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Kommentar: Aprilscherze im Web - nein danke!

01.04.2019 | 12:20 Uhr | Panagiotis Kolokythas

In diesen Zeiten lehrt uns der 1. April und die Aprilscherz-Flut eine wichtige Sache im Umgang mit Informationen aus dem Internet.

Mir geht die Flut an April-Scherzen Jahr für Jahr am 1. April im Web auf die Nerven, schon immer und vielleicht in diesem Jahr 2019 mehr denn je: Vor allem, weil da so wenig Witziges dabei ist. Beispiele gefällig? Hier und hier sehen Sie zwei Google-Beispiele. Und Tinder war schon am 29. März mit diesem Schenkelklopfer online. Nur drei Beispiele, die mir wieder reichen. Ich habe für dieses Jahr bereits die Nase voll von Aprilscherzen. Lernt es endlich: Ein guter Scherz funktioniert immer, unabhängig vom Datum und die Scherze, die ihr euch nur am 1. April rauszuhauen traut, sind...  schlecht.

Man kann darüber schmunzeln, aber wir Internet-Fans tun uns mit dem 1. April keinen Gefallen, wenn wir an diesem Tag verstärkt Scherze veröffentlichen. In Zeiten von Fake News und Vorwürfen gegen die Vertrauenswürdigkeit des Internets geben wir den Kritikern nur zusätzlich Futter.

Das Internet wird von so vielen Menschen genutzt und - da müssen wir ehrlich sein - da sind auch hier und da mal irre Zeitgenossen dabei. Wer an eine flache Erde oder andere Aluhut-Themen glaubt, der wird an jedem Tag des Jahres gut im Web bedient. Das macht mir Sorgen, denn oft geht es eben nicht nur um kleine Spleens, die wir alle haben, sondern auch um Weltanschauungen. Und ich möchte nicht in der U-Bahn neben einer Person sitzen, deren inneres Fass nach dem Lesen einer weiteren Information über seine Weltverschwörungstheorien überläuft...

Im Web ist irgendwo jeden Tag der 1. April

Nüchtern betrachtet, ist im Web der 1. April täglich - zumindest irgendwo für irgendwen über irgendwas. Wir leben in bewegten Zeiten, in denen immer neue Innovationen das bisher Undenkbare möglich machen. Aber nur am 1. April verhalten wir uns im Web so, wie wir es eigentlich immer tun sollten. Egal, wann wir etwas lesen, sollten wir uns darüber Gedanken machen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch darüber, woher diese Information stammt.

Allzu gerne werden Informationen einfach so per Facebook, WhatsApp & Co. mit dem unmittelbaren und darüber hinausgehenden Umfeld geteilt, ohne das man sich allzu viele Gedanken gemacht hat. Das Drücken des "Teilen"-Buttons ist so einfach und verlockend. Der Faktencheck wird versäumt. Außer am 1. April, da wittert man sogar hinter harmlosen Nachrichten einen Aprilscherz. Wieso sind wir nicht jeden Tag so drauf?

Der 1. April 2019 könnte der Tag sein, an dem wir beginnen, uns im Web anders zu verhalten. In dem wir kritischer Informationen aufnehmen, den Hatern im Web öfters Paroli bieten und uns mehr für ein faires, freundliches Miteinander in der großen Online-Community einsetzen. Wir sind mehr als diese Miesepeter, die unseren Ruf ruinieren.

Setzen wir uns ein für ein Umfeld, in dem sich viele darauf konzentrieren, vor allem positive Gedanken und Dinge im Web zu verbreiten und verstärkt gegen Hass, Intoleranz, Fehlinformation und - ja auch - Fake News zu kämpfen. Lasst uns von nun an jeden Tag das Web so nutzen, als wäre es der 1. April und an jeder Ecke würde jemand lauern, der uns austricksen will.

Ihr Panagiotis Kolokythas

PC-WELT Marktplatz

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