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Mars-Hubschrauber Ingenuity kämpft ums Überleben

10.05.2022 | 14:13 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Der spektakuläre Mars-Hubschrauber Ingenuity sieht möglicherweise seinem Ende entgegen. Ihm drohen Strommangel und Kältetod.

Der Mars-Hubschrauber Ingenuity sieht möglicherweise seinem Ende entgegen. Wie die NASA mitteilt , hatte Ingenuity am 3. Mai den Kontakt zum Marsrover Perseverance verloren. Das war die erste Verbindungsunterbrechung, seit der Mini-Hubschrauber seinen Betrieb auf dem Mars am 19. April 2021 aufgenommen hat.

Am 5. Mai 2022 konnte die Verbindung zwischen Perseverance und Ingenuity wiederhergestellt werden. Ingenuity benötigt Perseverance als Relaisstation für die Kommunikation mit der Erde. Über den Marsrover erhält der Mini-Hubschrauber seine Befehle von der Erde und sendet wiederum seine Daten zur Erde.

Eine Auswertung der Daten ergab, dass die sechs Lithium-Ionen-Akkus von Ingenuity zu stark entleert waren. Die Akkus werden über Solarzellen aufgeladen, doch aufgrund der Jahreszeit – es beginnt auf dem Mars bald der Winter - und des damit verbundenen immer stärkeren Staubaufkommens können die Solarzellen immer weniger Strom erzeugen. Gleichzeitig wird es immer kälter auf dem Mars, so dass der Hubschrauber für sein Überleben immer stärker aufgeheizt werden muss. Auch das zehrt an den Akkus. Fällt der Ladestand der Akkus unter eine bestimmte Grenze, dann schaltet sich das FPGA (Field-Programmable Gate Array) ab. FPGA steuert aber unter anderem die Kommunikation des Hubschraubers mit dem Marsrover. Die interne Uhr des Hubschraubers stellte sich zurück und synchronisierte sich nicht mehr mit der internen Uhr des Marsrovers. Durch die unterschiedlich laufenden Uhren von Rover und Hubschrauber konnten sich diese nicht mehr auf einen gemeinsamen Zeitpunkt für die Kommunikation einigen.

Die NASA-Bodenstation löste dieses Problem, indem sie den Marsrover ununterbrochen durchgehend auf die Kontaktaufnahme durch Ingenuity warten ließ. Als dann endlich der Hubschrauber wieder eine Kontaktaufnahme mit Perseverance startete, war Perseverance bereit und die Verbindung konnte wiederhergestellt werden.

Die Solarzellen luden und laden die Akkus des Hubschraubers auch wieder auf. Doch der kommende Winter mit abnehmender Sonneneinstrahlung und niedrigeren Temperaturen stellt Ingenuity vor besondere Herausforderungen. Es könnte also durchaus sein, dass Ingenuity wegen der zunehmenden Sandstürme und der immer leereren Akkus bald den Betrieb einstellen muss – für immer. Zwar haben die NASA-Wissenschaftler einen Notfallplan zum Stromsparen entwickelt, doch ob dieser ausreicht, muss sich zeigen. Denn das Stromsparen geht auf Kosten der Heizung – der Hubschrauber muss also nun eine größere Kälte aushalten.

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