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Ingenuity: NASA lädt Mars-Helikopter im All auf

17.08.2020 | 10:15 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die NASA schickt einen Helikopter zum Mars. Jetzt hat die NASA die Akkus des „Ingenuity Mars Helicopters“ im Weltall aufgeladen.

Update 17.8.2020: Die NASA hat die Akkus des 2 Kilogramm schweren Mars-Helikopters Ingenuity am 7. August 2020 zum ersten Mal aufladen lassen. Das Aufladen der Akkus erfolgte während des Fluges zum Mars, also im Weltraum. Bei dieser Gelegenheit wurde der Mars-Helikopter das erste Mal seit dem Start am 30. Juli 2020 angeschaltet und die Technik auf die grundsätzliche Funktionsfähigkeit überprüft.

Die Überprüfung aus der Ferne dauerte acht Stunden. Der Mars-Helikopter besitzt sechs Lithium-Ionen-Akkus. Deren Ladestand wurde auf 35 Prozent der Akkukapazität gebracht. Die NASA-Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein niedriger Ladestand für die Akku-Gesundheit auf der langen Reise zum Mars ideal sei.

Der Ingenuity Mars Helicopter befindet sich auf dieser Aufnahme zwischen dem linken und dem zentralen Rad des Marsrovers Perseverance.
Vergrößern Der Ingenuity Mars Helicopter befindet sich auf dieser Aufnahme zwischen dem linken und dem zentralen Rad des Marsrovers Perseverance.
© NASA/JPL-Caltech

Alle zwei Wochen wollen die NASA-Ingenieure nun dieses testweise Einschalten und teilweises Aufladen von Ingenuity wiederholen. Derzeit befindet sich Ingenuity im Bauch des Marsrovers Perseverance. Den Strom für seine Akkus erhält Ingenuity vom Marsrover.

Sobald Perseverance auf dem Mars gelandet ist und Ingenuity ausgesetzt hat, lädt der Mars-Helikopter seine Akkus nur noch mit seinen eigenen Solarzellen auf. Update Ende

Ingenuity (englisch für Einfallsreichtum, Genialität) startet mit der gleichen Atlas-V-Rakete von der Cape Canaveral Air Force Station in Florida, mit der auch der Mars-Rover Perseverance zum Mars fliegt. Frühestens Ende Juli 2020 soll die Atlas V mit dem Mars-Rover und der Helikopterdrohne an Bord Richtung Mars abheben.

Der Ingenuity Mars Helicopter wiegt 1,8 Kilogramm. Er bewegt sich mit zwei Rotoren mit insgesamt vier aus Karbonfaser gefertigten Rotorblättern fort, die mit rund 2400 Umdrehungen laufen. Zur Stromversorgung dienen Solarzellen und Akkus. Wissenschaftliche Messinstrumente sind dagegen keine in Ingenuity verbaut, weil der Flugroboter noch nicht messen soll, sondern nur der Erprobung eines flugfähigen Fahrzeugs dient.

So soll der Ingenuity Mars Helicopter während des Flugs aussehen.
Vergrößern So soll der Ingenuity Mars Helicopter während des Flugs aussehen.
© NASA/JPL-Caltech

Angesichts der extrem dünnen Atmosphäre dürften die Flugbedingungen erheblich erschwert sein, weil dem Flugroboter der auf der Erde übliche Auftrieb fehlt. Deshalb muss Ingenuity so leicht sein und so schnell drehende und zudem große Rotoren besitzen.
Außerdem wird es im Jezero Crater, wo Perseverance zusammen mit Ingenuity landet, extrem kalt sein. Nachts werden dort Temperaturen von minus 90 Grad Celsius erreicht. Auch das setzt dem Fluggefährt zu.

Der Roboterhelikopter ist außerdem so weit von der Erde entfernt, dass man ihn von dort nicht zeitnah fernsteuern kann. Die NASA-Ingenieure müssen ihre Fluganweisungen also im Voraus planen und ihrerseits auf Daten von Ingenuity reagieren, die erst mit einiger Verzögerung eintreffen. In der Zwischenzeit muss Ingenuity autonom über den Mars fliegen. Und sich zudem selbstständig seine Akkus aufladen und sich warmhalten, damit er nicht einfriert.

Sollte der erste Testflug nach der Landung auf dem Mars erfolgreich verlaufen, planen die NASA-Forscher bis zu vier weitere Testflüge innerhalb eines 30-tägigen Zeitraums. Jeder Flug soll einige Minuten dauern und der Roboter soll dabei bis zu zehn Meter hoch fliegen.

Das letztendliche Ziel von Ingenuity: Die NASA will damit ausreichend Erfahrung für künftige Flüge auf dem Mars sammeln. Damit später Robotersonden über den Mars fliegen und dabei wissenschaftlicher Forschungen durchführen und Erkundungen anstellen können. Besonders spannend dürften hochauflösende Fotos sein, die derartige Flugdrohnen von der Marsoberfläche erstellen und zur Erde senden. Denn die Flugdrohnen können auch Marsbereiche erforschen, die für einen rollenden Marsrover aufgrund schwierigen Geländes unerreichbar sind.

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