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Infineon übernimmt US-Konkurrenten für 9 Milliarden Euro

03.06.2019 | 13:19 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Infineon will den US-Konkurrenten Cypress für neun Milliarden Euro übernehmen. Das wäre die größte Übernahme in der Geschichte von Infineon.

Der deutsche Chip-Hersteller Infineon Technologies will den US-Halbleiterproduzenten Cypress Semiconductor Corp. übernehmen. Das teilte Infineon heute mit. Beide Unternehmen haben heute einen Vertrag unterzeichnet, demzufolge Infineon Cypress für 23,85 US-Dollar je Aktie in bar erwerben wird. Das entspricht einem Unternehmenswert von 9,0 Milliarden Euro. Der Angebotspreis entspricht laut Infineon einer Prämie von 46 Prozent auf den unbeeinflussten 30-tägigen volumengewichteten Durchschnittskurs im Zeitraum vom 15. April bis 28. Mai 2019, dem letzten Handelstag vor Medienberichten über einen potenziellen Verkauf von Cypress.

Infineon zufolge würden sich die Produktportfolios beider Unternehmen ergänzen. Infineon will damit vor allem in den „wachstumsstarken Zielmärkten Automotive, Industrie und Internet der Dinge (IoT)“ expandieren.

Cypress verfügt über ein Portfolio an Mikrocontrollern sowie Software und Connectivity-Komponenten, wodurch die Halbleiter, Sensoren und Sicherheitslösungen von Infineon ergänzt werden sollen. Die Kombination würde Infineon zufolge fortschrittliche Lösungen für wachstumsstarke Anwendungen wie elektrische Antriebe, batteriebetriebene Geräte und Stromversorgung ermöglichen. Die Verbindung der Sicherheits-Expertise von Infineon mit dem Connectivity-Knowhow von Cypress soll den Eintritt in neue IoT-Anwendungen im Industrie- und Consumer-Segment beschleunigen. Bei Automobilhalbleitern soll das erweiterte Portfolio an Mikrocontrollern und NOR-Flash-Speichern Potenzial insbesondere mit Blick auf deren wachsende Bedeutung für Fahrer-Assistenzsysteme und neue Elektronikarchitekturen im Fahrzeug bieten. Infineon will durch die Übernahme eines US-Halbleiter-Herstellers auch seine Präsenz in den USA und seinen Marktanteil im japanischen Markt stärken.

Zudem erhofft sich Infineon bis zum Jahr 2022 Kostensynergien in Höhe von jährlich 180 Millionen Euro und langfristig mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr an Umsatzsynergien. Mit erfolgter Integration will Infineon sein Zielgeschäftsmodell entsprechend anpassen. Ab dann geht das Unternehmen über den Zyklus von einem Umsatzwachstum von 9+ Prozent und einer Segmentergebnis-Marge von 19 Prozent aus. Die Investitionsquote bezogen auf den Umsatz sinke auf 13 Prozent. So weit die Prognosen von Infineon - ob es tatsächlich so kommt, bleibt abzuwarten.

Gemessen am Pro-Forma-Umsatz von 10 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2018 steigt Infineon durch die Übernahme zur Nummer Acht unter den weltweiten Chip-Herstellern auf. Neben seiner heutigen Position bei Leistungshalbleitern und Sicherheits-Controllern wird das Unternehmen durch die Übernahme laut eigenen Angaben zur Nummer Eins bei Chips für den Automobilmarkt.

Für die Bezahlung der Akquisition habe ein Bankenkonsortium verbindliche Finanzierungszusagen erteilt. Infineon beabsichtigt, die Übernahme letztlich zu rund 30 Prozent durch neues Eigenkapital sowie die restliche Summe aus neuem Fremdkapital und vorhandenen Barmitteln zu finanzieren, ohne die strategische Liquiditätsreserve anzutasten.

Die Akquisition bedarf noch der Zustimmung der Aktionäre von Cypress und der zuständigen Aufsichtsbehörden sowie der Erfüllung weiterer üblicher Bedingungen vor Closing. Das Closing wird Ende des Kalenderjahres 2019 oder Anfang 2020 erwartet.
Cypress bezeichnet sich als Marktführer bei Embedded-Lösungen mit Mikrocontrollern, drahtlosen und USB-basierten Konnektivitätslösungen, analogen ICs und Hochleistungsspeichern für Automobil-, Industrie- und Haushaltsanwendungen, die Unterhaltungselektronik und Medizinprodukte.

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