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Katze erhält Vodafone-Vertrag - das sagt der Provider dazu

12.07.2021 | 14:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Vodafone machte den Kater einer Frau zum Kunden und bucht von der Katzenbesitzerin monatlich die Gebühren ab. Als die Frau die Zahlungen stoppt, folgen Inkassoschreiben und gerichtliche Mahnschreiben. Update: Das sagt Vodafone zu dem Fall.

Erneut steht Vodafone wegen seiner Vertriebspraxis in der Kritik. Die Verbraucherzentrale Bremen berichtet von einem Fall, in dem Vodafone bei einem sogenannten „Haustürgeschäft“ einer Kundin gegen deren Willen einen neuen Vertrag verkauft hat. Als Kundenname war der Name des Katers der Frau eingetragen.

So schildern die Verbraucherschützer den Fall

Eine Vodafone-Vertreterin besuchte im Juli 2019 die Frau unangekündigt. Die Frau war bereits seit Jahren Vodafone-Kundin und als solche bis dato durchaus zufrieden mit Vodafone. Die Vertreterin führte ein Gespräch mit der Frau über „Gott und die Welt, neue Produkte der Vodafone Deutschland GmbH und natürlich auch über den Kater `Gysmo`, dem einzigen Mitbewohner der Verbraucherin“, wie die Verbraucherschützer schreiben. Die Frau sagte in dem Gespräch, dass sie kein Interesse an neuen Vodafone-Produkten hätte. Danach verabschiedete sich die Vertreterin von der Frau und für die Vodafone-Kundin schien die Sache damit erledigt.

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Kater Gysmo erhält Tage später einen Vodafone-Vertrag

Doch einige Tage später kam laut der Verbraucherzentrale Bremen ein Paket mit Geräten und Vertragsunterlagen ins Haus. In den beiliegenden Vertragsunterlagen zum Komplettvertrag für Internet, Telefon und TV war ein „Herr Gysmo“ als Kunde der Vodafone Deutschland GmbH eingetragen. Prompt schickte Vodafone in den darauffolgenden Monaten auch die Rechnungen zu diesem Vertrag an Herrn Gysmo, die entsprechenden Beträge wurden vom Konto der Besitzerin des Katers abgebucht.

Alle Versuche der Frau sowie von deren Tochter beim Kundenservice von Vodafone den Vertrag zu stornieren und die Abbuchungen zu beenden scheiterten. Als die Frau daraufhin die Lastschriften der Vodafone Deutschland GmbH widerrief, bekam Gysmo Post von einem Inkassobüro. Schließlich ließ Vodafone sogar einen gerichtlichen Mahnbescheid zustellen.

Verbraucherzentrale schaltet sich ein

Die Kundin wandte sich in ihrer Not an die Verbraucherzentrale Bremen. Diese erreichte, dass Vodafone die auf „Herrn Gysmo“ ausgestellten Verträge stornierte und das bereits abgebuchte Geld zurückerstattete.

Die Verbraucherzentrale Bremen betont: „Tiere sind weder rechts- noch geschäftsfähig. In diesem Fall ist somit kein wirksamer Vertrag zustande gekommen, der das Unternehmen dazu berechtigen würde, Forderungen zu stellen.“

Update 11.50 Uhr: Stellungnahme von Vodafone

Vodafone hat auf unsere Nachfrage geantwortet: „Wir bedauern es sehr, dass unsere Kundin Opfer einer unseriös agierenden Beraterin geworden ist und haben die betrügerisch abgeschlossenen Verträge gelöscht, das Mahnverfahren eingestellt und uns bei unserer Kundin für den entstanden Aufwand und Ärger entschuldigt. Der Beraterin wurde damals fristlos gekündigt. Vodafone duldet keinen Betrug und wir gehen rigoros dagegen vor und arbeiten täglich daran, dass so etwas nicht wieder passieren kann.“
 
Diese Stellungnahme erklärt allerdings nicht, wieso die Kundenbetreuung von Vodafone auf die Beschwerde der Frau hin nicht sofort eingegriffen hat. Wir hakten deshalb erneut nach und fragten, wieso so viel Zeit vergehen musste und die Frau erst die Verbraucherschützer einschalten musste, damit sie erlöst wurde. Vodafones Antwort darauf: "Warum dies den Kollegen trotz der Beschwerde der Kundin nicht aufgefallen ist, können wir heute leider nicht nachvollziehen."

Update Ende

Generell empfehlen die Verbraucherschützer bei Haustürgeschäften

  • Lassen Sie möglichst keine fremden Personen in die Wohnung und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen

  • Scheuen Sie sich nicht, Nachbarn oder die Polizei um Hilfe zu bitten, wenn die ungebetenen Besucher zu aufdringlich werden

  • Nutzen Sie ihr 14-tägiges Widerrufsrecht

  • Suchen Sie gegebenenfalls die Hilfe von Verbraucherschützern

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