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Magnetschwebebahn für Flughafen München: Transrapid vor Comeback?

18.02.2020 | 10:32 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Steht der Transrapid (in Kleinausgabe) vor einem Comeback? Der Einsatz einer Magnetschwebebahn wird am Flughafen München geprüft.

Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat im Jahr 2002 den Transrapid in München unsterblich gemacht – allerdings nur als ungewollte Lachnummer ( hier können Sie sich die legendäre Rede noch einmal anhören ). Danach wurde das Projekt beerdigt. Doch jetzt könnte der Transrapid in einer preiswerteren und verkleinerten Version vor einem Comeback stehen. Zwar nicht am Münchner Hauptbahnhof, aber durchaus am Münchner Flughafen.

Wie unter anderem die Münchner Abendzeitung meldet, prüft jetzt eine auf ein Jahr angelegte Machbarkeitsstudie den Einsatz einer Magnetschwebebahn zwischen den beiden Terminals am Franz-Josef-Strauß-Flughafen München. Die dabei zurückgelegte Distanz wäre also viel kürzer als die seinerzeit von Stoiber beschriebene ambitionierte Streckenführung, die dem Hauptbahnhof München mit dem Flughafen München verbinden sollte. Die Magnetschwebebahn soll in einem Oval zwischen den beiden Terminals verkehren und dabei einen 90-Sekunden-Takt ermöglichen – das soll deutlich schneller sein, als es derzeit die vorhandenen Busse und die S-Bahn schaffen, wie die SZ in ihrer Online-Ausgabe erklärt.

Die jetzt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie prüft konkret den Einsatz der Magnetschwebebahn Transportsystem Bögl TSB. Diese wurde von der Baufirma Max Bögl entwickelt, einem Unternehmen aus der Oberpfalz (einem Regierungsbezirk im Freistaat Bayern). Die Höchstgeschwindigkeit des TSB beträgt 150 km/h. Das ist deutlich weniger, als seinerzeit für den Transrapid angegeben wurde; damals war von bis zu 500 km/h die Rede. Der TSB ist zudem von Anfang an für kurze Strecke entwickelt worden und kann Steigungen bis zu zehn Prozent nehmen. Also ideal für die Verbindung zwischen den beiden Flughafenterminals.

Die Firma Bögl hat an ihrem Firmensitz eine 850 Meter lange Teststrecke. Darauf soll der TSB bereits 83.000 Testkilometer zurückgelegt haben. Im chinesischen Chengdu soll im März 2020 eine 3,5 Kilometer lange TSB-Strecke den Betrieb aufnehmen. Wieder einmal wäre also China schneller. Max Bögl war 2002 auch bei den Planungen für den Transrapid involviert.

Der gesamte Antrieb ist beim TSB in den Fahrzeugen verbaut (beim Transrapid befand sich der Antrieb in der größer dimensionierten Betontrasse). Der betonierte Fahrweg, auf dem der TSB schwebt, kann ebenerdig, aber auch auf Ständern verlegt werden. Ein Kilometer Fahrbahn soll zwischen 30 und 50 Millionen Euro kosten. In einen Waggon passen maximal 127 Fahrgäste, bis zu sechs Waggons können in einem Zug zusammengefasst werden, der zwei Zentimeter über der Fahrbahn schwebt. Der TSB soll nicht mehr Energie als ein konventioneller Zug verbrauchen und leiser sein, wie die SZ schreibt.

Allerdings würde diese Flughafen-interne Magnetschwebebahn nichts an dem drängenden Problem des Münchner Flughafens ändern: dessen schlechte Anbindung an die Stadt München.

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