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Ingenuity: Marshubschrauber braucht neue Software

13.04.2021 | 09:59 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die NASA hat den Grund für die Probleme des Mars-Hubschraubers gefunden. Jetzt bekommt Ingenuity ein Software-Update - über 417 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

Update 13.4.: Die NASA hat den Grund dafür gefunden, dass das zuständige Überwachungsprogramm von Ingenuity am 9. April 2021 einen Rotor-Testlauf unterbrochen hat. Die NASA-Ingenieure wollen das Softwareproblem nun durch eine Neuinstallation der Flugüberwachungssoftware samt kleinerer Modifikationen daran lösen.

Bis die modifizierte Software aber auf Ingenuity hochgeladen ist, wird es einige Zeit dauern. Derzeit entwickeln die Wissenschaftler gerade einen neuen Zeitplan für den nächsten Hochgeschwindigkeitstest der Rotorblätter und den anschließenden ersten Flug.

Die NASA kann das Software-Update nicht direkt auf Ingenuity aufspielen, sondern muss es via Marsrover bis zu Ingenuity schicken. Und das alles in über 417 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde. Erst wenn die neue Software vollständig auf Ingenuity installiert ist, kann die NASA den Marshubschrauber auf seinen ersten Flug vorbereiten. Das dürfte nächste Woche der Fall sein. Dann wird Ingenuity Geschichte schreiben: Der erste Flug eines Fahrzeugs über den Mars. Update Ende

Die NASA hat den ersten Flug von Ingenuity auf frühestens den 14. April 2021 verschoben. Diese Entscheidung fiel, nachdem die Wissenschaftler die zur Erde übermittelten Daten von den bisherigen vorbereitenden Flugtests ausgewertet haben, wie die NASA mitgeteilt hat.

Diese Daten trafen Freitagnacht bei der NASA ein. Dabei zeigte sich, dass ein Überwachungsprogramm (der sogenannte „Watchdog Timer“) den Test der Rotoren abgebrochen hatte. Das passierte, als das Steuerungsprogramm den Flugcomputer vom „Pre-Flight“-Modus auf den „Flight“-Modus umstellen wollte. Der „Watchdog Timer“ überwacht die Befehlsabfolge und warnt das System vor allen potenziellen Problemen.

Die Rotoren waren dabei erstmals mit hoher Geschwindigkeit gelaufen. Also deutlich schneller als bei dem ersten Drehversuch überhaupt, als die Rotoren mit gerade einmal 50 Umdrehungen pro Minute liefen: Ingenuity-Mars-Hubschrauber bewegt seine Rotorblätter. Für den tatsächlichen Flug werden sich die Rotoren mit bis zu 2.537 Umdrehungen pro Minute drehen müssen.

Die NASA betont, dass Ingenuity nichts passiert sei und es dem Mars-Hubschrauber gut ginge. Er sende nach wie vor alle seine Telemetriedaten zur Erde. Das Ingenuity-Team untersucht nun die Telemetriedaten, um den Grund für den vorzeitigen Abbruch zu verstehen. Danach würde der Test fortgesetzt.

Ursprünglich war der erste Testflug für den 11. April 2021, also den gestrigen Sonntag, geplant. Der erste Testflug soll folgendermaßen ablaufen: Der autonome Mini-Hubschrauber wird mit einer Geschwindigkeit von 1 Meter pro Sekunde auf eine Höhe von bis zu 3 Meter steigen und dort für bis zu 30 Sekunden bleiben. Dann landet Ingenuity wieder auf dem Mars.

Der Marsrover Perseverance beobachtet den Flug aus einiger Entfernung. Er soll dann einige Stunden später die während des Flugs von Ingenuity erfassten Daten zur Erde schicken; die Übermittlung erfolgt über den "Mars Reconnaissance Orbiter" in der Umlaufbahn des Mars. Vielleicht befinden sich darunter auch schon die ersten Fotos und ein Video, die von der Navigationskamera des Rovers sowie von dessen zoombarer Mastcam-Z aufgenommen werden.

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