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Mac-Testimonial wechselt die Seite und wirbt für Intel - der Hintergrund

18.03.2021 | 08:35 Uhr | Peter Müller

Intel wird so langsam peinlich. Nun lässt der Chip-Hersteller den "Mac"-Darsteller als Testimonial auf Apples M1-Macs los - und vergleicht dabei schon wieder Äpfel mit Birnen.

Justin Long, Mitte der Nuller der "Mac" in den "Get a Mac"-Werbespots mit John "PC" Hodgman und später Steve Jobs im parodistischen Biopic "iSteve"  über den Apple-Gründer von "Funny or Die" ist neues Testimonial von Intel.

Apples Entscheidung, 15 Jahre nach dem Switch zu den Prozessoren aus Santa Clara weiter zu ziehen und künftig auf eigene Chips auf ARM-Basis zu setzen, hat offenbar Intel nicht sonderlich geschmeckt. So hat der Konzern nicht nur mit eigenen Benchmarks , die teilweise Äpfel mit Birnen verglichen, Behauptungen Apples widersprochen, die neuen M1-Macs seien deutlich schneller als ihre Vorgänger und die meisten anderen Notebooks. Intel führt vor allem zwei Schwächen ins Feld: Macs wären für Spiele schlecht geeignet und die Anschlussmöglichkeiten der M1-Macs seien sehr begrenzt. Nicht einmal Punkt eins ist völlig korrekt, auf dem Mac mag es zwar eine eingeschränkte Auswahl an Spielen geben, aber für die Zielgruppe des Mac ist das Angebot mehr als ausreichend. Da Apple Silicon vor allem in Sachen Grafik deutliche Fortschritte macht, könnte der Mac für Entwickler eine noch interessantere Plattform werden. Und was den Punkt zwei betrifft: Auch die Vorgängermodelle von Macbook Pro 13'' M1 und Macbook Air M1 waren in ihren Anschlussmöglichkeiten sehr eingeschränkt, trotz der zugrunde liegenden x86-Architektur. Künftige Apple-Silicon-Macs werden auch deutlich mehr Anschlüsse zu bieten haben, nicht zuletzt via Thunderbolt 4, das gewissermaßen Apples letzte Bande zu Intel knüpft – eine Rückkehr zum Intel-Mac wird es nicht geben.

So gibt Intel eben weiter die beleidigte Leberwurst: Mit Justin Long in Jeans und Pulli vor grauem Hintergrund und mit bekannter Musik von Anfang der 2000er hinterlegt, lässt Intel nun nachlegen: "Hello I'm a …" beginnt Long und führt nach einer Atempause den Satz fort: " … Justin. Just the real person." um anschließend die Vorzüge der mit x86-Prozessoren und von Windows betriebenen Notebooks zu preisen.

Macbook Pro M1 im Praxistest

Fünf Clips sind bisher in der Serie "Justin gets real" erschienen, erneut reitet Intel wieder darauf herum, dass es von Apple keine "Konvertiblen" gäbe, also Notebooks, von denen man die Tastatur abstecken und sie nun als Touch-Tablet verwenden kann, dass Gaming auf dem Mac nicht existent sei und dass man an Intel-Notebooks mehr als einen externen Monitor anschließen kann. Warum, in aller Welt, sollte Apple einen Konvertiblen bauen? Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, seit wann macht Apple halbe Sachen?

So intensiv wir auch an die Jahre 2005ff zurückdenken, können wir uns nicht erinnern, dass Apples PowerPC-Partner IBM derart angepisst reagiert hätte. Mit dem PPC war Apple seinerzeit in eine Sackgasse geraten, so war es etwa IBM nicht gelungen, einen G5-Chip zu liefern, den man in ein Powerbook hätte einbauen können. Aus dieser Klemme befreite sich Apple mit dem Wechsel zu Intel-Chips, die mehr "Power per Watt", also mehr Rechnerleistung pro elektrischer Leistungsaufnahme boten. In einer solchen Sackgasse steckte die Partnerschaft Apple/Intel nun wieder, was man nicht zuletzt an dem Macbook 12 Zoll gesehen hatte. Für ein lüfterloses Design, wie es Apple vorschwebt, musste man den schwachen CoreM einsetzen und noch dazu jeden verfügbaren Kubikmillimeter mit Akku füllen. Wie lüfterlos und starke Leistung zusammenpassen, zeigt aber nun das Macbook Air. Und schon lange das iPad.

Macbook Air M1: Ausgepackt, eingerichtet und getestet

Intel, respektive seine von Infineon übernommene Modemsparte, hätte Apple aber aus einer anderen Klemme befreien können, in der das Unternehmen mit dem sehr einnehmenden Zulieferer Qualcomm steckte. Doch war Intel dieses Geschäft lästig geworden, Apple hat es vor fast zwei Jahren übernommen, um eigene Modems zu entwickeln. Die wird dann ein Zulieferer wie TSMC bauen, der in Sachen Miniaturisierung längst die Nase vorne hat – vor Intel.

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