Channel Header
2531474

Intel Tiger Lake mit Xe-Grafikeinheit - mehr Takt, schnellere Grafik und 10nm

03.09.2020 | 14:01 Uhr | Sebastian Schenzinger

Intel hat mit Tiger Lake seine 11. Generation der Mobilprozessoren im überarbeiteten 10-nm-Verfahren vorgestellt und verspricht den weltbesten Prozessor für Ultrabooks. Hierfür sollen die Willow-Cove-Mikroarchitektur, die Xe-LP-Grafikeinheit und die neue Auszeichnung Evo sorgen. Wir haben die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

Intel hat seine 11. Core i Generation der mobilen Prozessoren alias Tiger Lake offiziell vorgestellt und verspricht einen gewaltigen Leistungssprung. In letzter Zeit ist Intel durch die Ryzen 4000 Renoir CPUs im Mobilsegment mächtig unter Druck geraten, da Konkurrent AMD in nahezu jedem Anwendungsbereich mehr Leistung zu einem günstigeren Preis lieferte. Der Chip-Hersteller scheint jedoch eine geeignete Antwort gefunden zu haben und spricht beim Core i7-1185G7 mit Iris Xe Grafikeinheit vom besten Prozessor auf der Welt für Ultrabooks. Die gezeigten Leistungswerte schauen auf jeden Fall sehr vielversprechend aus.

Ein fragwürdiger Präsentationsstil

Intel stellte den Medienvertretern gestern seine neuen Tiger Lake Mobilprozessoren auf eine etwas fragwürdige Art und Weise vor - die Intel Blueprint Series können Sie mittlerweile auch auf YouTube finden. Intel scheint sich der Problematik durchaus bewusst zu sein, dass AMD mit Renoir nicht nur günstigere, sondern in nahezu jeder Lebenslage auch schnellere Prozessoren im Angebot hatte. In Intels eigener Präsentation sind dann schließlich die Worte "AMD", "competitor" und "Ryzen 7 4800U" deutlich öfter gefallen als die eigenen Produktnamen. Tatsächlich hat Intel mit dem Core i7-1185G7 nur ein einziges Produkt namentlich erwähnt und ansonsten nur ganz allgemein von der 11th Gen gesprochen. Steve von Gamers Nexus hat Intels Ansatz in seinem Video sehr treffend zusammengefasst. 

SuperFin-Verfahren und Willow Cove Architektur

Intel fertigt die Tiger-Lake-Prozessoren im 10nm-SuperFin-Verfahren, welches der Hersteller bereits auf den Architecture Days 2020 ausführlich vorgestellt hat. Neu ist auch die zugrunde liegende Mikroarchitektur Willow Cove, die sich vom Vorgänger Sunny Cove aber nur in wenigen Punkten unterscheidet. Vergrößert hat sich vor allem der Cache: So wächst der L2-Cache von 512 KByte auf 1,25 MByte an und der L3-Cache vergrößert sich von 8 MByte auf 12 MByte. Beide Speicher sind zudem nicht länger inklusiv, sondern nicht-inklusiv, das bedeutet, dass sie nicht länger die Daten des jeweils kleineren Caches vorhalten.

Intel Willow Cove Core
Vergrößern Intel Willow Cove Core
© Intel

Der Cache ist ein kleiner Zwischenspeicher, in welchem der Prozessor häufig nachgefragte Befehle und Daten vom Arbeitsspeicher ablegt. Ein größerer Cache ist also auf jeden Fall begrüßenswert, wobei im gleichen Zug normalerweise auch die Zugriffszeit und damit einhergehend die Latenz ansteigt. Intel gibt jedoch an, dass die effektive Latenz bei Tiger Lake kürzer ausfällt im Vergleich zu Ice Lake, was auf die höhere Taktrate zurückzuführen ist - bis zu 4,8 GHz statt 4,1 GHz beim Topmodell. Zudem verspricht sich Intel durch die Verbesserung von Willow Cove eine bis zu neun Prozent höhere IPC (Instructions per Cycle).

CPU-Benchmark 2020: Prozessoren im Vergleich-Test - mit Rangliste

Ganz neu sind bei Tiger Lake spezielle Einheiten zur Berechnung künstlicher Intelligenz. So sind die VNNI (Vector Neural Network Instructions) für die AVX-512-Befehlssatzerweiterung zuständig. Damit können Sie zum Beispiel in einem Videocall automatisch den Raum hinter sich vom Programm erkennen und weichzeichnen lassen. Für eine weitere Optimierung des Gesprächs sorgt der GNA 2,0 (Gaussian Neural Accelerator), welcher störende Hintergrundgeräusche herausfiltern kann.

Architektonische Neuerungen bei Tiger Lake
Vergrößern Architektonische Neuerungen bei Tiger Lake
© Intel

Hinsichtlich der Konnektivität hat sich auch einiges getan. So sind die Tiger-Lake-Prozessoren die ersten Mobil-CPUs mit PCIe-4.0-Support, wobei nur vier Lanes zur Verfügung stehen. Die Hersteller können sich laut Intel selbst aussuchen, ob sie die SSD oder die GPU mit PCIe 4.0 anbinden. Mit an Bord sind außerdem Wi-FI 6 und Thunderbolt 4 mit dem USB4-Standard für schnellere Datenübertragung und der Support von bis zu vier 4K-Displays. Der Speichercontroller soll gemäß Intel nicht nur aktuelle, sondern auch zukünftige Speichertechnologien unterstützen; das lässt Rückschlüsse auf kommende Notebooks mit DDR5-Arbeitsspeicher zu. 

Neun neue Mobil-CPUs mit Tiger Lake

Neben dem Top-Modell, dem Core i7-1185G7, kündigt Intel noch acht weitere Tiger-Lake-CPUs vom i3 bis zum i7 an. Die Prozessoren setzen sich aus einer neuen CPU der 11. Generation, welche mit bis zu 4,8 GHz taktet, und der integrierten Xe-Grafikeinheit zusammen. Zusätzlich will Intel die AI-Performance und die Software-Integration optimiert haben. Die Prozessoren sollen vor allem in dünnen und leichten Notebooks zum Einsatz kommen und sich an Anwender aus den Bereichen Produktivität, Zusammenarbeit, Content Creation, Gaming und Unterhaltung richten.

Günstigen Gaming-PC zusammenstellen: Die besten Hardware-Konfigurationen

Intel typisch gibt es nach wie vor eine Unterteilung in zwei unterschiedliche TDP-Klassen. Wobei TDP eigentlich der falsche Ausdruck ist, da Intel sich löblicherweise von einem festen Wert verabschiedet hat und stattdessen einen Bereich angegeben hat, in welchem die CPUs operieren dürfen. Die neue Klassifizierung sieht CPUs mit einer Operating Range zwischen zwölf und 28 Watt (UP3) und zwischen sieben und 15 Watt (UP4) vor. Letztere eignen sich dank eines kleineren Package für besonders dünne und sogar lüfterlose Geräte. In der folgenden Tabelle können Sie alle technischen Spezifikationen zu den neuen Prozessoren finden:

Name

Cores / Threads

Grafikeinheit

iGPU (EUs)

Graphics Max Freq (GHz, up to)

L3-Cache

Operating Range

Basistakt (GHz)

Turbotakt Single-Core (GHz, bis zu)

Turbotakt Multi-Core (GHz, bis zu)

Intel Core i7-1185G7

04. Aug

Intel Iris Xe

96

1,35

12MB

12-28W

3,0

4,8

4,3

Intel Core i7-1165G7

04. Aug

Intel Iris Xe

96

1,30

12MB

12-28W

2,8

4,7

4,1

Intel Core i5-1135G7

04. Aug

Intel Iris Xe

80

1,30

8MB

12-28W

2,4

4,2

3,8

Intel Core i5-1125G4

04. Aug

Intel Iris Xe

48

1,25

8MB

12-28W

2.0

3,7

3,3

Intel Core i3-1115G4

02. Apr

Intel UHD Graphics

48

1,25

6MB

12-28W

3.0

4,1

4,1

Intel Core i7-1160G7

04. Aug

Intel Iris Xe

96

1,1

12MB

7-15W

2,1

4,4

3,6

Intel Core i5-1130G7

04. Aug

Intel Iris Xe

80

1,1

8MB

7-15W

1,8

4.0

3,4

Intel Core i5-1110G4

02. Apr

Intel UHD Graphics

48

1,1

6MB

7-15W

2,5

3,9

3,9

Verbessert hat sich vor allem die Taktrate der Tiger-Lake-Prozessoren im Vergleich zu Ice Lake. Das Top-Modell erreicht jetzt bis zu 4,8 GHz und damit 700 MHz mehr. Schön zu sehen ist, dass Intel mittlerweile auch die maximale Taktrate auf allen Kernen zusätzlich zum Basistakt angibt. Erhöht hat sich auch der L3-Cache von ehemals 8 MB auf 12 MB. Es handelt sich allerdings nach wie vor um Quad-Cores, nur die beiden günstigsten Modelle müssen mit zwei Rechenkernen auskommen. Intel führt auch das Naming bei der Grafikeinheit fort, nur in den Modellen mit einem G7-Kürzel ist die neue Xe-Grafikeinheit verbaut, CPUs mit G4-Suffix verwenden stattdessen die alte UHD-Grafikeinheit.

Xe-Grafikeinheit schneller als dedizierte GPUs

Intel DL Boost
Vergrößern Intel DL Boost
© Intel

Einen gewaltigen Leistungssprung verspricht Intel besonders bei der integrierten Grafikeinheit Iris Xe LP, die erstmals auf den Architecture Days 2020 vorgestellt wurde. In der Xe LP sitzen bis zu 96 Execution Units, was 768 Shader-Einheiten entspricht. Als kurzer Vergleich, der Vorgänger kam auf bis zu 64 EUs und 512 Shader-Einheiten. Im gleichen Zug verdoppelt Intel die Ausführung von INT32/INT16-Berechnungen, wohingegen die FP32/FP16-Geschwindigkeit gleich bleibt. Neu hinzu kommt der Support von INT8 mit doppelter INT16-Rate für eine - laut Intel - bis zu fünf mal bessere AI-Leistung. Für eine bessere Wiedergabe von 4K 60 FPS beziehungsweise 8K 30 FPS Inhalten bei niedriger Bandbreite hat Intel eine Hardware-Beschleunigung für AV1-Encoding implementiert.

Intel Xe Grafikeinheit
Vergrößern Intel Xe Grafikeinheit
© Intel

Intel selbst gibt an, dass die Xe-Grafikeinheit bis zu doppelt so schnell rechnet wie die bisherige Iris Plus Graphics und damit sogar schneller ist als dedizierte Grafiklösungen wie die MX350 von Nvidia. Wie hoch die Leistung tatsächlich ausfällt, hängt aber natürlich immer vom jeweiligen Gerät und der vorhandenen Kühlleistung ab, wobei Intel mit Evo einen Nachfolger für Project Athena ins Leben gerufen hat, welches eine bestmögliche Performance garantieren soll.

Leistungseinordnung

Laut Intel selbst soll es der Intel Core i7-1185G7 in realen Anwendungsszenarios und Spielen problemlos mit AMDs Top-Modell, dem Ryzen 7 4800U, aufnehmen können. Wir haben in der folgenden Bildergalerie die Folien der Präsentation von Intel zusammengefasst mit dem Hinweis, dass eine unabhängige Leistungseinordnungen erst möglich ist, wenn die ersten Testgeräte zur Verfügung stehen:

Intel Evo im Detail

Intel Evo Plattform
Vergrößern Intel Evo Plattform
© Intel

Intel verspricht bei Laptops mit Intel Evo Kennzeichnung die bestmögliche CPU und GPU Leistung. Um diese Auszeichnung zu erhalten, müssen sich die Geräte umfangreichen Tests unterziehen und gewisse Kriterien erfüllen. Der Chip-Hersteller legt bei diesen Tests vor allem Wert auf einen lange Akkulaufzeit und konsistente Leistung beim Akkubetrieb sowie eine sofortige Einsatzbereitschaft. Konkret müssen Geräte mit Intel Evo-Plakette in weniger als einer Sekunde aus dem Standby aufwachen. Zudem müssen die Hersteller eine Akkulaufzeit von mindestens neun Stunden bei einem Full-HD-Display gewährleisten und der Akku muss in nur 30 Minuten mindestens soweit geladen sind, um eine vier stündige Verwendung zu ermöglichen. Für eine maximale Leistung der integrierten Xe-LP-Einheit schreibt Intel den Herstellern außerdem vor, Arbeitsspeicher im Dual-Channel zu verbauen. Weitere Voraussetzungen sind die Thunderbolt-4-Schnittstelle, Wi-Fi 6 und ein dünnes, leichtes Design.  

Über 150 neue Laptop-Modelle, davon 20 Intel Evo Produkte

Intel gab während der Präsentation bekannt, dass die Partner mehr als 150 Modelle auf Basis von Tiger Lake planen, wovon 20 Modelle die Intel Evo-Plakette tragen sollen. Die ersten Modelle sollen bereits ab Oktober erhältlich sein, bis zur Weihnachtszeit rechnet Intel mit mehr als 50 Modellen.

Schenker VIA 14
Vergrößern Schenker VIA 14
© Schenker

Die ersten Hersteller haben mittlerweile ihre Produkte angekündigt wie zum Beispiel Schenker mit dem VIA 14 . In dem Ultrabook mit Magnesium-Gehäuse ist eine Tiger-Lake-UP3-CPU (12 bis 28 Watt) verbaut. Es wiegt gerade einmal 1,1 kg bei einer Dicke von nur 16,5 Millimetern. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit langen 14 Stunden beim Surfen im Internet an. Durch Tiger Lake bietet das Gerät Neuerungen wie die PCIe 4.0 Schnittstelle für SSDs, Thunderbolt 4 und ein optionales LTE-Modem. Zum Release ist das VIA 14 zunächst nur mit dem Core i7-1135G7 erhältlich, eine Variante mit dem i5-1135G7 soll später nachfolgen. Der Einstiegspreis liegt laut Schenker bei 1246,75 Euro.

MSi Prestige Evo
Vergrößern MSi Prestige Evo
© MSI

Eines der ersten Geräte mit Evo-Plakette stellt MSI mit dem Prestige 14 Evo vor, das bereits im Oktober erhältlich sein soll. Das Notebook setzt auf ein 15,9 Millimeter dickes Aluminium-Gehäuse und wiegt nur 1,29 Kilogramm. Im Gerät steckt ein Core i7-1185G7 Prozessor zusammen mit einer PCIe Gen 4 SSD. Das Display des Geräts ist 14 Zoll groß und MSI verbaut zwei Thunderbolt-4-Schnittstellen.

PC-WELT Marktplatz

2531474