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Katastrophen-Warnungen ins Auto: So schnell wird das nichts

19.10.2021 | 10:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

VW will vorerst keine Katastrophenwarnungen direkt auf dem Navigationsgerät im Auto ausgeben. Auch Daimler wartet erstmal ab. Selbst Tomtom braucht noch etwas Zeit.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat mitgeteilt, dass die Erprobung zum Ausspielen von Warnmeldungen über Navigationsgeräte abgeschlossen worden sei. Mit der Erweiterung des Dateiformates TPEG (Transport Protocol Experts Group) können Warnmeldungen zu Gefahrenlagen künftig direkt über das Navigationssystem im Auto ausgespielt werden.

TPEG2-EAW

Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen verbauen TPEG bereits in ihren Fahrzeugen. Mit der TPEG-Technologie werden bisher aber nur Stauwarnungen und Verkehrsmeldungen direkt in das Navigationssystem des Autos gespielt. Die neue Entwicklung TPEG2-EAW ermöglicht es dagegen neben Verkehrsinformationen künftig auch offizielle Warnmeldungen der Leitstellen, beispielsweise über Unwetter oder Waldbrände, direkt auf das Navigationssystem im Auto zu senden. EAW steht dabei für "Emergency Alerts and Warnings".

TPEG2-EAW-Warnungen können sowohl über DAB+ als auch über mobile Internetkanäle verbreitet werden, wie das BBK erklärt. Mithilfe der neuen TPEG-basierten Wiedergabe von Warnmeldungen sollen Reisende dann sicher und schnell im Auto gewarnt werden. Durch diese Warnungen soll Reisenden dabei geholfen werden, eine sichere Route für die Weiterfahrt zu wählen. Die Ausgabe erfolgt laut BBK mehrsprachig.

Erprobung von TPEG2-EAW ist zwar abgeschlossen...

Seit 2019 wurde die neue Anwendung TPEG2-EAW für einen Dienst in Deutschland unter Mitwirkung des BBK entwickelt und erprobt. Die Erprobung der Technologie wurde Ende September 2021 erfolgreich abgeschlossen und bestätigt die Eignung von TPEG2-EAW für die Warnung der Bevölkerung. Die bereits als Grundlage entwickelte Spezifikation wird nun aktualisiert und der International Standard Organisation (ISO) als Vorlage für die weltweite Normung der Technologie vorgelegt.

...doch die tatsächliche Einführung von TPEG2-EAW dürfte noch lange dauern

Der neue auf von TPEG2-EAW basierende Dienst wurde offiziell auf dem ITS-Weltkongress am 12. Oktober 2021 in Hamburg vorgestellt. Die Einführung in die Navigationssysteme soll nun erfolgen. Das schreibt zumindest das BBK am 12.10.2021: "Mit der Einführung eines neuen Dateiformates, des sogenannten TPEG-Formats, können Warnmeldungen zu Gefahrenlagen künftig direkt über das Navigationssystem im Auto ausgespielt werden" und weiter: "Die Einführung in die Navigationssysteme erfolgt danach kontinuierlich" sowie "Neben Cell Broadcast ist TPEG2-EAW nun der zweite neue Warnkanal, dessen Einführung beschlossen wurde, und an deren schneller Umsetzung das BBK intensiv arbeitet".

Doch eine erste Anfrage von pcwelt.de bei mehreren Automobilherstellern und Produzenten von Navigationsgeräten zeigt, dass TPEG2-EAW keinesfalls sofort in den Navigationsgeräten zur Verfügung stehen wird. Stattdessen zeigt sich deutlich, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK mit seiner Ankündigung, dass bald Katastrophenwarnungen auf dem Navigationsgerät im Auto angezeigt werden, etwas voreilig war. Bisher hat uns gegenüber noch kein einziger deutscher Automobil-Hersteller die baldige Einführung von TPEG2-EAW und darauf basierend die Anzeige von Katastrophenwarnungen auf dem Auto-Display bestätigt. Selbst Tomtom, das bei der Präsentation auf dem ITS-Kongress in Hamburg mit dabei war, benötigt dafür noch Zeit.

Volkswagen zum Beispiel antwortete uns folgendermaßen: „In Japan und Korea haben wir Katastrophenwarnungen bereits umgesetzt, da es durch das Gesetz vorgegeben ist. Für Deutschland und EU gibt es aktuell keine weiteren Planungen.“ Zudem dürften bereits vorhandene Navigationsgeräte vermutlich nicht nachgerüstet werden.

Tomtom dagegen will TPEG2-EAW zwartatsächlich implementieren. Uns gegenüber erklärte Tomtom, dass es plane TPEG2-EAW in seine Traffic-Produkte zu integrieren. Allerdings konnte Tomtom noch kein Datum dafür nennen nennen, wann die Informationen aus TPEG2-EAW erstmals auf den verschiedenen Ausgabe-Geräten – mobilen Navigationsgeräten, Smartphone-Apps und in Infotainmentsystemen von OEMs – via TomTom Traffic zu sehen sein werden.

Daimler zeigt sich ähnlich reserviert wie Volkswagen, wie aus der Antwort der Schwaben auf unsere Anfrage hervorgeht:
„Grundsätzlich halten wir die Initiative von TPEG-EAW für sehr gut und prüfen die Implementierung auch aus eigenem Antrieb heraus.

Auf dem ITS World Kongress in Hamburg wurde ein auf Deutschland bezogener erster Prototyp vorgestellt, bei dem Katastrophenwarnungen über TPEG-EAW vom Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK) bis zu einer Navigationsanwendung übertragen wurden.

Im Falle flächendeckender Katastrophen kann die Information und offizielle Warnung des BBK für unsere Kunden von großem Nutzen sein. Wir verwenden aktuell die TPEG-Protokolle TPEG-TEC und TPEG-TFP für unseren Verkehrsdienst, in dem auch durch die Service Provider Gefahren (z.B. Witterung/Stauende/Glätte etc.) an unsere Kunden gemeldet werden können.

Wir werden die Internationalisierung von TPEG-EAW und die Umsetzung mit unseren Serviceanbietern prüfen. Ein konkreter Einsatztermin lässt sich aktuell nicht sagen.

Für die heutigen Mercedes Bestandsfahrzeuge werden wir weiterhin alle Gefahren im Verkehr durch TPEG-TEC übertragen, eine Neuqualifizierung und Einführung eines neuen Übertragungsprotokolls ist für diese aktuell nicht geplant.“

Sobald uns weitere Informationen zum tatsächlichen Stand der Entwicklung und Einführung von TPEG2-EAW vorliegen, tragen wir diese hier nach.

Immer mehr Warnkanäle stehen zur Verfügung

Neben Cell Broadcast , das lange Zeit in Deutschland für Katastrophenwarnungen nicht verwendet wurde, ist TPEG2-EAW nun der zweite neue Warnkanal, dessen Einführung beschlossen wurde und dessen schnelle Umsetzung nun erfolgen soll. Sowohl Cell Broadcast als auch die neue TPEG-Technologie sollen problemlos und schnell an das vom BBK zur Verfügung gestellte Modulare Warnsystem (MoWaS) angeschlossen werden können.

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