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Intel, Qualcomm boykottieren Huawei - Infineon aber nicht

20.05.2019 | 14:50 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die US-Chip-Hersteller Intel, Qualcomm und Broadcom liefern laut US-Medienberichten keine Chips mehr an Huawei. Doch Huawei soll vorgesorgt haben. Update: Infineon schließt sich dem Boykott nicht an und liefert größtenteils weiter an Huawei.

Die US-Chip-Hersteller Intel, Qualcomm und Broadcom liefern keine Chips mehr an Huawei. Das berichtet Bloomberg. Intel liefert unter anderem Server- und Notebook-Prozessoren an Huawei. Qualcomm wiederum beliefert Huawei vor allem mit Modem-Prozessoren.

Der Lieferstopp der drei Chip-Giganten trete demnach mit sofortiger Wirkung und bis auf weiteres in Kraft. Auch das US-Unternehmen Xilinx Inc. will laut Bloomberg keine Chips mehr an Huawei liefern. Außerdem sollen die Speicherchip-Produzenten Micron Technology und Western Digital keine Komponenten mehr an Huawei liefern.

Update 14.50 Uhr: Infineon liefert weiter an Huawei

In Deutschland soll sich der Chip-Hersteller Infineon Technologies dem Lieferstopp anschließen, wie Nikkei aus gut informierten Quellen erfahren haben will. Infineon wolle in dieser Woche die Situation intern diskutieren und dann weiter entscheiden. Infineon lieferte bisher Mikrocontroller und Powermanagement-Schaltkreise an Huawei.

Wir haben Infineon um eine Stellungnahme gebeten. Gregor Rodehueser, Pressesprecher von Infineon, antwortete uns folgendermaßen:

„Am 16. Mai 2019 kündigte der US-Handelsminister eine Änderung der US-Exportbestimmungen an (Export Administration Regulations, EAR), wonach die Huawei Technologies Co. (Huawei) und ausländische Tochtergesellschaften von Huawei in die sogenannte Entity List aufgenommen werden.

Aufgrund dieser Bestimmung treten Compliance-Maßnahmen in Kraft, nach denen Infineon die Lieferung von Waren mit Ursprungsland USA beenden muss.

Einige Medien berichten, Infineon habe die Lieferungen an Huawei eingestellt (z.B. Nikkei, 20. Mai, 14.00 JST). Diese Aussage können wir jedoch nicht bestätigen.
 
In allen Märkten, in denen Infineon tätig ist, halten wir uns strikt an alle geltenden gesetzlichen Bestimmungen, Gesetze und Vorschriften. Gleichzeitig unternimmt Infineon alles Erforderliche, um die zuverlässige Erfüllung der Kundenanforderungen zu gewährleisten.

Aktuell unterliegt die überwiegende Mehrheit der Produkte, die Infineon an Huawei liefert, nicht den gesetzlichen Beschränkungen der US-Exportkontrolle. Somit werden diese Lieferungen fortgesetzt.

Mit umfassenden Mechanismen beobachten wir, wo sich in unseren jeweiligen Märkten rechtliche Rahmenbedingungen ändern könnten, so dass Anpassungen in unserer internationalen Lieferkette möglich sind.

Dies ermöglicht es uns, im Bedarfsfall effizient und proaktiv gegenzusteuern, um unsere Lieferfähigkeit wo immer möglich dem Bedarf anzupassen." Zitat und Update Ende

Der Entscheidung der Chip- und Speicher-Hersteller aus den USA ging Googles Entscheidung voran, dass Huawei keinen Zugriff mehr auf Googles mobiles Betriebssystem Android und auf Google Play haben soll. 

Huawei fertigt aber auch eigene Prozessoren und Modem-Chips und könnte einen Boykott vermutlich zumindest teilweise abfangen. Huawei habe Bloomberg zufolge außerdem vorgesorgt und in der Vergangenheit bereits größere Stückzahlen an Prozessoren aufgekauft und diese gelagert. Damit soll der chinesische Smartphone- und Netzwerkgeräte-Hersteller mindestens drei Monate Lieferstopp überbrücken können.

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