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Linux, Microsoft und der deutsche Markt

04.11.2004 | 16:21 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

PC-WELT: Wie wichtig sind Linux und MacOS für Opera?

Tetzchner: Linux ist besonders wichtig. Aus einem Grund: Nur hier haben wir die Chance, die Nummer Eins unter den Browsern zu werden. Jeder Windows-Anwender bekommt den IE mitgeliefert, bei MacOS ist der Safari als Default-Browser installiert. Nur bei den Linux-Distributionen gibt es keinen zwangsläufigen Standard-Browser. Natürlich ist bei den meisten Distributionen Mozilla als erste Wahl mit an Bord, aber Opera wird zumindest mitgeliefert und steht dem Anwender nach der Installation des Linux-Systems sofort zur Verfügung. Ein großer Vorteil gegenüber Windows. Und bei der Xandros-Distribution ist Opera sogar der Default-Browser.

Allerdings hat Mozilla im Linux-Bereich einen großen Vorteil: Er ist Open Source, Opera dagegen ist ein kommerzielles Produkt. Viele Linux-Anwender haben da ein ideologisches Problem und lehnen ein nicht Open Source-Produkt grundsätzlich ab. Leider. Dabei haben Opera und Linux doch ein gemeinsames Ziel: Wir sind beide gegen Microsoft.

PC-WELT: A propos Microsoft, wie ist das Verhältnis zwischen dem Redmonder Riesen und der norwegischen Browserschmiede?

Tetzchner: Schlecht. Microsoft benachteiligt uns, indem bestimmte Websites von MS, zum Beispiel MSNBC in Opera schlechter dargestellt werden. Oft stehen bestimmte Features auf der von Microsoft programmierten Website in Opera nicht zur Verfügung. In einigen wenigen Fällen kommt es sogar vor, dass Seiten gar nicht dargestellt werden.

PC-WELT: Wie sieht die aktuelle Marktlage für Opera Software aus?

Tetzchner: In Europa haben wir im Schnitt einen Marktanteil von 2-3 Prozent, in Deutschland etwas mehr. Täglich wird Opera um die 50.000 Mal heruntergeladen. Besonders beliebt ist Opera in Nordeuropa, in Deutschland und in einigen osteuropäischen Staaten sowie in Russland. Im mediterranen Raum sind wir dagegen schwächer. Ähnlich sieht es in den USA aus, auch dort haben wir relativ wenig Nutzer, wohingegen wir in Japan wieder sehr beliebt sind.

PC-WELT: Wieso kommt Opera in den Vereinigten Staaten nicht in die Gänge?

Tetzchner: Der PC-Zeitschriftenmarkt ist dort nicht umfangreich wie in Europa, es gibt viel weniger Magazine und diese werden zudem in der Regel ohne Heft-CDs ausgeliefert. Das hemmt unsere Ausbreitung enorm. Zudem ist die Wechselbereitschaft amerikanischer PC-Benutzer deutlich geringer.

PC-WELT: 2-3 Prozent ist also der aktuelle Marktanteil. Wo möchte Opera dann Ende 2005 stehen?

Tetzchner: Auf ein konkretes Jahr will ich mich nicht festlegen, aber ein Marktanteil von zehn Prozent ist unser Ziel.

PC-WELT: Sie sagen, dass Deutschland für Europa wichtig ist. Wieso hat Ihr Unternehmen dann keine Niederlassung zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen?

Tetzchner: Weil wir das gesamte Europageschäft von Norwegen aus führen. In den USA haben wir eine Niederlassung und in Japan planen wir eine, aber der wichtige deutsche Markt wird direkt von Oslo aus gemanagt.

PC-WELT: Opera Software ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Woraus beziehen Sie Ihre Einnahmen?

Tetzchner: Aus dem Browser-Geschäft. Rund 100.000 Anwender haben Opera kostenpflichtig freigeschaltet. Bei den übrigen Opera-Browsern – die Masse läuft natürlich werbefinanziert – verdienen wir eben an der eingespielten Werbung. Bei der personalisierten Werbung arbeiten wir bekanntlich mit Google zusammen.

Alle anderen Firmenbereiche wie Opera-Community und Opera-Mail sind zweitrangig. Im Browser sehen wir auch die Zukunft unseres Unternehmens – als eine Zugangsmöglichkeit zum Web auf den unterschiedlichsten Plattformen. Ob Desktop-PC, Mobiltelefon oder TV – über Settop-Boxen – Opera ist überall präsent. Etliche Handys von Nokia und Sony-Ericsson werden bereits mit dem Opera-Browser ausgeliefert.

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