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Kritik und Ängste: Datenschützer wehren sich

11.03.2005 | 11:45 Uhr |

Knapp 40 Verbraucherschutzorganisationen kämpfen vehement gegen die Einführung von RFID - insbesondere im Handel. Sie meinen, dass Händler ihre Kunden mit RFID während des Einkaufs ausspionieren können. Außerdem ließen sich RFID-Chips, so die Befürchtung, auch nach dem Verlassen des Ladens auslesen. Tatsächlich gibt der passive Chip seine Infos zwar nur preis, wenn ein Lesegerät in Reichweite ist, dann aber umso bereitwilliger - und zwar ein Chipleben lang. Laut Chiphersteller Infineon liegt die Lebenserwartung eines passiven RFID-Chips bei etwa zehn Jahren.

Gesetzt den Fall, in Ihr Unterhemd ist ein RFID-Chip eingearbeitet. Dann könnte im Prinzip zehn Jahre lang jeder X-Beliebige, der Ihnen an der nächsten Straßenecke mit einem entsprechenden Lesegerät auf die Pelle rückt, auskundschaften, welche Größe Sie tragen und wie alt Ihre Unterwäsche ist - vorausgesetzt, er hat Zugriff auf die Datenbank, in der Details zu der RFID-Kennung Ihres Unterhemds gespeichert sind.

Noch mehr stört die Aktivisten aber, dass die Kennung jedes Chips weltweit eindeutig ist. Wenn Sie Ihr Unterhemd per Kredit- oder Kundenkarte bezahlt haben, ließe es sich also theoretisch Ihnen zuordnen und darüber Ihr weiterer Weg verfolgen. Dies brachte den Tags den Spitznamen "Spionage-Chips" ein.

Wie sehr sich RFID zum Beschatten und Bespitzeln eignet, darüber entscheidet vor allem die Reichweite. Die von der Metro Group eingesetzten Tags lassen sich bis auf etwa einen Meter Entfernung auslesen. Gerüchten zufolge ist hierzulande aber auch schon der Einsatz von Chips mit einer Reichweite von über zehn Metern geplant - in den USA lassen sich RFID-Tags schon jetzt auf bis zu sechs Meter auslesen. Die Bundesregierung weist in diesem Dokument außerdem darauf hin, dass sich die Kommunikation zwischen RFID-Chip und -Lesegerät theoretisch sogar im Abstand von bis zu 100 Metern abhören lässt. Handlungsbedarf sieht die Regierung derzeit trotzdem nicht. Begründung: "Erkenntnisse, dass diese theoretisch denkbaren Übertragungsreichweiten praktisch zum Einsatz kommen, liegen der Bundesregierung nicht vor ". Auch der Missbrauch ist hier kein Thema - wohl aber bei den Verbraucherschützern. Die Organisation Foebud entwirft auf ihrer Website beispielsweise eine ganze Reihe erschreckender Szenarien.

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