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Katastrophen-Warnungen aufs Handy kommen Ende 2022

10.09.2021 | 08:35 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Vemutlich ab Ende 2022 kommen in Deutschland Katastrophen-Warnungen per SMS (Cell Broadcast) auf jedes Handy. Mit Warnton, der auch im Lautlos-Modus ertönt. Plus: Warnmittelkataster und neue Sirenen.

Der Bundestag hat die Einführung von Cell Broadcasts für den Versand von schnellen Warnungen an die Bevölkerung beschlossen. Cell Broadcasts ergänzen die bisherigen Warnmöglichkeiten wie Warn-Apps, Sirenen oder Rundfunkdurchsagen, die in der Vergangenheit vor allem durch ihr Versagen Schlagzeilen schrieben. So verlief der Katastrophenwarntag 2020 desaströs, weswegen in der Folge der damalige Chef des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seinen Posten räumen musste. Aber auch bei der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden viele Menschen zu spät oder gar nicht gewarnt.

Der große Vorteil von Cell Broadcast

Diese Warnmeldungen können direkt an alle Menschen mit Mobilfunkgerät versendet werden, die sich in einer bestimmten Funkzelle eines Mobilfunknetzes aufhalten. Um die Warnung empfangen zu können, reicht ein einfaches Handy/Feature Phone, man benötigt also weder ein Smartphone noch eine App und auch keine Datenverbindung. Der Handybesitzer muss keine Vorkehrungen treffen, um die Cell Broadcasts empfangen zu können – vom Einschalten des Handys abgesehen. Es reicht völlig aus, wenn das Handy mit dem GSM-Netz verbunden ist, also mit dem einfachsten und ältesten Mobilfunknetz. Zudem ist die Nutzung von Cell Broadcast ohne Erhebung, Weitergabe und Speicherung personenbezogener oder vergleichbarer Daten möglich.

Wichtig : Sobald die Warnung per SMS auf dem Handy eintrifft, werden bestimmte Warntöne auf dem Telefon abgespielt und der Lautlos-Modus, falls eingeschaltet, wird übergangen, wie der Bayerische Rundfunk berichtet . Der Handy-Besitzer hört den Eingang der Warn-Textnachricht also in jedem Fall, sofern er das Handy in der Nähe hat.

Einführungstermin

Im April 2021 hatte das BBK laut eigenen Angaben eine Eignungsprüfung an der Universität der Bundeswehr München in Auftrag gegeben, um die Frage zu klären, inwiefern sich Cell Broadcast als weiterer Warnkanal des BBK im bereits bestehenden Warnmittelmix zur Warnung der Bevölkerung eignet. Mit der jetzigen Zustimmung durch den Bundestag ist nur der Weg frei. Das BBK vermutet, dass die Nutzung von Cell Broadcast voraussichtlich Ende 2022 möglich sein – das wäre später als noch im Juli 2021 vermutet wurde, also von Sommer 2022 als Starttermin die Rede war. Das heute verabschiedete Gesetz verpflichtet die Betreiber, Cell Broadcast technisch umzusetzen und in ihren Netzen dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Die technischen Vorgaben zur Umsetzung würden derzeit im BBK vorbereitet. Cell Broadcast soll an das vom BBK den Ländern bundesweit zur Verfügung gestellte Modulare Warnsystem (MoWaS) angeschlossen werden.

Warnmittelkataster

Die Erstellung eines Warnmittelkatasters wird derzeit ebenfalls vorbereitet. Die Zulieferung von Daten, beispielsweise der Sirenenstandorte, sei bereits eingeleitet. Mit der Einrichtung des Warnmittelkatasters soll es erstmals einen bundesweiten Überblick darüber geben, wo in Deutschland welche Warnmittel eingesetzt werden und zur Verfügung stehen.

Sirenennetz wird ausgebaut

Das BBK finanziert darüber hinaus ein Förderprogramm zum Ausbau des Sirenennetzwerkes mit knapp 90 Millionen Euro. Mehr dazu lesen Sie hier: Deutschland bekommt neue Warnsirenen für Katastrophenwarnungen.

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