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Intel stellt neue Core X und Xeon W Prozessoren vor - zum halben Preis

07.10.2019 | 15:15 Uhr | Sebastian Schenzinger

Intel ist spätestens seit dem Release von Zen 2 und der Ankündigung der Threadripper 3000 Generation stark unter Druck geraten. Jetzt kommt mit Cascade Lake-X respektive Cascade Lake-W das erwartete Update für die Core-X- und die Xeon-W-Prozessoren. Dank der starken Konkurrenz setzt Intel nicht nur auf die Unterstützung von schnellerem Arbeitsspeicher und höheren Taktraten, sondern halbiert nahezu die Preise im Vergleich zur Vorgängergeneration.

Intel legt mit Cascade Lake-X die Core-X-Prozessoren, seine Highend-Desktop-Prozessoren für den X299-Chipsatz, zum zweiten Mal neu auf. Dank starker Konkurrenz von AMD halbiert Intel die Launch-Preise im Vergleich zum Vorgänger nahezu. Auch wenn Intel die Prozessoren nach wie vor im 14nm-Verfahren fertigt, sollen die CPUs höhere Basis- und Boost-Taktraten erreichen. Neu ist auch die Turbo Boost Max Technology 3.0, mit deren Hilfe jetzt 4 Kerne mit einem Takt von bis zu 4.8 GHz rechnen dürfen. Letztendlich handelt es sich bei Cascade Lake-X aber um keine neue Architektur, sondern nur um eine Überarbeitung der bereits 2017 erschienenen Skylake-X-Prozessoren. Für den Performancegewinn sorgen also nur die höheren Taktraten durch einen optimierten Fertigungsprozess und den überarbeiteten Microcode.

Im Vergleich zu den Skylake-X-Prozessoren erhöht Intel den Boost-Takt um 300 MHz auf bis zu 4.8 GHz, der Dank Intel Turbo Boost Max Technology 3.0 jetzt auf vier, statt den bisherigen zwei Kernen anliegen kann. Auch die Geschwindigkeit des unterstützen Arbeitsspeichers des Quad-Channel-Interfaces hat sich auf 2933 MHz erhöht. Allerdings nur so lange vier Speicherbänke belegt sind, bei Vollbestückung rechnen die Speicherriegel nach wie vor mit 2666 MHz. An der Kernanzahl, der TDP oder auch der Cache-Größe verändert sich im Vergleich zum Vorgänger nichts. Allerdings legt Intel den 16-Kerner Core i9-9960X nicht neu auf, wohl um einen direkten Vergleich mit AMDs kommenden Ryzen 9 3950X aus dem Weg zu gehen. Auch Prozessoren mit weniger als zehn Kernen sind nicht mehr im Aufgebot, um sich von der eigenen Consumer-Plattform abzugrenzen.

Die Features der neuen Core-X-Prozessoren im Detail
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© Intel

Die Anzahl der unterstützen PCIe-Lanes beziffert Intel mit 72, allerdings wohl nur um AMDs Threadripper mit seinen 64 PCIe-Lanes zu übertreffen. Tatsächlich stellen die neuen Prozessoren selber nämlich nur 48 PCIe-Lanes zu Verfügung, den Rest übernimmt der Chipsatz. Immerhin sind das vier PCIe-Lanes mehr als noch beim Vorgänger. Allerdings sind hierfür neue X299-Platinen erforderlich, um auf die zusätzlichen PCIe-Lanes Zugriff zu erhalten. Bei der Datenübertragungsrate hat Intel gegenüber AMD das Nachsehen, denn auch die neuen Cascade-Lake-X-Prozessoren unterstützen nur PCIe 3.0 und kein PCIe 4.0.

Großer Vorteil der Cascade-Lake-X-Prozessoren ist die Kompatibilität zu bereits erhältlichen X299-Mainboards. Die ersten Hersteller liefern bereits BIOS-Updates für die kommenden CPUs aus. Wer allerdings die neuen Features wie Thunderbolt 3, 2,5 GBit-Ethernet oder Wi-Fi 6 verwenden will, benötigt ein Mainboard mit den entsprechenden Controllern, die auf den alten Mainboards in den meisten Fällen nicht verbaut sind. Der benötigte Controller für 2,5 GBit-Ethernet soll tatsächlich erst Ende des Jahres verfügbar sein. Software-seitig setzt Intel auf die neue Technik Deep Learning Boost, die Dank künstlicher Intelligenz das Taggen von Bildern, die automatische Bildverbesserung und die Bewegungsnachverfolgung deutlich beschleunigt.

Die Features der neuen Xeon-W-Prozessoren im Detail
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© Intel

Für die hohen Anforderungen an eine Workstation im Dauereinsatz setzen die neuen Xeon-W-Prozessoren wie gehabt auf ECC-Arbeitsspeicher (Error-correcting code) und die neuesten RAS-Features (Built-in-reliability, availabilty and serviceability). Für eine maximale Datenübertragungsrate können Sie ein virtuelles Raid über die CPU (VROC) einrichten, welches herkömmlichen Raid-Controllern in der Geschwindigkeit deutlich überlegen ist.

Da wir noch keine Testsamples zur Verfügung haben, können wir zum Geschwindigkeitszuwachs noch keine eigenen Zahlen nennen, sondern müssen auf Intels bereitgestellte Folien zurückgreifen. Intel spricht bei den Xeon-W-Prozessoren von einem Leistungsplus von zehn bis elf Prozent in den üblichen Anwendungsszenarios wie Videobearbeitung, 3D Rendering oder Spielekompilierung. Der Performancezuwachs der Core X-Serie für Kreative und Enthusiasten soll sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Da sich an der IPC im Vergleich zu Skylake-X nichts geändert hat, dürfte der Leistungszuwachs einzig und allein aus den höheren Taktraten resultieren. Bei Anwendungen, die von einem hohen Takt auf wenigen Kernen profitieren, fällt das Leistungsplus Dank Turbo Boost 3.0 etwas höher aus.

Intel verspricht einen Performancezuwachs von zehn Prozent im Vergleich zur Vorgängergeneration.
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© Intel

Durch den Intel Performance Maximizer soll das Übertakten der Core X-Serie leichter denn je von der Hand gehen. Laut Intel lässt sich ein Core i9-10980XE mit einer handelsüblichen Wasserkühlung auf 5.1 GHz übertakten. Aktuell können Sie nur den All-Core-Takt einstellen, in Zukunft sollen Sie jedoch die Möglichkeit erhalten, jeden Kern einzeln zu übertakten.

Was Sicherheitslücken wie Spectre und Meltdown betrifft, konnte Intel diese Hardware-seitig nicht vollständig schließen. Für Sie bedeutet das, dass sie auch mit Cascade-Lake-X auf neueste BIOS- und Betriebssystem-Updates angewiesen sind.

Spezifikationen der neuen Intel Core-X Serie
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© Intel

Größter Unterschied im Vergleich zum Vorgänger ist definitiv der Preis. Ist der Core i9-9980XE aktuell noch für 2090 Euro gelistet, soll sein Nachfolger, der Core i9-10980XE, bereits für 979 US-Dollar erhältlich sein. Die Preise sind inklusive Steuern meist 1:1 in Euro umrechenbar. AMDs kommender Ryzen 9 3950X mit 16 Kernen soll im Vergleich dazu nur 749 US-Dollar kosten. Der direktere Konkurrent, der Ryzen Threadripper 2950X, ist derzeit mit einem Preis von 799 Euro gelistet. Allerdings soll hier im November bereits der Nachfolger erscheinen. Auch die Preise der Core-i-Prozessoren für die Consumer-Plattform korrigiert Intel nach unten, um auf AMDs starkes Aufgebot zu reagieren.

Spezifikationen der neuen Intel Xeon W-2200 Serie
Vergrößern Spezifikationen der neuen Intel Xeon W-2200 Serie
© Intel

Es bleibt also definitiv spannend wie groß der Leistungszuwachs in der Realität ausfällt und wie sich die neuen Core-X und Xeon-W-Prozessoren im Vergleich zu AMDs Ryzen und Threadripper CPUs performancemäßig einordnen. Preislich hat Intel dem enormen Druck durch AMD auf jeden Fall nachgegeben und bewegt sich jetzt wieder auf einem ähnlichen Niveau wie der Konkurrent. Offiziell verfügbar sind die neuen Prozessoren dann Anfang November, wann neue Mainboards auf den Markt kommen, bleibt abzuwarten. Für bestehende X299-Mainboards sind bereits die ersten BIOS-Updates erhältlich.

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