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Intel Arc Alchemist Grafikkarten: Alles zu Performance, Preis und Release der GPUs

23.06.2022 | 13:19 Uhr | Sebastian Schenzinger

Intel will ein Stück des Grafikkarten-Kuchens abhaben und steigt 2022 mit der GPU-Sparte Arc in den Markt ein. Die ersten mobilen Ableger sind schon vor ein paar Monaten gelauncht und die ersten Desktop-GPU seit kurzem in China erhältlich. Wann es die Karten nach Europa schaffen und wie viel sie kosten sollen. ist noch unbekannt. Wir fassen alle Informationen zusammen.

Es fühlt sich etwas seltsam an, Intel als Neuling oder Underdog zu bezeichnen, aber nichts anderes war der Hersteller, als er Ende März in den dedizierten Grafikkartenmarkt eingestiegen ist, um den Platzhirschen Nvidia und AMD Konkurrenz zu machen. Zunächst sind jedoch nur die Einsteigermodelle für den Mobilbereich gelauncht worden, am 22. Juni folgte mit der Intel Arc A380 die erste Desktop-Grafikkarte nach, der Release erfolgte jedoch nur in China. Über die zugrunde liegende Architektur hat Intel im Zuge des Architecture Day 2021 (zum  Artikel)  bereits einige Details verraten. So sollen sich die GPUs aus skalierbaren X e Cores zusammensetzen und sowohl Raytracing als auch die hauseigene X Super Sampling Funktion beherrschen. In puncto Performance können die ersten GPUs nur bei synthetischen Benchmarks überzeugen, bei Spielen scheinen die Treiber noch sehr schlecht optimiert sein, weshalb die Arc Grafikkarten hinter der Konkurrenz zurückfallen.

Wann ist der Release der ersten Intel Arc Grafikkarten?

Wohingegen es für die  RTX-4000-Grafikkarten alias Ada Lovelace (zum Artikel)  noch keinen konkreten Release-Termin gibt und AMD für die  RX-7000-GPUs alias Navi 3X (zum Artikel)  nur 2022 angibt, ist der Launch von Intels ersten dedizierten Arc Modellen bereits erfolgt. Zunächst waren nur die beiden mobilen Einsteiger-GPUs Arc A350M und Arc A370M erhältlich, ehe am 22. Juni die Arc A380 Desktop-GPU nachfolgte, die bisher jedoch nur in China erhältlich ist. Alle Infos zu den beiden Mobil-GPUs und was deren Release für Gamer bedeutet, haben wir für Sie in einem separaten Artikel zusammengefasst. Wann es die Desktop-GPUs nach Europa schaffen, bleibt fraglich. Das ursprünglich angepeilte zweite Quartal gilt wohl nur für Asien, ehe im dritten Quartal die Workstation-GPUs nachfolgen sollen. Intels CEO Pat Gelsinger hat im Zuge des letzten Finanzberichts diesen Release-Zeitplan noch einmal bestätigt.

Roadmap der Intel Arc Alchemist GPUs
Vergrößern Roadmap der Intel Arc Alchemist GPUs
© Intel

Die erste Generation läuft unter dem Codenamen "Alchemist" - ehemals Intel DG2 - und basiert auf der Xe HPG-Architektur. Damit ändert Intel nicht nur sein  Naming der Fertigungsprozesse (zum Artikel) , sondern auch die Benennung der Grafikkarten. Die Namen der nach Alchemist folgenden Generationen hat Intel ebenso bereits enthüllt: "Battlemage", "Celestial" und "Druid". Kurzum alles Namen, die wir aus dem ein oder anderen Computerspiel kennen in alphabetischer Reihenfolge, da kommen Erinnerungen an Android hoch. Battlemage ist laut den Gerüchten bereits für das Jahr 2023 geplant. Die Arbeiten an dessen Nachfolger Celestial haben ebenfalls schon begonnen.

Bezüglich der Verfügbarkeit hat Intel selbst angegeben, dass man damit plane, im Jahr 2022 mehr als 4 Millionen dedizierte Arc Alchemist GPUs zu verkaufen. Zur Einordnung: AMD und Nvidia haben im Jahr 2021 zusammen 12,7 Millionen Grafikkarten ausgeliefert. Unterdessen arbeitet der Hersteller auch an dem sogenannten "Projekt Endgame", welches Gamern Arc GPUs bereits Ende 2022 als Service anbieten soll, was nach einem vergleichbaren Angebot zu Nvidias GeForce Now klingt.

Intel Arc Alchemist - der X e-Core im Detail und Performance-Einschätzung

Aufbau von Intel Arc Alchemist: Der Alchemist SoC, Intels erste GPU unter dem Arc Branding, basiert auf der X e  HPG Architektur. Ein X e  Core selbst setzt sich aus 16 Vektor-Engines à 256 bit und 16 Matrix-Engines mit jeweils 1024 bit zusammen. Das sogenannte X e  HPG Render Slice besteht wiederum aus vier solchen X e  -Cores. Dazu gesellen sich vier Raytracing Einheiten zur Strahlenberechnung in Echtzeit. Oben drauf kommen noch vier Sampler Blöcke für die Texturen, ein Block mit den Geometrie-Einheiten und ein Block mit den Einheiten für die Rasterisierung. X e  HPG, also der Grafikchip selbst, baut sich wiederum aus bis zu acht Render Slices auf. Zur Kommunikation zwischen den Slices dient die Memory Fabric mit geteiltem L2-Cache. Laut Intel soll sich der Takt von X e  HPG im Vergleich zu X e  LP bei gleicher Spannung um 50 Prozent erhöhen. Das gleiche gilt auch für den Performance-pro-Watt-Vergleich, hier soll sich die Leistung ebenso um 50 Prozent erhöhen. 

Für die Herstellung der Grafikchips setzt Intel tatsächlich nicht auf seine eigene Fertigung, sondern auf TSMCs N6 Node. In einem Interview, das das japanische Magazin ASCII (zur Webseite) mit Raja Koduri - dem Leiter von Intels GPU-Sparte - führte, äußerte sich dieser folgendermaßen: "[....] Diese drei, d.h. die Kosten, Performance und Kapazität, werden bei der Entscheidung über das zu verwendende Verfahren berücksichtigt. "Mit anderen Worten: Das erste Produkt, Alchemist, hatte die beste Bilanz beim N6 von TSMC."  In dem Interview stellt Koduri außerdem klar, dass es abgesehen von Intels Referenzdesigns auch Custom Designs der Boardpartner geben wird.

Keine High-End GPU:  Zu den Arc Alchemist Desktop Grafikkarten geistern schon seit langem Gerüchte durch das Internet. Mittlerweile scheint gesichert, dass es zwei unterschiedliche Grafik-Chips geben wird, nämlich den ACM-G10 und den ACM-G11, auf deren Basis Intel sieben bis acht Modell auf den Markt bringen will. Die Seite Videocardz hat die Gerüchte zu diesen GPUs in einem Beitrag zusammengefasst. Demnach gelten sieben Grafikkarten als gesichert, hinter der achten steht noch ein Fragezeichen. Hinter diesem letzten Ableger könnte die von Intel bereits geleakte Limited Edition stecken. So war nämlich im offiziellen Vorstellungsvideo von Intel Arc ab Minute 18:05 eine Limited Edition SKU zu sehen, welche im Sommer auf den Markt kommen soll. Hierbei ist es gut möglich, dass dieses Modell nur über Intel und nicht über die Board-Partner erhältlich sein wird. Möglicherweise handelt es sich dabei auch um die A780 getaufte GPU, welche Anfangs in Leaks aufgetaucht ist, in den jüngsten Gerüchten dann jedoch verschwunden ist. Im Zuge der Intel Extreme Masters (IEM) in Dallas hat Intel eben diesen Grafikkarte erstmals in einem Showkasten ausgestellt. 

Eben diese GPU könnte in einem weiteren Video von Intel aufgetaucht sein und zwar in der Vorstellung von Intels Arc Control Software  - wir berichteten . So waren während des Videos kurzzeitig Informationen zu einer Grafikkarte mit einer Leistungsaufnahme von 175 Watt zu sehen. Für eine Mobil-GPU ist das zu viel, zumal die Software nur die reine Leistungsaufnahme des Grafik-Chips ausliest. Zusammen mit dem Videospeicher, den Spannungswandlern, den Lüftern und Leckströmen dürften daraus schnell 225 Watt oder mehr werden. Die Taktrate der GPU lag indes bei 2.250 MHz und der Speichertakt bei 1.093 MHz. Das lässt auf eine Transferrate des GDDR6 Videospeichers von 17,5 Gbps schließen. Die FP32-Rohleistung der Karte dürfte in Anbetracht der Kenngrößen bei 18,4 Teraflops liegen. Damit könnte sich die GPU in etwa auf einem Performance-Level mit Nvidias RTX 3070 Ti (zum Testbericht) einordnen. 

Zu den weiteren GPUs ist bekannt, dass die A770 in zwei Varianten erhältlich sein soll, nämlich einerseits mit 16 GB GDDR6 Videospeicher und andererseits mit nur 8 GB GDDR6 VRAM. Beide Modelle sollen auf den Vollausbau des ACM-G10 mit 32 X e -Cores und 4.096 FP32-Einheiten setzen sowie über ein 256-bit Speicher-Interface verfügen. Die Performance dürfte gemäß den Gerüchten in etwa auf einem Level mit der RTX 3070 (zum Testbericht) liegen. Darunter ist die A750 angesiedelt, welche auf den gleichen Grafik-Chip setzt, jedoch auf 24 X e -Cores beschnitten ist. Daraus resultieren noch 3.072 FP32-Cores, denen 12 GB Videospeicher an einem 192-bit Speicherbus zur Seite steht. Der Performance der GPU soll mit der RTX 3060 (zum Testbericht) vergleichbar sein. 

Der kleinste ACM-G10 Ableger setzt auf den halbierten Grafikchip mit nur noch 16 aktiven X e -Cores und 2.048 FP32-Units zusammen mit 8 GB Videospeicher und einem 128-bit Speicher-Interface. Intel peilt für diese Grafikkarte wohl die Performance der RTX 3050 (zum Testbericht) an. Alle darunter angesiedelten GPUs sollen auf den ACM-G11 Grafikchip setzen. Dieser bietet nur noch acht X e -Cores und daraus resultierend bis zu 1.024 Shader-Einheiten. Der Vollausbau soll in der A380 zum Einsatz kommen gepaart mit 6 GB GDDR6 Videospeicher an einem 96-bit Speicherbus. Die Performance wird in etwa auf einem Level mit Nvidias GTX 1650 respektive AMDs RX 6400 erwartet. Darunter rangieren noch die A350 sowie de A310 mit jeweils sechs respektive vier X e -Cores und 768 beziehungsweise 512 Shadern. Beiden Grafikkarten stehen 4 Gigabyte Videospeicher an einem 64-bit Speicher-Interface zur Verfügung. Die Gaming-Leistung dieser beiden Modelle dürfte sehr überschaubar ausfallen. 

Das würde aber auch bedeuten, dass Intel den absoluten High-End-Bereich wohl erst einmal außen vorlässt und sich auf die Mittelklasse und das Einsteigersegment fokussiert. Mit dem Release des Nachfolgers Battlemage soll sich das 2023 wohl ändern.

Erste Testergebnisse sind enttäuschend:  Am 22. Juni ist das Embargo der Intel Arc A380 gefallen, welche zunächst jedoch nur in China erhältlich ist. Laut den ersten Testberichten kann die Intel GPU nur bedingt überzeugen. Wie bereits oben schon geschrieben, ist im Vorfeld in etwa die Performance einer RX 6400 oder GTX 1650 erwartet worden. Gemäß eines Reviews von  Shenmedounengce via bilibili  liegt die Arc A380 im 3DMark Firestrike mit einem Score von 11005 rund 1000 Punkte vor der GTX 1650 und 400 Punkte hinter der RX 6400. Im DirectX 12 Test kann die Intel Grafikkarte die Konkurrenz mit 5170 zu 3620 respektive 3650 Punkte deutlich schlagen und im Port Royal schneidet die Arc A380 nahezu doppelt so gut ab wie die RX 6400. 

Die rohe Rechenleistung scheint zu stimmen, bei den Spieletests zeigt sich dann ein ganz anderes Bild. Die Tests erfolgten mit einem Core i5-12400 auf einem B660-Mainboard und DDR4-RAM in den Spielen LoL, PUBG, GTA5, Shadow of the Tomb Raider, Forza Horizon 5 und Red Dead Redemption II in 1080p-Auflösung. In keinem der getesteten Spiele reicht die Performance der Arc A380 an die der Konkurrenz heran. Im besten Fall performt die Intel GPU sieben Prozent langsamer als die GTX 1650, im schlimmsten Fall beträgt der Rückstand 24 Prozent. Intel scheint hier massiv mit der Treiberoptimierung zu kämpfen, was vermutlich auch der Grund sein dürfte, warum sich der Release immer weiter nach hinten verschiebt und die A380 zunächst nur in China erhältlich ist. In Anbetracht der ersten Tests, müssen wir unsere Erwartungen an die Alchemist GPUs unter Umständen etwas zurückschrauben, sollte Intel die Treiberprobleme nicht zeitnah in den Griff bekommen.

Raytracing und XeSS: Bei einem Versuch von Digital Foundry (zur Webseite)  in einem Interview mit Tom Petersen von Intel mehr Informationen bezüglich der Performance zu erhalten, ist der Hersteller ausgewichen:  "Aber ich kann sagen, dass es sich bei Alchemist in erster Linie um eine 'full-featured Gaming-GPU' handelt, oder? Daran bestehen keinerlei Zweifel. Es ist auch keine Einsteiger-GPU, sondern definitiv eine konkurrenzfähige GPU. Sie verfügt über alle Funktionen, die es für Spiele der nächsten Generation braucht. Ich bin also, ohne über die Leistung zu sprechen, ziemlich begeistert davon."

Von welchen Funktionen Petersen hier gesprochen hat, ist bereits bekannt. So sollen die kommenden Grafikarten nicht nur Support für Mesh Shader, Sampler Feedback und Raytracing bieten, sondern auch eine eigene Super Sampling Funktion, die auf eine künstliche Intelligenz zurückgreifen kann. Intels Ansatz läuft unter dem Namen X e  Super Sampling und gleicht dem Ansatz von Nvidias DLSS durch die Berücksichtigung von temporalen Bildinformationen und dem Einsatz eines neuronalen Netzwerks. 

In einem weiteren Interview (zu Wccftech) zwischen dem CEO von Intel Pat Gelsinger und dem Finanzanalysten Pierre Ferragau äußerte sich Gelsinger folgendermaßen:  „Mit unserer GPU-Architektur werden wir Nvidia zum ersten Mal wirklich unter Druck setzen können.“ Wir sind äußerst gespannt, ob es Intel gelingen wird, den Grafikkartenmarkt aufzumischen, der gerade im High-End-Bereich schon seit langem nicht mehr so umkämpft war, wie das aktuell der Fall ist wie unser Grafikkartenvergleich (zum Artikel) beweist.

Alle Leaks zusammengefasst:  In der folgenden Tabelle haben wir alle Gerüchte bezüglich den Spezifikationen der Intel-Arc-GPUs zusammengefasst:

A780

A770

A750

A580

A380

A350

A310

Grafik-Chip

ACM-G10

ACM-G10

ACM-G10

ACM-G10

ACM-G11

ACM-G11

ACM-G11

Xe-Cores

32

32

24

16

8

6

4

FP32-Einheiten

4096

4096

3072

2048

1024

768

512

Chip-Takt

2200 MHz

n.a.

n.a.

n.a.

2000 MHz

n.a.

n.a.

Videospeicher

16 GB GDDR6X

8/16 GB GDDR6

12 GB GDDR6

8 GB GDDR6

6 GB GDDR6

4 GB GDDR6

4 GB GDDR6

Speichertakt

17,5 GB/s

n.a.

n.a.

n.a.

15,5 GB/s

n.a.

n.a.

Speicherbus

256-bit

256-bit

192-bit

128-bit

96-bit

64-bit

64-bit

TDP

200 Watt

n.a.

n.a.

n.a.

75 Watt

n.a.

n.a.

FP32-Performance

18,02 TFLOPs

n.a.

n.a.

n.a.

4,0 TFLOPS

n.a.

n.a.

Release

Sommer

n.a.

15. Mai - 30. Juni

Juli

15. Mai - 30. Juni

n.a.

n.a.

Vergleichbare Performance

RTX 3070 Ti

RTX 3070

RTX 3060

RTX 3050

GTX 1650

n.a.

n.a.

Preis

n.a.

n.a.

350$

280$

150$

n.a.

n.a.

Wie viel werden die Intel Arc GPUs kosten?

Zu den Straßenpreisen hat Wccftech etwas in Erfahrung bringen können. So soll die mit der RTX 3060 konkurrierende A750 für einen UVP von 350 US-Dollar an den Start gehen, Nvidias GPU kostet im Vergleich dazu offiziell 330 US-Dollar, hierzulande sind im Preisvergleich jedoch mindestens 408 Euro fällig. Die UVP der A580 soll wiederum 280 US-Dollar betragen, die konkurrierende RTX 3050 listet Nvidia offiziell ab 280 US-Dollar, wobei der günstigste Preis in Deutschland derzeit bei 319 Euro liegt. Der kleinste Ableger, die A380, soll schließlich für 150€ starten, was exakt der UVP der GTX 1650 entspricht, welche aktuell mindestens 199 Euro kostet. In China, wo die Arc A380 bereits veröffentlicht worden ist, gibt Intel einen UVP von 1030 Yuan an, was nach aktueller Umrechnung 146 Euro entspricht, inklusive Mehrwertsteuer würden daraus 174 Euro resultieren. Fraglich bleibt, ob die GPUs wirklich zu diesem Preis angeboten werden können oder ob die Händlerpreise deutlich höher liegen werden. Sollten die Preise eingehalten werden und die Performance-Angaben von Intel stimmen, dann dürften die ersten Arc-GPUs aus Preis-Leistungs-Sicht überaus interessant werden., zumindest was die Performance betrifft, gibt es nach den ersten Tests jedoch große Fragezeichen.

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