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Intel unter Druck: Chef der Chipherstellung muss gehen

28.07.2020 | 09:55 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Intels oberster Chip-Verantwortlicher muss das Unternehmen verlassen. Die bisherige Chip-Abteilung wird aufgespalten. Eine Reaktion auf die Rückschläge der letzten Jahre.

Intel zieht die Reißleine: Nach immer neuen Verzögerungen bei der Einführung neuer, fortschrittlicher Fertigungsverfahren für Prozessoren teilte Intel jetzt mit, dass der für die gesamte Chipfertigung (Design, Engineering und Manufacturing) verantwortliche Manager den Chiphersteller verlässt: Dr. Venkata (Murthy) Renduchintala (Intels Chief Engineering Officer and Group President of the Technology, Systems Architecture and Client Group) scheidet bereits am 3. August 2020 aus. Intel-CEO Swan dankte Renduchintala in denkbar knappen Worten für dessen Arbeit. Offiziell nannte Intel keinen Grund für das Ausscheiden von Renduchintala.

Mit dem Weggang von Renduchintala ist ein Umbau der Organisation der bisher von Renduchintala geleiteten Abteilung Technology, Systems Architecture and Client Group (TSCG) verbunden. TSCG soll in fünf neue Abteilungen aufgespalten werden.

Jede der neuen Abteilungen bekommt einen eigenen Chef, der künftig direkt an den Intel-CEO Bob Swan berichtet:

  • Technology Development: Dr. Ann Kelleher

  • Manufacturing and Operations: Keyvan Esfarjani

  • Design Engineering: Josh Walden (Interimsleiter)

  • Architecture, Software and Graphics: Raja Koduri (führte diese Abteilung auch schon bisher)

  • Supply Chain: Dr. Randhir Thakur (führte diese Abteilung auch schon bisher)

Swan ist selbst noch gar nicht so lange an der Konzernspitze, denn er hatte den Posten als Intel-Chef erst im Februar 2019 übernommen. Zuvor war Swan Interimschef gewesen, nachdem Brian Krzanich im Juni 2018 Intel überraschend verlassen hatte.

Letzter Auslöser für diese Entscheidung war offensichtlich die erneute Verschiebung der Einführung des 7-nm-Verfahrens. In den letzten Jahren hatte sich der Chipgigant immer wieder schwer damit getan auf neue Fertigungsverfahren umzustellen. Erst hatte sich der Umstieg auf die 10-nm-Produktion verzögert. Renduchintala kommentierte Ende 2018 die Verschiebung des 10-nm-Verfahrens mit den Worten: „Wir müssen klein beigeben“. Vor wenigen Tagen musste Intel dann mitteilen, dass es seine Prozessoren frühestens ab 2022 im 7-nm-Verfahren herstellen könne . Intel würde zudem darüber nachdenken einen Teil der Chip-Fertigung auszulagern und an Partner zu vergeben.

Konkurrent AMD ist da schon deutlich weiter und konnte zudem in den letzten Jahren seinen Absatz, Umsatz und Gewinn kontinuierlich steigern. AMD, das über viele Jahr im Schatten von Intel stand und mit großen Problemen zu kämpfen hatte, glänzt derzeit. Intel dagegen sieht sich aus technischer Sicht in der ungewohnten Rolle des Verfolgers. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wieder: Die AMD-Aktie ist mehr wert als die Intel-Aktie.

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