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Mercedes: Uralt-Tablet in Luxus-E-Auto EQS - der Grund

17.04.2021 | 13:45 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Im EQS verbaut Daimler ein uraltes Android-Tablet. Die Erklärung von Daimler für diesen verblüffenden Sachverhalt. Update: Daimler hat den EQS - die "elektrische S-Klasse" - jetzt offiziell vorgestellt.

Update 16.4.: Daimler hat den EQS jetzt offiziell vorgestellt: EQS-Elektro-S-Klasse lädt in 15 min Strom für 300 km, fährt autonom im Parkhaus .

Update 14.05: Stellungnahme von Mercedes-Benz

Wir haben natürlich bei Mercedes-Benz/Daimler nachgefragt, weshalb der schwäbische Auto-Hersteller ein so altes Android-Tablet seiner neuesten Elektro-Luxuslimousine beilegt. Mercedes-Benz erklärte uns, dass die Anpassung eines handelsüblichen Tablets an die besonderen Erfordernisse in einem Automobil viel Zeit in Anspruch nehme. Daimler habe mit mehreren Herstellern von Tablets Kontakt aufgenommen und sich schließlich für Samsung entschieden.

Dabei handelt es sich um ein Tab 4 aus dem Jahr 2017, also nicht um die originale Version von 2014. Dieses Tablet habe Daimler dann robuster gemacht und mit einem anderen Akku ausgestattet, so dass das Tablet extrem niedrige und extrem hohe Temperaturen, wie sie nun einmal in einem Auto auftreten können, aushalten könne. Außerdem besitze das Tablet ein robusteres Gehäuse, um es crashsicher zu machen und Noppen zum Einrasten in der Verankerung. Zudem wurden auf dem Tablet spezielle Automotive-Anwendungen installiert.

Diese Anpassungen benötigten erhebliche Zeit, weshalb es nicht möglich war, zum Beispiel ein erst 2020 vorgestelltes Android-Tablet als Basis zu verwenden. Dieses dem EQS beigelegte Tablet ist in dieser Form nicht auf dem Markt erhältlich, wie Daimler uns gegenüber betont.

Das modifizierte Tab 4 im EQS soll laut Daimler auch keinesfalls ein aktuelles iPad oder ähnliches ersetzen, Daimler habe nie angestrebt ein aktuelles Tablet beizulegen. Sondern das Tablet dient in seiner speziell angepassten und robusteren Ausführung zwei Zwecken:

  • Der Nutzung von typischen Tablet-Anwendungen wie im Internet surfen oder Youtube schauen.

  • Als elegante Fernbedienung für diverse MBUX-Funktionen im Auto wie zum Beispiel die Steuerung der Ambientebeleuchtung und der Massagefunktion in den Sitzen.  

Anders als manche Medien spekulierten handelt es sich dabei nicht um einen Prototypen, sondern um die finale Lösung, die auch dem EQS beim Verkaufsstart beiliegen wird. Natürlich wolle Daimler das Tablet immer mal wieder aktualisieren, doch man werde nie ein ganz aktuelles Tablet beilegen können, weil die Anpassung an die spezifischen Erfordernisse im Auto eben ihre Zeit brauche.

Heute, am 15.4.2021, um 18 Uhr stellt Mercedes-Benz das Serienmodell des EQS im Livestream vor. Sie können hier im Livestream mit dabei sein.

Update Ende, Beginn der ursprünglichen Meldung:

Der EQS soll so etwas wie die elektrische S-Klasse werden. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die neue Luxuslimousine von Mercedes-Benz. Doch der bekannte Youtuber Marques Brownlee hat entdeckt, dass Daimler in dem mit modernster Elektronik vollgestopften Luxus-Elektro-Auto ein sieben Jahre altes Android-Tablet verbaut hat.

In einem Auto, das mit den entsprechenden Extras deutlich über 100.000 Euro kosten dürfte, würde man als Tablet das neueste iPad erwarten, vielleicht sogar ein iPad Pro mit Apple Pencil oder falls dafür nicht der Platz ist, dann zumindest ein iPad Mini. Doch der sichtlich erstaunte Brownlee fand stattdessen ein Samsung Tab 4 , das die Südkoreaner im Jahr 2014 vorgestellt haben. Damals war das sicherlich ein cooles Android-Tablet, doch im Jahr 2021 ist es immerhin sieben Jahre alt. Und sieben Jahre sind in der IT-Welt mehr als eine Ewigkeit.

In dem Video sehen Sie diese merkwürdige Entdeckung ab Minute 7.34:

Das Samsung Tab 4 (das der Youtuber in dem Video auch als Samsung Tab S4 bezeichnet; das S4 wäre zwar nicht ganz so alt wie das Tab 4, aber ebenfalls deutlich veraltet und einer 100.000-Euro-Luxuslimousine nicht angemessen) ist hinter der Rückenlehne des mittleren Sitzplatzes der Rücksitzbank untergebracht. Wer also auf diesem „Notsitz“ Platz nehmen muss, kann zuvor die Lehne nach vorne klappen, das Tablet entnehmen, dann die Lehne wieder zurückklappen und kann sich dann mit dem Tablet bewaffnet die Zeit auf dem mittleren Sitz vertreiben. Denn für die beiden Plätze auf der Rücksitzbank links und rechts sind Tablets an der Rückenlehne der Vordersitze verbaut.

Die Kommentare unter dem Video fallen dementsprechend spöttisch aus. Ein Fan schreibt sinngemäß: „Irgendjemand in der Mercedes-Fabrik wird jetzt dafür gefeuert, dass er nicht an das Alter dieses Gerätes gedacht hat“.

Mercedes-Benz braucht den EQS, der im Sommer 2021 an den Start gehen soll, dringend. Denn die Schwaben konnten sich bisher nicht als erfolgreicher E-Auto-Produzent positionieren. Das elektrische SUV EQC ist auf den Straßen faktisch nicht präsent und von diesem 2,4 Tonnen schweren SUV abgesehen hat Daimler derzeit für E-Auto-Fans nichts im Angebot, was auch nur annährend Tesla oder dem Porsche Taycan und künftig dem Audi GT E-tron Paroli bieten könnte. Mercedes-Benz verkauft auch keine preiswerteren E-Autos, wie es BMW seit vielen Jahren mit dem i3 oder VW seit einiger Zeit mit dem ID.3 macht.

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