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Intel: Nanometer-Angaben bei CPUs immer unwichtiger?

01.04.2021 | 13:09 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Von Intel-nahe Quellen ist zu hören, dass Intel davon abzurücken könnte seine CPUs mit 10 nm, 7 nm, etc. anzupreisen.

Chip-Hersteller wie AMD und Intel haben einen Chip jahrelang durch eine Nanometer-Messung wie 14 nm oder 10 nm definiert, die auch den Herstellungsprozess eines Chips beschreibt. Solche "nm"-Bezeichnungen sind bisher fast so wichtig wie Taktfrequenz, Leistung oder eine der anderen verschiedenen Metriken eines Chips. Intel bereitet sich jedoch möglicherweise darauf vor, sie komplett zu streichen, wie unsere US-Schwesterpublikation PC-WORLD berichtet.

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Das bedeuten die Nanometer-Angaben bei Chips & CPUs

Was bedeutet "Nanometer" in der Halbleiterfertigung? "Nanometer" bezieht sich auf die Größe der einzelnen Transistoren im Inneren des Chips. Je kleiner der Transistor, desto dichter ist der Chip. Kleinere Transistoren bedeuten auch, dass die Chips mit höherer Geschwindigkeit, geringerer Leistungsaufnahme (also einem geringeren Stromverbrauch) oder einer Kombination aus beiden Parametern betrieben werden können. Chiphersteller verwenden Begriffe wie "10 nm" und "7 nm", um die Fertigungstechnologie zu beschreiben, mit der diese Transistoren hergestellt werden, und diese Terminologie hat sich weithin durchgesetzt, um anzuzeigen, was führend ist und was nicht.

Wichtig bei CPUs: Die Nanometer-Angabe

In der Praxis sind Herstellungsprozesse viel komplexer

Im Laufe der Zeit sind die Begriffe jedoch etwas verworren geworden. Insider wissen bereits, dass die "Definition" eines Chip-Herstellungsprozesses tatsächlich von vielen Variablen abhängt, einschließlich der Transistordichte. Intel hat zum Beispiel früher gesagt, dass sein ursprünglicher 14-nm-Prozess eine Transistordichte von 37,5 Megatransistoren (MTr) pro Quadratmillimeter hatte, und dass diese mit seinem 10-nm-Prozess auf 100,8 MTr pro Quadratmillimeter gestiegen sei. Viele halten Intels 10nm-Prozesstechnologie für gleichauf mit TSMCs eigenem 7nm-Prozess, aber die tiefergehenden Details können schon verwirrend sein.

Intel hat natürlich in den letzten Jahren mit Fertigungsproblemen zu kämpfen gehabt und ist selbst bei seinem jüngsten Desktop-Prozessor, dem Rocket Lake S, am 14-nm-Fertigungsknoten hängengeblieben. Intels fortgesetzte Verwendung des Begriffs "14 nm" trägt also sicherlich nicht dazu bei, dass seine Chips aus der Marketing-Perspektive fortschrittlich aussehen.

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Deshalb versucht Intel laut Intel-nahen Quellen sowie The Oregonian offenbar, die Fertigungsterminologie zu ändern oder ganz aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen.

Nanometer-Angabe bei CPUs spielt eine immer unwichtiger Rolle

Sowohl Intel als auch AMD haben außerdem begonnen, Designelemente einzubauen, die die Prozesstechnologie noch weiter verkomplizieren. Intels "Superfin"-Technologie zum Beispiel ist technisch gesehen ein "10 nm"-Prozess, aber die Tweaks und Verbesserungen, die sie bietet, tragen dazu bei, dass Intel in unserem Test fast gleichauf mit AMDs 7-nm-Ryzen-5000-Prozessor ist. Intels Foveros und AMDs verwandte Chiplet-Technologie platzieren völlig unterschiedliches Silizium im selben Gehäuse, das als ein einziges, monolithisches Produkt getestet wird.

Es gibt immer noch messbare, konkrete Unterschiede zwischen AMDs Ryzen und Intels Core sowie Samsungs Exynos und Qualcomms Snapdragon auf technischer Ebene, und diese Unterschiede sind erheblich genug, um Streit unter Elektroingenieuren und Hardcore-Enthusiasten zu provozieren.

Das bleiben die wichtigsten CPU-Eigenschaften für Verbraucher!

Langjährige Chip-Nerds erinnern sich vielleicht noch an eine Zeit in den späten 1990er Jahren, als AMD, Cyrix, SGS-Thomson und andere das Konzept der "Performance-Ratings" entwickelten - mit dem Argument, dass ihre Chips zwar mit niedrigeren Taktraten liefen, aber genauso schnell waren wie die 386er- und 486er-Chips, die Intel damals vermarktete. Es ist eine gewisse Ironie, wenn Intel andeutet, dass es jetzt die gleiche Strategie anwenden könnte.

Was Intel jedoch zu sagen scheint, ist, dass der Herstellungsprozess jetzt Marketing ist. Vielleicht ist es das, bis zu einem gewissen Grad. Aber was sich nicht geändert hat, sind Metriken wie Leistung, Preis und wie gut ein bestimmter Prozessor in verschiedenen Anwendungen läuft. Diese werden konstant bleiben und sollten ausschlaggebend dafür sein, welchen Prozessor man kauft.

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