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Mann rasiert sich im Zug und wird im Web bloßgestellt

18.09.2018 | 15:07 Uhr |

Ein Mann rasiert sich im Zug, ein Mitreisender filmt dies und veröffentlicht das Video auf Twitter und Facebook. Die ganze Geschichte...

Ein Mann, der sich in einem Zug rasierte, ist vor Millionen Internet-Nutzern bloßgestellt worden. Er war dabei von einem Mitreisenden gefilmt worden, der das Video am vergangenen Freitag über Twitter und Facebook mit den Worten "Welcome to NJ TRANSIT!!!" veröffentlicht hatte. Und nicht nur das: Dem mittlerweile gelöschten Tweet ist zu entnehmen, dass der Ersteller des Videos auch noch versucht hat, mit dem Clip Geld zu verdienen, indem er Medien dazu aufforderte, Lizenzgebühren bei Verwendung zu zahlen.

Über 2,4 Millionen Mal war das Video angesehen worden, ehe es der Ersteller dann schließlich löschte. Der Grund dafür ist ein Bericht der Nachrichtenagentur AP, die mit dem Mann gesprochen hat , der im Video zu sehen ist. Und dabei entdeckt hat: Es handelt sich um den 56-jährigen New Yorker Anthony Torres, der sich nicht aus Spaß oder Langeweile im Zug rasierte, sondern weil er ein Obdachloser ist.

"Mein Leben ist im Arsch. Das ist der Grund, warum ich mich im Zug rasiert habe", erklärte er im Gespräch. Die Leute, die nach dem Ansehen des Videos über ihn gelästert haben, wüssten nicht, welchen Kampf er im Leben durchgemacht habe. Der Jobverlust und Herzinfarkte sorgten dafür, dass er schließlich ohne Geld auf der Straße landete.

Tatsächlich hatten viele Internet-Nutzer Torres nach dem Ansehen des Videos unter anderem als "Tier" bezeichnet und über ihn hergezogen. Die Wahrheit sei, so Torres, dass er in diesem Augenblick in einem sehr verwundbaren Moment gefilmt worden sei. Als Obdachloser habe er von einem Bruder das Geld für ein Zugticket erhalten, mit dem er zu einem anderen Bruder fahren wollte, um ihn um Hilfe zu bitten. Er habe aber die Obdachlosen-Unterkunft verlassen, ohne sich duschen oder waschen zu können. Er wollte sich halt herrichten und "vorzeigbar" machen, bevor er auf seinen Bruder traf.

Er will nicht, so erklärte Torres weiter, dass jeder merkt, dass er obdachlos ist. Dies sei der Grund gewesen, warum er sich im Zug rasiert habe. Er habe nicht gemerkt, dass er dabei gefilmt wurde. Später habe er es herausgefunden und dabei auch festgestellt, dass sich die Leute über ihn lustig machen.

Gemeinsam mit seinem Bruder habe er schließlich beschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit die Leute die ganze Wahrheit erfahren. Ein gutes Ende hat die Geschichte für Torres dennoch: Sein Bruder nahm ihn auf und will ihm helfen. Ebenso wurde von einem Dritten auf Gofundme eine Spendenkampagne gestartet, bei der schon über 4.400 US-Dollar für Torres gesammelt wurden. Das Geld soll ihm dabei helfen, wieder ins Leben zurück zu finden. Sollte Torres das Geld nicht wollen, soll es für einen anderen guten Zweck gespendet werden.

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