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Mercedes-Benz: Vor 60 Jahren erster Crash-Test

26.09.2019 | 14:05 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Am 10. September 1959 prallte ein Versuchswagen von Mercedes-Benz erstmals frontal gegen ein festes Hindernis.

Vor knapp über 60 Jahren führte Mercedes-Benz seinen ersten Crash-Test durch: Am 10. September 1959 prallte ein Versuchswagen frontal gegen ein festes Hindernis. Die neuen Crash-Versuche bewiesen, dass die von Daimler-Benz Ingenieur Béla Barényi erdachte Sicherheitskarosserie mit "gestaltfester" Fahrgastzelle und Knautschzonen an Front und Heck in der Praxis funktionierte: Sie baut einen erheblichen Teil der bei einem Unfall freiwerdenden Bewegungsenergie ab. Während die Passagierzelle möglichst gar nicht oder zumindest wenig nachgeben soll, nehmen die Knautschzonen bei einem Unfall durch definierte Verformung Bewegungsenergie auf und mindern so die Wucht des Aufpralls auf die Passagiere. Das kann Insassen, im Zusammenspiel mit den Sicherheitsgurten und Airbags, vor schweren Verletzungen schützen.

Bis heute hat Mercedes-Benz laut eigenen Angaben insgesamt über 14.000 Autos geprüft. Neben Pkw werden bei Mercedes-Benz auch Transporter und schwere Nutzfahrzeuge Crash-Tests unterzogen. Aktuell sind es im Technologiezentrum Fahrzeugsicherheit (TFS) in Sindelfingen etwa 900 Crash-Tests pro Jahr plus rund 1700 sogenannte Schlittenversuche. Dabei ist auf dem Prüfschlitten ein Versuchsträger (Rohkarosse oder Prüfgestell) befestigt, der so den Belastungen eines realen Fahrzeugcrashs ausgesetzt wird. Zirka 40 Unfallkonstellationen werden bei den Tests berücksichtigt.

Der große Vorteil eines Crash-Tests im Gegensatz zur Auswertung echter Unfallautos liegt in der Möglichkeit, während der Kollision Messwerte zu erfassen. Für diesen Zweck werden die Fahrzeuge mit Sensoren und Hochgeschwindigkeitskameras ausgestattet. Verschiedene mit Messinstrumenten bestückte Dummy-Typen stehen zur Verfügung, um reproduzierbare Daten über die Belastungen zu liefern, denen der menschliche Körper bei einem echten Autounfall ausgesetzt wäre.

In der Regel schneiden derart hausintern auf ihre Crash-Sicherheit getestete Mercedes-Benz-Fahrzeuge auch bei den neutralen Crash-Tests wie Euro NCAP sehr gut ab. Beim Citan seinerzeit blamierte sich Daimler allerdings:

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Blick in die Zukunft: Mercedes-Benz arbeitet zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, dem Ernst-Mach-Institut (EMI), am dynamischen Röntgencrash. Mit Hilfe dieses bildgebenden Verfahrens sollen die Crash-Experten zukünftig während eines Crash-Versuchs den Verformungsprozess von Bauteilen auch im Inneren sehen und analysieren können. So kann die Ursache für ein bestimmtes Verhalten eines Bauteils schneller ermittelt werden.

An einem neuartigen Schlittenversuch wird ebenfalls getüftelt: Zusammen mit dem TÜV Süd in Prag (Tschechien) wird an der Applikation eines aktiven Seitencrash-Schlittens gearbeitet. Dieses System soll in einer frühen Entwicklungsphase ohne Gesamtfahrzeug den Seitenaufprall simulieren. Dabei könnten zum Beispiel neben der Tür selbst auch die technische Ausstattung, die Geometrie der Verkleidungsteile und das Material in einer frühen Phase verbessert werden.

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