows 10 erforderlich. Für ältere Windows-Versionen finden sich bei Github ältere Varianten im Archiv.

Siehe auch:   Gratis - Die besten Tools und Apps von Microsoft

Das Einstellungsfenster der Powertoys hilft beim Einrichten und Aktivieren der einzelnen Funktionen. Darin lässt sich auch festlegen, dass die Toolsammlung stets mit Administratorrechten ausgeführt wird.
Vergrößern Das Einstellungsfenster der Powertoys hilft beim Einrichten und Aktivieren der einzelnen Funktionen. Darin lässt sich auch festlegen, dass die Toolsammlung stets mit Administratorrechten ausgeführt wird.

Schnellstart für Programme und das Öffnen von Dateien

Der schnelle Start eines Programms ist über angeheftete Icons in der Taskleiste oder über Verknüpfungen auf dem Desktop ganz einfach möglich. Außerdem bieten die Powertoys die Möglichkeit, mit der Tastenkombination Alt-Leertaste ein Suchfeld in der Mitte des Bildschirms zu öffnen. Dort tippt man einfach einen Suchbegriff ein, und das Tool listet alle passenden Programme darunter auf. Dazu greifen die Powertoys auf die interne Indexierung von Dateien in Windows zurück.

Ein Klick auf den Eintrag startet das Programm. Beispiel „Paint“ zeigt das Windows-Malprogramm und das 3D-Pendant. Rechts finden Sie bis zu drei Icons. Damit starten Sie das Programm als Administrator, zeigen den Speicherort der ausführbaren Datei oder öffnen ein Eingabefenster mit dem Pfad zur Ausführungsdatei. Die Powertoys zeigen bei der Suche nicht nur Programme, sondern auch verwendete Dokumente, die sich per Mausklick öffnen lassen. In den Einstellungen für „PowerToys-Startprogramm“ definieren Sie die Tastenkombination für den Aufruf und bestimmen die Anzahl der angezeigten Suchergebnisse. Mit der aktivierten Option „Vorherige Abfrage beim Start löschen“ startet die Suche ohne Eintrag. Die Option darunter verhindert eine Fehlermeldung, wenn ein Datenträger noch nicht indiziert wurde, beispielsweise ein externes Laufwerk.

Die Startbar in Powertoys bietet eine elegante Suche nach Programmen sowie die Möglichkeit, die Software zu starten oder Dateien zu öffnen.
Vergrößern Die Startbar in Powertoys bietet eine elegante Suche nach Programmen sowie die Möglichkeit, die Software zu starten oder Dateien zu öffnen.

Erweiterungen für den Datei-Explorer

Die Ansicht im Windows-Explorer erlaubt bei bestimmten Dateitypen eine Vorschau. Das funktioniert mit Bildern, Texten und bei Microsoft-Office-Dokumenten. Diese aktiviert man über den Reiter „Ansicht“ oder mit der Tastenkombination Alt-P. Anschließend sehen Sie rechts die Vorschau.

Mit den Powertoys lassen sich auch SVG-Grafiken und Informationen in Dateien mit Markdown (MD) aktivieren. In den Einstellungen in der Rubrik „Datei Explorer“ finden Sie die Optionen für die Darstellung für die Vorschau. Der untere Schalter aktiviert die Minianzeige in der Dateiübersicht, danach wird das Icon im Explorer durch die Vorschau ersetzt. Bei Verzeichnissen mit sehr vielen Dateien kann dies die Darstellung ausbremsen, da viele Bilder durch Windows berechnet werden müssen. In solchen Fällen können Sie die Option deaktivieren, um den Workflow zu beschleunigen.

Mit dem „Color Picker“ lassen sich schnell Farbeinstellungen auf dem Desktop ermitteln und in verschiedenen Formaten darstellen.
Vergrößern Mit dem „Color Picker“ lassen sich schnell Farbeinstellungen auf dem Desktop ermitteln und in verschiedenen Formaten darstellen.

Beliebige Wunschfarben für den gesamten Desktop nutzen

In Fotos, Designs oder Webseiten gibt es oft Farben, die Anwender in eigenen Dokumenten verwenden möchte. Den Wert kann man mit dem Farbwähler von Powertoys schnell ermitteln. Die Tastenkombination Win-Umschalt-C öffnet das Werkzeug dazu, anschließend klicken Sie mit der Pipette in den gewünschten Bereich des Bildschirms. Das Tool ermittelt den Farbwert und kopiert diesen in die Zwischenablage von Windows. Die Powertoys arbeiten dabei mit dem hexadezimalen Format wie beim Webdesign. Weitere Optionen finden Sie in den Einstellungen bei der Auswahl „Colorformat for Clipboard“.

Die Farbfunktion lässt sich in drei Modi nutzen: Einmal die Miniansicht mit Pipette und Farbfeld. Bei Modus zwei öffnet sich ein Editor nach dem Klick mit der Pipette. Er zeigt die zuvor aufgenommen Farben an. Hinzu kommen die Werte in verschiedenen Formaten wie RGB, HEX-Web oder CMYK. Die Werte bestimmen Sie in den Einstellungen unter „Editor colorformats“. Im dritten Modus öffnen die Powertoys den Farb-Editor sofort. Mit einem Klick auf die Pipette links oben starten Sie die Farbaufnahme.

Tipp: Wenn Sie die Hilfe in Powertoys aufrufen, wird im Webbrowser die entsprechende Seite in Englisch geöffnet. Um die deutsche Fassung zu erhalten, ersetzen Sie in der Webadresse den Teil „docs.microsoft.com/en-us/…“ durch „docs.microsoft.com/de-de/…“.

In Fancyzones stehen vorbereitete Bereiche für die Nutzung verschiedener Teile des Desktops zur Verfügung. Sie lassen sich auf Wunsch auch anpassen und ändern.
Vergrößern In Fancyzones stehen vorbereitete Bereiche für die Nutzung verschiedener Teile des Desktops zur Verfügung. Sie lassen sich auf Wunsch auch anpassen und ändern.

Fancyzones: Geschickt mehrere Desktop-Bereiche verwalten

Der schnelle Wechsel zwischen Anwendungen oder Dateifenstern ist unter Windows 10 weiter mit der Tastenkombination Alt-Tab möglich; damit blättern Sie durch die einzelnen Fenster. Eine Alternative ist die Kombination Win-Tab, die eine Übersicht mit allen Anwendungen darstellt.

Die Fancyzones der Powertoys stellen eine Ergänzung zum Wechsel zwischen den Fenstern dar. Dadurch lassen sich Desktop-Bereiche definieren, in denen bestimmte Fenster erscheinen sollen. Das bietet insbesondere bei großen Monitoren Vorteile.

In den Einstellungen der Fancyzones steht ein Layout-Editor bereit, um vordefinierte Bereiche zu wählen oder um Vorgaben über „Ausgewähltes Layout bearbeiten“ an eigene Vorstellungen anzupassen. In der Übersicht bewegen Sie die Maus in eine Zone und teilen diese mit einem Klick auf. Die Trennung zweier Zonen können Sie über „Merge Zones“ wieder entfernen. Vergeben Sie einen Namen und speichern das Design. Sie finden die neue Aufteilung im Reiter „Benutzerdefiniert“ des Layout-Editors. Aktivieren Sie das Design und wählen Sie es mit dem „Anwenden“-Button aus.

Nun schließen Sie die Einstellungen und öffnen ein beliebiges Programm, um es in einer Zone zu platzieren. Dazu stellen Sie das Fenster in den Minimalmodus mit dem zweiten Icon von rechts oben im Fenster. Halten Sie länger die Umschalttaste gedrückt, bis die Fancyzones eingeblendet werden. Ziehen Sie das Programmfenster nun mit der Maus auf den gewünschten Abschnitt, um es diesem zuzuordnen. Wenn Sie das Fenster in die Taskleiste schieben und dann mit der Kombination Alt-Tab wieder aufrufen, erscheint das Element in der zuvor zugewiesenen Zone. Das funktioniert genauso beim Programmstart: Powertoys setzt es sofort in den gewünschten Desktop-Bereich.

Powerrename benennt Dateien nach Ihren Wünschen um, was insbesondere bei Fotos nützlich ist. Dazu bietet das Tool zahlreiche Optionen und Filter.
Vergrößern Powerrename benennt Dateien nach Ihren Wünschen um, was insbesondere bei Fotos nützlich ist. Dazu bietet das Tool zahlreiche Optionen und Filter.

Bildgröße im Windows-Explorer ändern

Zum Verschicken von Fotos per Mail oder zum Teilen in sozialen Netzwerken sollte die Auflösung nicht zu groß sein. Die Funktion „Bildgrößenänderung“ von Powertoys klinkt sich in das Kontextmenü des Windows-Explorer ein. Sind ein oder mehrere Bilder zu bearbeiten, kann man schnell auf die Skalierung zurückgreifen, indem man die Dateien im Ordner auswählt und mit der rechten Maustaste anklickt. Im Menü finden Sie dazu den Eintrag „Größe von Bildern ändern“.

Im folgenden Fenster wählen Sie eine vordefinierte Größe oder mit „Benutzerdefiniert“ individuelle Abmessungen. Aktivieren Sie „Bilder nur verkleinern, nicht vergrößern“, wenn sich kleine Formate in der Auswahl befinden. Dann werden diese nicht auf die Vorgabe angepasst. Ist die Checkbox darunter aktiv, überschreiben Sie die Originalbilder. In den Einstellungen definieren Sie die Größen für die Einträge und können eigene Einstellungen hinzufügen (Plus-Symbol). Unten stellen Sie das Bildformat, Komprimierung und Modus zum Speicher ein. Das Feld „Dateiname“ erlaubt die umfangreiche Konfiguration der Bildbezeichnung nach der Konvertierung.

Über Parameter kann man Größe oder Abmessungen in den Dateinamen einfügen.

Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in der Online-Anleitung, wenn Sie rechts auf den Link „Weitere Informationen“ klicken.

Die Powertoys liefern im Windows-Explorer eine Vorschau für SVG-Grafiken und erzeugen daraus für diese Dateien eine Miniaturansicht.
Vergrößern Die Powertoys liefern im Windows-Explorer eine Vorschau für SVG-Grafiken und erzeugen daraus für diese Dateien eine Miniaturansicht.

Powerrename I: Viele Dateien und Fotos umbenennen

Viele Anwender orientieren sich an den Dateibezeichnungen, um das richtige Dokument zu finden. Unverständliche Namen sorgen für zeitraubende Sucherei, was insbesondere bei Fotos mühsam ist. Denn Digitalkameras und Apps auf dem Smartphone vergeben meist kryptische Bezeichnungen mit einer Nummer. Die Umbenennung der Dateien ist eine Möglichkeit, dies zu verhindern. Powertoys besitzt dafür eine Funktion mit umfangreichen Optionen. Die Voreinstellungen von Powerrename reichen für ein erstes Ausprobieren, die Funktion finden Sie im Kontextmenü des Windows-Explorers.

Zum Umbenennen einer Serie mit Bildern markieren Sie diese und klicken sie mit der rechten Maustaste an. Im Kontextmenü wählen Sie die Option „PowerRename“. Im folgenden Fenster finden Sie die Eingaben für das „Suchen und Ersetzen“ in den Dateinamen. Viele Digitalfotos beginnen mit Kurzbezeichnungen wie „IMG“ oder „DSC“. In unserem Beispiel ersetzen wir „IMG“ durch einen anderen Begriff: Dazu tippen Sie „IMG“ in das Feld „Suchen nach“ und darunter einen Begriff wie „Urlaub Italien 2019“. Unten in der Übersicht sehen Sie die Änderungen für die einzelnen Dateien. Wenn diese passen, schließen Sie mit „Umbenennen“ ab.

Ein virtueller Kameratreiber macht es möglich, in den Powertoys die Übertragung von Ton und Bild bei Videokonferenzen zu steuern.
Vergrößern Ein virtueller Kameratreiber macht es möglich, in den Powertoys die Übertragung von Ton und Bild bei Videokonferenzen zu steuern.

Powerrename II: Feinheiten und die weiteren Optionen

Wenn Sie beispielsweise die vielen Zahlen in einer Dateibezeichnung stören, nutzen Sie die weiteren Optionen des Tools. Mit den „Regular Expressions“ filtern Sie mit Mustern und entfernen überflüssige Zeichen. Aktivieren Sie die Option „Reguläre Ausdrücke benutzen“ und tippen Sie den Ausdruck

^IMG_.*jpg$

bei „Suche nach“ ein. Powerrename sucht dann nach allen Dateien die mit „IMG“ beginnen. Das vorgestellte Dachzeichen markiert diesen Teil, der Punkt wirkt als Trennzeichen und der Stern filtert alle Zeichen bis ans Ende des Dateinamens. „jpg$“ steht für das einheitliche Ende in allen Dateinamen, was die Erweiterung für ein jpg-Bild darstellt. Ändern Sie hier den Text, wenn Sie ein anderes Format benutzen. Fügen Sie im Feld darunter zusätzlich die Erweiterung „.jpg“ ein, damit diese ergänzt wird. Das sieht dann wie folgt aus: Urlaub Italien 2019.jpg

In der Vorschau darunter erkennen Sie nun schnell, dass die Dateien alle den gleichen Namen bekommen würden. Das macht natürlich keinen Sinn, es kommt zu einem Fehler. Klicken Sie im Feld „Optionen“ die Checkbox bei „Elemente aufzählen“. Damit fügt Powerrename beim Umbenennen automatisch Nummern ein.

Experimentelle Funktion: Video Conference Mute

Relativ neu ist die Funktion, um bei einem Videoanruf auf dem Rechner die Kamera und das Mikrofon zu deaktivieren. Dazu muss bei der Installation von Powertoys ein virtueller Kameratreiber eingespielt werden. Der übernimmt den Stream und blockiert bei Bedarf die Weiterleitung an den Empfänger. Das Programm erkennt die angeschlossenen Geräte und zeigt diese in den Einstellungen an.

Wenn Sie zusätzlich eine externe Kamera oder ein Mikro verwenden, wählen Sie sie in den Optionen in den Pull-Down-Menüs bei „Camera“ und „Microphon“ aus. Im oberen Bereich definieren Sie Tastenkombinationen zum Stummschalten der Geräte. Wird Powertoys beendet oder der Schalter „Enable Video Conference“ in den Einstellungen deaktiviert, dann übertragen wieder Kamera und Mikrofon automatisch weiter.

Lesetipp: 35 Jahre Windows - 35 Tools und Tipps

Das schnelle Skalieren von Fotos ist mit der Powertoys-Funktion im Windows-Explorer möglich. Die Optionen bieten viel Flexibilität.
Vergrößern Das schnelle Skalieren von Fotos ist mit der Powertoys-Funktion im Windows-Explorer möglich. Die Optionen bieten viel Flexibilität.

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