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Interessenskonflikte bei den Anbietern

Doch selbst wenn das Unternehmen willens und bereit für diese Investitionen ist: "Zentrale Elemente der notwendigen Unternehmensinfrastruktur, angefangen vom Client auf dem Dual-Mode-Handy, über den hohen Energieverbrauch der Geräte im WLAN-Betrieb bis hin zu den Steuerungseinheiten der IP-basierten Nebenstellenanlagen sind bezüglich FMC noch nicht kundenfähig", so Sven Brandt, Analyst der Fraunhofer Einrichtung für Systeme der Kommunikationstechnik.

Probleme gibt es noch beim unterbrechungsfreien Roaming zwischen öffentlichem Mobilfunknetz und firmeninternem WLAN. Um vom Markt angenommen zu werden, darf es bei der Übergabe eines Telefonats zwischen den beiden Netzen nur zu minimalen Verzögerungen kommen. Außerdem möchten die Anwender nicht nur über das firmeneigene WLAN, sondern auch z.B. über das Hotel-WLAN oder andere Hotspots erreichbar sein. "Viele Lösungen leisten dies jedoch so noch nicht," stellt Sven Brandt weiter fest.

Zudem stehen Interessenkonflikte zwischen den Anbietern – vor allem Mobilfunkbetreibern und Hardwareanbietern – der Weiterentwicklung von FMC teilweise entgegen. Das Geschäftsmodell der Mobilfunkbetreiber beruht bekanntermaßen vor allem auf abgerechneten Gesprächsminuten und Roaming-Gebühren. Durch die Nutzung von WLANs und Volumenflatrates bei UMTS würden diese Einnahmen erheblich reduziert.

Einige Betreiber blockieren daher den Austausch von IP-Datenpaketen für mobiles Voice over IP in ihren Netzen und eliminieren damit einen Kostenvorteil von FMC. Im Gegenzug senken die Mobilfunknetzbetreiber zunehmend die Gebühren und bieten mit Voice-Flatrates in gut ausgebauten europäischen Netzen eine zumindest wirtschaftlich attraktive Alternative zu FMC.

Von einem Durchbruch von FMC in deutschen Unternehmen kann also vorläufig noch keine Rede sein. Neben langfristigen Kostensenkungen sind jedoch Effizienzgewinne für Geschäftsprozesse durch verbesserte Erreichbarkeit und optimierte Kommunikation möglich. Langfristig dürften viele Unternehmen somit nicht um die Konsolidierung ihrer festen und mobilen Telefonie herumkommen – für eine perfekte Kommunikation zwischen Hamburg, München und Rom.


Philipp Bohn ist Analyst bei Berlecon Research mit den Schwerpunkten Voice over IP (VoIP) und Digital Economy.

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