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Kommentar: Mac Pro – die wahre Höllenmaschine

11.12.2019 | 10:31 Uhr |

Unser Kommentator aus der Hölle sinniert über das Wesen der Höllenmaschine und wozu man sie genau einsetzt.

Wenn Macphisto das Wort „Höllenmaschine“ aufschnappt, wird der Geist, der stets verneint, hellhörig. Nein, nein und nochmals nein: Eine Höllenmaschine ist nichts, über das man sich freuen sollte. Weil man eine im PC-Welt-Preisausschreiben gewonnen hat. Oder sich selbst eine aus den getesteten und für gut befundenen Komponenten zusammenbaut. Oder sich den Mac Pro in Vollausstattung leisten kann, weil man gerade mal 62.000 Euro übrig hat und nochmal 39.000 für sechs Pro-Displays samt Ständer.

Eine Höllenmaschine im eigentlichen Sinn ist ein Mordwerkzeug. Dort, wo sie sich allwissend geben, bei Wikipedia also, weisen sie auf die ursprüngliche Bedeutung hin. Schon die Engländer hätten 1693 ein mit Sprengladungen vollgepacktes Schiff im Pfälzischen Erbfolgekrieg als eine "infernal machine" eingesetzt, im 18. und 19. Jahrhundert kamen bei diversen kriegerischen und terroristischen Einsätzen in Frankreich und Russland diverse Höllenmaschinen zum Einsatz – Zar Alexander II. starb 1818 gar an einer portablen Version einer Höllenmaschine.

Der Pudel ist entkernt , die Bedeutung hat sich verschoben, heute heißen allerlei faszinierende und leistungsstarke Maschinen eben Höllenmaschine. So wie sich manche Leute im tiefsten Winter nur mit einem dünnen Anzug bekleidet auf zwei dünnen Brettern auf einen Höllenritt über eine Eisbahn in den Tiroler Bergen wagen. Ob das aber wirklich ein Höllenritt ist, kann Macphisto – der es ja eigentlich wissen müsste – nicht beurteilen, im Winter ist es ihm in den Bergen zu kalt.

Wollen wir aber mal akzeptieren, dass die leistungsstärksten Gaming-PCs und Workstations als Höllenmaschinen gelten, mit der starken Rechenleistung von 28 Kernen können sich Wissenschaftler ja auch daran versuchen, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und sehen dann, dass sie nichts wissen können! Was einen wie Macphisto natürlich freut – denn es irrt der Mensch, solang er strebt, mit oder ohne Maschine.

Aber mal abgesehen vom schiefen Bild: Der Mac Pro verspricht schon, eine höllisch gute Maschine zu sein – kein Widerspruch. Nur: Wer soll das bezahlen?

Gamer, die für ihre Zwecke zwar auch nach den besten Maschinen mit der besten und schnellsten Grafik suchen, werden ob des Preises erst mal schlucken – auch wenn in der Champions League des eSports bald ebenso pervers viel Geld fließt wie bei den „echten“ Fußballern. Für Gaming ist der Mac Pro aber nicht gemacht, auch nicht für das High-End. An sich müsste ein Chip eingebaut sein, der ein Höllenlachen ausgibt, wenn der Mac-Pro-Nutzer einen Titel aus Apple Arcade startet – dafür müssen CPUs und GPUs nicht einmal ihre nicht vorhandenen Stirnen runzeln.

Wir werden aber sicher bald den Mac Pro von 2019 im Einsatz sehen. Nicht bei uns unten in der Hölle, dort wollen wir die Leute ja quälen und setzen sie lieber vor Macs aus den Nullerjahren, mit denen sie Mails mit Lotus Notes bearbeiten müssen – jeden Tag auf’s Neue eine Fantasillion.

Im Einsatz sehen wir Mac Pro und bis zu sechs angeschlossene Pro Displays XDR, wenn die Erzählung der „Morning Show“ aus dem Apple-Fernsehen im Jahr 2020 angekommen sein wird, also in der dritten oder vierten Staffel vielleicht. Denn dort, im Fernsehen und in der Filmproduktion, wird die immense Rechenleistung aus der Hölle, pardon, aus dem Apple Park, wirklich erst abgerufen. Und bei den verzweifelten Wissenschaftlern, die versuchen, das Wetter für mehr als ein paar Tage vorauszusagen. Und wer natürlich in Logic Pro X ein paar hundert Tonspuren in Echtzeit verarbeiten will, der braucht auch einen neuen Mac Pro. Die Software gibt’s noch nicht einmal gratis zum Mac Pro, sondern kostet die üblichen 250 Euro Aufpreis. Ein Höllendeal, das alles.

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