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Konzerte und Sport-Events: Immer mehr illegale Käufe durch Bots

05.03.2019 | 15:17 Uhr | Stephan Wiesend

Nicht nur in den USA werden bei Sportereignissen und Konzerten die Tickes immer öfter von Bots weggekauft.

Möchte man eine Eintrittskarte kaufen, etwa für das Spiel zwischen Bayern und Wolfsburg am Freitag, sind Karten schnell nur noch über den „Zweitmarkt“ zu haben. Über die regulären Verkaufsplattformen sind begehrte Tickets von Sportereignissen und Konzerte in Sekunden ausverkauft, zu einträglich sind für viele „Zwischenhändler“ der Weiterverkauf. Auch das Konzert von Ed Sheeran ist sofort ausverkauft, mit Aufpreis gibt es die Tickets aber dann bei Fansale oder Ebay. Ein bekanntes Problem, das echte Fans verärgert und das auch individualisiert Tickets und Kontrollen bei den Veranstaltungen nicht befriedigend lösen können – werden dadurch ja weniger die Händler als die Käufer schikaniert.

TV-Tipp:

Einen Überblick über die deutsche Situation liefert am 5.1 ein Bericht des Magazins frontal 21 , das sich vor allem den Kartenverkauf über die Seite Viagogo näher angesehen hat. Nach der Ausstrahlung ist der Beitrag über die Mediathek abrufbar.

Illegal sind die Verkäufe ja eigentlich nicht, man befindet sich in einer Grauzone. Bei einer Google-Suche wird man in Deutschland ja oft schon zuerst zu einem Weiterverkäufer wie Viagogo oder Stubhub geleitet, dann erst zu einem Veranstalter wie Eventim. Viele Tickets landen auch einfach bei Ebay. Bei der Nutzung eines solchen personalisierten Tickets kann es allerdings Probleme geben.

Dass die Tickets nach wenigen Sekunden weg sind, liegt aber nicht nur an Fans, die schneller waren. Vor allem in den USA kaufen die Tickets als Erstkäufer immer öfter so genannte Bots. Ähnlich den Bietagenten für Ebay kaufen sie in Sekunden die gewünschten Tickets, menschliche Käufer haben da das Nachsehen. Zu gut ist die Gewinnmöglichkeit für die so genannten Scalper, wie man die Ticketverkäufer in den USA nennt.

Das sind nicht keineswegs nur Vermutungen zu langsamer Fans: In den USA hat die die auf die Abwehr von Bots spezialisierte Sicherheitsfirma Distil Networks jetzt die Daten von 180 Webseiten analysiert und die in 105 Tagen anfallenden Anfragen ausgewertet–- insgesamt 26,3 Milliarden Zugriffe wurden untersucht, die Namen der Anbieter blieben ungenannt. Erstaunlich: Nur 56,9 Prozent der Zugriffe erfolgten von Menschen, 44,1 Prozent von Bots. Es gibt unter den künstlichen Surfern zwar auch einige „Good Bots“, die für Googles Suchmaschine nach Daten suchen, ganze 39,9 Prozent waren laut Forschern aber eindeutig „Bad Bots“ die nach günstigen Tickets suchen. Grund für die zahlreichen Zugriffe ist, dass diese Bots im Gegensatz zu einem menschlichen Kunden permanent auf die Anbieterseiten zugreifen können um günstige Angebote zu erwischen. Den Scalpern gehe es dabei nicht nur um das Abrufen von Ticketpreisen, auch die Reservierung begehrter Sitze ist das Ziel.

Laut der Untersuchung sind es nicht nur Wiederverkäufer, die zu Bots greifen. Sogar  Unternehmen, die für ihre Angestellten nach Karten suchen, sollen oft Bots einsetzen, ebenso Agenturen, die begehrte Tickets für besondere Anlässe bieten wollen. Es geht aber nicht nur um Tickets. Einige der Bots versuchen Kunden-Accounts zu übernehmen, oft um Tickets oder Kreditkartendaten zu stehlen, bei Fußballfans außerdem wertvolle Punkte.

Als Herkunftsland dieser Bots ließ sich übrigens fast immer die USA (67,01%) oder Kanada (18,26%) bestimmen, nur 1,9 Prozent der Bots kamen etwa aus Deutschland. Zur Überraschung der Tester war China nur noch für 0,04 Prozent der Zugriffe verantwortlich, 2017 waren es noch 10,5 Prozent. Die Betrüger benutzen dazu überwiegend ein Tool namens WebDriver, das für 43,5 Prozent der Zugriffe verantwortlich war. Beliebt sind aber auch Frameworks wie Casperjs und Kimono Scraper, nicht selten erfolgen die Zugriff außerdem von Mobilgeräten.

Die einzelnen Anbieter sind aber unterschiedlich stark betroffen, so gab es bei einigen Anbietern relativ wenige Bots, bei einem einzelnen Wiederverkäufer dagegen fast nur Bots.

Im Vergleich zu einer früheren Studie ist der technische Aufwand dabei gestiegen, es gibt weit mehr technisch aufwendig programmierte Bots als im letzten Jahr. Nach Einschätzung der Autoren ist dies eine Folge eines Wettrüstens zwischen Anbietern und Scalpern. Die Technologien zur Entdeckung der Bots werden immer besser, das sorgt aber auch für immer aufwendigere Bots. Anbietern rät das Sicherheitsunternehmen zu Maßnahmen wie Captchas und Blocken bestimmte Provider, ebenso zur Analyse des Webtraffices und Nutzung von Experten – wie etwa Distil Networks, dem Urheber der Studie.

Unserer Meinung:

Der Online-Kauf eines Tickets ist mittlerweile alles andere als komfortabel. Gegen schnelle Bots hat man wenig Chancen, die Personalisierung von Tickets ist eine lästige Einschränkung und wird bei einer Erkältung zum Problem. Dabei ist die Bekämpfung von Bots vermutlich kein Allheilmittel: Bei Ticketpreisen ab hundert Euro lohnt sich für Wiederverkäufer ja sogar der simple Kauf einzelner Tickets und legale Weiterverkauf über Plattformen wie Fansale. Hier sind auch die Veranstalter in der Pflicht, nach besseren Lösungen zu suchen. Nicht zuletzt behaupten ja einige Händler, beim Verkauf der Tickets würden auch Vereine und Veranstalter sich nicht immer ganz korrekt verhalten und den "Graumarkt" selbst beliefern.

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