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Insider enthüllt: Darum verlor Windows seinen ikonischen Startsound

01.06.2021 | 13:29 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Wissen Sie, warum Windows mit Windows 8 seine ikonischen Startmelodie verloren hat? Der verantwortliche Teamleiter von Windows 8 verrät jetzt den Grund: "Why I Killed the Windows Startup Sound".

Jensen Harris arbeitete ab Mai 1998 rund 16 Jahre lang für Microsoft. Er führte unter anderem das Team, das die Benutzeroberfläche für Windows 8 und Windows 8.1 schuf – Windows 8 gehört bekanntlich zu den weniger beliebten Windows-Betriebssystemen, das nie aus dem Schatten von Windows 7 heraustreten konnte und schließlich durch das deutlich beliebtere Windows 10 abgelöst wurde.

Harris hat auf seinem erst drei Monate alten Youtube-Kanal ein rund 15 Minuten langes Video veröffentlicht. Es trägt den Titel „Why I Killed the Windows Startup Sound“.

Kurz zusammengefasst geht die Geschichte folgendermaßen:

Die Geschichte des Windows-Startsounds beginnt mit Windows 3.11, das 1992 erschien. Damals standen endlich gute Soundkarten für PCs zur Verfügung, mit denen das Abspielen von Musik und anspruchsvolleren Tönen als nur Piepen auf PCs möglich wurde. Das nutzte auch Microsoft und verpasste Windows 3.11 eine eindeutig identifizierbare Tonsequenz, die beim Systemstart abgespielt wurde und dem Nutzer signalisierte, dass Windows gestartet war und nun der Nutzer mit der Arbeit loslegen konnte. In dem Video von Harris hört man den Windows-3.11-Sound bei Minute 5.07.

Mit Windows 95, so Harris, wurde das Thema Sound für einen PC endgültig unverzichtbar. Folgerichtig stattete Microsoft Windows 95 mit einem neuen unverwechselbaren Startsound aus. Diesen hören Sie in dem Youtube-Video von Harris bei Minute 5.57. Zusätzlich besaß Windows 95 eine Fülle von weiteren Soundeffekten, beispielsweise für Systemereignisse oder Hinweise beziehungsweise Fehlermeldungen.

Jede neue Windowsversion, wie beispielsweise Windows 98, hatte also nun einen eigenen neuen Startsound, der anzeigte, dass der Startvorgang abgeschlossen und Windows bereit war für den Nutzer. Mit Windows ME und XP wurde das Startsounderlebnis noch umfassender, weil die kurze Melodie nun den Begrüßungsbildschirm für den Nutzer einrahmte. Der Sound von Windows Vista, das nicht wirklich die Herzen der Windows-Nutzer erobern konnte, wurde sogar für dessen viel erfolgreicheren Nachfolger Windows 7 übernommen, weil die Tonfolge bestens zur Bootsequenz von Windows passte.

Dann kam das Jahr 2008. Die Arbeiten an Windows 7, das dann 2009 erschien, waren mehr oder weniger abgeschlossen, bei Microsoft beschäftigte man im Rahmen der Entwicklung der nächsten Windowsversion mit der Frage: wie und wo nutzen Menschen künftig ihren Rechner? Denn die Zeit der Dominanz der riesigen Desktop-PC-Kästen war vorbei, stattdessen wurden Laptops und Netbooks wichtiger; deren Verkaufszahlen stiegen unaufhörlich. Jetzt startete Windows also immer öfter an vielen Orten außerhalb der eigenen vier Wände oder - falls doch zu Hause - dann nicht mehr im Arbeitszimmer, sondern im Bett oder auf der Couch. Das war ganz anders als noch zu Zeiten von Windows 3.11. Deshalb entschloss sich Microsoft im Jahr 2008 zu einer "mobile first"-Strategie und begann eine Touch-fähige Oberfläche für Windows zu entwickeln.

In dieser Zeit hatte Jensen Harris ein Schlüsselerlebnis: Harris saß mitten in der Nacht neben seinem schlafenden Baby und wollte gerade sein Macbook hochfahren um etwas im Web zu surfen. Da fragte er sich plötzlich: Habe ich nun den Sound des Macbooks auf „mute“ (stumm) gestellt oder nicht? Er wusste es nicht mehr. Ihm wurde klar: Er hatte beim Drücken auf den Ein-Button des Macbooks eine 50:50-Chance, ob das Macbook mit einem lauten Ton startet oder nicht. Und in ersterem Fall seine schlafende Frau samt Baby aufweckt. Deshalb ließ er sein Macbook aus und verzichtete auf das Surfen.

In dieser Nacht wurde ihm also klar: Ein Startsound ist in vielen Szenarios unbrauchbar oder störend. Und er beauftragte 2010 sein Team damit den ikonischen Startsound aus Windows 8 zu entfernen, wie Harris hier auch twittert.

Harris bereute seine Entscheidung - aber es war zu spät

Später änderte Harris seine Meinung und wollte noch eine Möglichkeit einbauen lassen, mit der der Anwender selbst entscheiden können sollte, ob er einen Startsound hören wollte oder nicht. Doch da war es bereits zu spät: Den dafür nötigen Code im Startprozess von Windows hatten die Entwickler bereits entfernt, um den Bootvorgang zu beschleunigen.

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