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Luca-App: Immer mehr Bundesländer steigen aus

27.01.2022 | 08:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Luca-App verliert immer mehr Nutzer: Auch Baden-Württemberg und Hessen steigen aus. Plus: So viel kostet die Luca-App den Steuerzahler.

Update 27.1.2022: Weitere Bundesländer kündigen Vertrag für Luca-App

Nach Bayern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erklärten nun auch Baden-Württemberg und Hessen ihren Ausstieg aus der Luca-App (Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen haben die Luca-App ohnehin nie genutzt). Baden-Württemberg teilte mit, dass es den Kooperationsvertrag mit dem Anbieter culture4life zur Nutzung der Luca-App nicht mehr verlängern werde. Bis Ende März 2022 könne die App noch genutzt werden.

Wie zuvor schon das bayerische Gesundheitsministerium betont auch das Gesundheitsministerium von Baden-Württemberg, dass 2021 die Entscheidung für die Einführung der umstrittenen Luca-App richtig gewesen sei. Die Pandemielage habe sich mittlerweile aber geändert, die Zahl der Infektionen sei so stark gestiegen, dass die Gesundheitsämter nicht mehr alle Kontakte von Infizierten nachvollziehen könnten. Die Gesundheitsämter würden die Luca-Daten „praktisch nicht oder nur in seltenen Ausnahmefällen“ nutzen. Zudem seien mittlerweile viel mehr Menschen geimpft. Die Corona-Warn-App stehe im Fokus der Nutzung. „Wir mussten eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen und haben unsere Entscheidung genau abgewogen. Letztlich sind wir zu dem Schluss gekommen, die luca-App nicht weiterzunutzen“, so das Fazit von Gesundheitsminister Manne Lucha-

Ende März 2022 ist auch in Hessen mit der Nutzung der Luca-App Schluss. Das teilt das Bundesland mit. Die Begründung von Hessens Gesundheitsminister Kai Klose entspricht im Wesentlichen der seines Kollegen aus Baden-Württemberg.

Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und das Saarland prüfen noch, ob sie die Luca-App weiter nutzen wollen.

Update Ende

Bayern: Ende für Luca-App am 5.4.2022

Das Bayerische Gesundheits- und Digitalministerium teilt mit, dass der Freistaat Bayern „im Kampf gegen die Corona-Pandemie künftig auf eine anonymisierte Kontaktverfolgung und die Weiterentwicklung der Corona-Warn-App (CWA) des Bundes“ setze. Der Grund dafür sei die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante, die eine individualisierte Nachverfolgung von Kontaktpersonen durch die Gesundheitsämter deutlich erschweren würde. Eine Kontaktdatenerfassung durch die Luca-App sei daher nicht mehr angezeigt, so das Gesundheitsministerium. Der Freistaat Bayern werde deshalb keine erneute Ausschreibung für eine App zur Kontaktdatenerfassung durchführen und den bestehenden Vertrag mit der Culture4Life GmbH zum 05. April 2022 auslaufen lassen.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek betonte: „Auf der Grundlage einer genauen Nutzenbewertung haben wir uns entschlossen, nach Auslaufen des Nutzungsvertrags der Luca-App diesen nicht zu verlängern.“ Holetschek fügte hinzu: „Die Corona-Warn-App stärkt die in der aktuellen Omikronwelle mit hohen Infektionsraten besonders wichtige Eigenverantwortung jedes Einzelnen, denn sie versetzt die Nutzer in die Lage, sich unverzüglich selbst wirksam zu schützen und andere zu warnen. Ich habe bereits Bundesgesundheitsminister Lauterbach kontaktiert und gebeten, die App für diese neue Rolle fit zu machen und mehr Details zum infektionsrelevanten Kontakt zur besseren individuellen Einordnung zur Verfügung zu stellen.“ Der Bund habe laut Holetschek die Weiterentwicklung der CWA grundsätzlich zugesagt.

Luca-App sei anfangs nützlich gewesen

Die Luca-App kostet die öffentliche Hand, also auch den Freistaat Bayern, einiges an Geld. Deshalb hält es der bayerische Gesundheitsminister für wichtig zu betonen, dass die Anschaffung der App kein Fehler war. Denn Holetschek ergänzt: „Während der moderaten Infektionszahlen im vergangenen Jahr konnte die Luca-App die Kontaktnachverfolgung deutlich vereinfachen und damit die Gesundheitsämter entlasten.

Zum Jahresende veränderten sich aber die Rahmenbedingungen: Unter anderem wurde die Pflicht zur namentlichen Kontaktdatenerfassung in Bayern deutlich zurückgefahren. Bars, Kneipen und Clubs wurden geschlossen, die Kontaktnachverfolgung entsprechend den Vorgaben des RKI auf Haushalte infizierter Personen sowie Einrichtungen zur Betreuung vulnerabler Personengruppen fokussiert, bei denen die personalisierte Kontaktdatenerfassung kaum eine Relevanz hat.

Damit reduzierte sich der Einsatzbereich der Luca-App deutlich. Vergleichbare Entwicklungen sind auch in den anderen Ländern zu beobachten. Parallel dazu wurde die CWA des Bundes stetig weiterentwickelt und deckte immer mehr die Funktionalitäten der Luca-App mit ab.“

Auch Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach stößt in das gleiche Horn, um die Lizenzkosten für die Luca-App zu verteidigen: „Smartphone statt Zettelwirtschaft – die Erhebung der Kontaktdaten per App war im letzten Jahr ein wesentlicher und zu dem Zeitpunkt sehr sinnvoller Baustein im Kampf gegen die Pandemie. Wir haben dabei das Gesundheitsministerium gern unterstützt. Mit der aktuellen Veränderung im pandemischen Geschehen werden nun andere Wege in der Corona-Abwehr nötig.“

So viel zahlt Bayern für die Luca-App

Bayern hatte zum 6. April 2021 eine Lizenz über 12 Monate für die landesweite Nutzung der Luca-App erworben. Laut dem Bayerischen Rundfunk zahlt Bayern 450.000 Euro pro Monat für die App.

Sachsen-Anhalt: Ende für Luca-App am 31. März 2022

Sachsen-Anhalt lässt laut einer Mitteilung der Staatskanzlei den Kooperationsvertrag mit der culture4life GmbH zur Nutzung der Luca-App am 31. März 2022 auslaufen. Für die Nutzung der Luca-App in Sachsen-Anhalt seien Kosten von knapp einer Million Euro entstanden. Hintergrund der Kündigung sei, dass das System von den Gesundheitsämtern kaum genutzt werden würde und damit einen eher geringen Mehrwert zur Kontaktnachverfolgung gebracht habe. Sollten einzelne Landkreise und kreisfreien Städte weiterhin an der Nutzung der Luca-App interessiert sein, können diese eigene Verträge mit dem Anbieter schließen.

Luca-App steht schon länger in der Kritik

Was allerdings weder Bayern noch Sachsen-Anhalt sagen: An der Luca-App gibt es schon länger Kritik. Wegen Sicherheitslücken und mangelndem Datenschutz, Zweifeln an der Wirksamkeit der App und deren hohen Kosten für den Steuerzahler ( bereits im August 2021 waren über 21 Millionen Euro an die Macher der Luca-App aus den öffentlichen Kassen geflossen ). Gesundheitsämter erklärten , dass ihnen die App kaum etwas nützen würde. Obendrein nutzte die Polizei unrechtmäßig Daten der Luca-App für die Zeugensuche. Besonders der renommierte Chaos Computer Club kritisierte die Luca-App: Sie sei „dysfunktional“ und würde gegenüber der Corona-Warn-App keinen Mehrwert bieten.


Auch Schleswig-Holstein, Bremen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verzichten künftig auf die Luca-App. Andere Bundesländer denken noch über das weitere Vorgehen nach, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet . Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen hatten ohnehin keinen einen Vertrag zur Nutzung der Luca-App geschlossen.

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