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Wegen Streiks: Kommen Amazon-Pakete noch pünktlich vor Weihnachten?

20.12.2021 | 10:43 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Kommen die bei Amazon bestellten Weihnachtsgeschenke pünktlich an? Denn Ver.di bestreikt die deutschen Versandzentren von Amazon.

Alle Jahre wieder…ruft die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zum Streik bei Amazon auf. So auch vor Weihnachten 2021 . „Um das Weihnachtsgeschäft des weltweit größten Onlinehändlers Amazon empfindlich zu stören, hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten an sieben Versandzentren des Konzerns in Deutschland zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Mit Beginn der Nachtschicht zum Montag (20.12.) wollen Beschäftigte in Graben bei Augsburg, Leipzig, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Werne, Rheinberg und Koblenz in den Streik treten. In Koblenz hatten Beschäftigte des Onlineriesen bereits von Donnerstag (16.12.) bis Samstag (18.12.) die Arbeit niedergelegt.“ Das teilt Ver.di jetzt mit.

Amazonkunden spüren vom Streik wohl nichts

Ob es Ver.di aber tatsächlich gelingt, mit dieser Streikmaßnahme „das Weihnachtsgeschäft des weltweit größten Onlinehändlers Amazon empfindlich zu stören“, darf bezweifelt werden. Bisher verliefen die zahlreichen Streikaufrufe von Ver.di alle im Sande. Denn die Auseinandersetzung von Ver.di mit Amazon geht nun schon über viele Jahre. Praktisch immer, wenn bei Amazon besonders viel Arbeit anfällt, ruft Ver.di zum Streik auf: Am Prime Day , am Black Friday und eben vor Weihnachten. Doch bisher wurde nicht bekannt, dass die Amazonkunden jemals etwas davon gespürt hätten.

Worum geht es bei dem Streik?

Im Kern geht es bei dieser Auseinandersetzung darum, dass Ver.di fordert, dass Amazon für seine Mitarbeiter die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels zu Grunde legt. Ver.di nennt folgende Beispiele für die Vorteile, die sich dadurch für die Amazon-Mitarbeiter ergeben würden: „So zahlt der Konzern seinen fest angestellten Versandmitarbeiter*innen (‚Pickern’) zuletzt ein Weihnachtsgeld von nur 400 Euro, während die Beschäftigten in anderen Handelsunternehmen oft mit einem guten Tausender mehr nach Hause gehen. Das Weihnachtsgeld nach dem hessischen Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel zum Beispiel beträgt 62,5 Prozent des Novemberentgelts, also 1537 Euro. Nicht viel besser sieht es für die ‚Leads‘ (Vorarbeiter*innen) aus. Sie erhalten zu Weihnachten 600 Euro. Ihre an vergleichbarer Stelle in tarifgebundenen Unternehmen eingesetzten Kolleginnen und Kollegen bekommen 1845 Euro.“

Amazon lehnt es jedoch ab die Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels zu übernehmen und legt die schlechteren Vorgaben des Tarifvertrags für die Logistikbranche zu Grunde. Diese Linie behält auch der neue Amazon-Deutschland-Chef Rocco Bräuniger bei. Dazu kommen dann noch weitere Aspekte, beispielsweise kritisiert Ver.di, dass Amazon-Mitarbeiter einem "extremen Druck" ausgesetzt seien.

Amazon zahle bereits exzellente Löhne

Amazon weist die Kritik jedes Mal zurück und sagte uns im Juni 2021 beispielsweise: "Die Pakete kommen pünktlich zu den Kunden, wir sehen keine Auswirkungen der Streiks. Der große Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet heute wie an jedem anderen Tag: Sie bearbeiten Kundenbestellungen in einem Umfeld, das sie unterstützt, in dem man gerne arbeitet und voran kommt. Tatsache ist, dass Amazon bereits exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen bietet - und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung. Diese Vorteile und Chancen hat jede und jeder bei Amazon, genauso wie die Möglichkeit zum direkten Austausch mit Führungskräften.

Das Lohnpaket samt der Zusatzleistungen und unsere Arbeitsbedingungen bestehen auch im Vergleich mit anderen wichtigen Arbeitgebern in der Region. Unser Ziel wird es immer sein, in einem exzellenten Arbeitsumfeld durch Teamarbeit und den direkten Austausch mit den Mitarbeitern hervorragendes für Kunden zu schaffen.“ Zitat Ende

Prime Day: Ver.di bestreikt Amazon-Versandzentren

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